Gastautor/-in, 30. Januar 2023, 07:48 Uhr

Schule für Gestaltung St.Gallen: Was ist Schönheit? Eine Suche ohne Antwort

Der Begriff Schönheit wurde in der Fotografie schon auf unterschiedlichste Arten visualisiert. Jetzt haben sich die Studierenden im 5. Semester der Schule für Gestaltung St.Gallen intensiv mit diesem Thema befasst und zeigen ihre Werke in einer Ausstellung. Muss Schönheit unbedingt mit attraktiven Menschen verbunden sein? Und was empfinden wir überhaupt als attraktiv?

 

Im Foyer der Schule für Gestaltung St.Gallen zeigen 13 Studenten des HF-Lehrgangs Fotografie ihre Arbeiten zum Thema Schönheit

Lehrgangsleiter Christian Schnur erklärt: «Schön ist natürlich auch ein Sonnenuntergang oder meine gut gepflegte Hauskatze. Der Schönheitsbegriff ist durch uns individuell geprägt.» Die Studierenden waren aufgefordert, den Begriff persönlich visuell auszuloten. Sie untersuchten die Schönheit in Bezug auf Körper und Hülle fotografisch. «Die Bilder liefern uns keine Antworten auf der Suche nach Schönheit, sondern sind subjektive Interpretationen dazu», so Schnur.

 

Die Visualisierungen der Studenten ist so vielfältig wie das Thema selbst und regen zum Mitdenken an

Co-Lehrgangsleiterin Désirée Good hört den Ausdruck «wow ist das schön!» oft. «Wir wollen das Wort befreien von den allgemeinen Mainstream-Bildern, mit denen wir in der Werbung berieselt werden», erklärt sie. Studentin Stefanie Rohner beispielsweise hat in ihren Bildern den nie enden wollenden Winterblues thematisiert. Mit ihren Selbstporträts «I’m not ok» stellt sie die damalige mentale Gesundheit dar – Gesten und Stimmung werden dem/der Betrachter*in eindrucksvoll vermittelt.

Stefanie Rohners arbeitet Teilzeit als Journalistin für die St.Galler Nachrichten und ist als freischaffende Fotografin tätig. Für den berufsbegleitenden HF-Lehrgang Fotografie habe sie sich entschieden, um das Handwerk noch besser zu beherrschen. «Ich habe während den vergangenen fünf Semestern viel über die eigene Bildsprache und die Arbeit mit visuellen Konzepten gelernt», sagt sie.

 

Die Bildserie von Joachim Keller zeigt Tattoos als Körperkunstsprache der Seele. «Jedes Tattoo hat seine eigene Geschichte, ist geprägt von positiven und negativen Erfahrungen», erklärt Joachim Keller. Die fünf Semester haben bei ihm einen wichtigen Kreativprozess in Gang gebracht: «Ich gehe mit anderen Augen durchs Leben und interessiere mich mehr für die kleinen Dinge. Wie setze ich sie richtig ins Bild?» Er beherrsche den Umgang mit der Kamera und die gesamte Aufnahmetechnik jetzt noch besser. «Und ich binde auch mein Gegenüber, den Menschen, mehr in meine Fotografie mit ein.»

 

Andri Vöhringer betrachtet Verschmelzungen als schön. Zum Beispiel wenn man während eines Konzerts eins wird mit dem/der Künstler*in – oder wie er selbst mit Objekten. Auf einer Aufnahme ist er selbst auf einem Kühlschrank zu sehen. «Ich konzentrierte mich auf die Langzeitbelichtung am Tag. Jedes Bild wurde eineinhalb Minuten lang belichtet.» Andri Vöhringer seinerseits ist seit Beginn des Studiums als selbstständiger Fotograf tätig. Er habe einen beruflichen Wechsel gebraucht und sei sozusagen von 0 auf 100 in die Fotografie eingestiegen. Er schätzt, dass im Unterricht die technischen Aspekte zu Kamera, Licht und Zubehör vertieft vermittelt werden. Sein neues Wissen hat er nun in seine Fotoserie «hard to explain» einfliessen lassen.

 

Noch wenige Stunden bis zur Vernissage. Die Studenten gehen nochmals alle ausgestellten Werke durch. Dabei ergeben sich angeregte Diskussionen. 

Die ausstellenden Student/innen sind:

Denisse Castillo, Daniel Gavrilov, Dario Hässig, Claudio Hetzel, Fabian Hurschler, Joachim Keller, Sara Niederer, Stefanie Rohner, Kevin Roth, Selina Slamanig, Sara Spirig, Andri Vöhringer und Angelina Wegmann.

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, der hier als pdf heruntergeladen werden kann.

Die Ausstellung «Körper – Hülle – Schönheit» ist noch bis 24. Februar 2023 im Foyer der Schule für Gestaltung St.Gallen, Demutstrasse 115, St. Gallen zu sehen.

Weitere Infos zum Lehrgang HF Fotografie finden Sie hier.

Text: Mike Gadient
Stimmungsbilder: Urs Tillmanns

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