Urs Tillmanns, 8. Juli 2012, 07:00 Uhr

Das analoge Erlebnis: Lubitel 166 wieder lieferbar

Es ist lange her, seit wir die letzte analoge Kamera hier vorgestellt hatten. Jetzt wird ein Klassiker neu aufgelegt. Eine zweiäugige Spiegelreflexkamera für 120er- und 35mm-Film. Einst ein Highlight in Russland, kommt jetzt die Lubitel 166+ wieder zu neuen Ehren.

 

Sie heisst Lubitel 166+ und findet ihre Vorfahren in den 1970er Jahren in der damaligen Sowjetunion, genauer beim grössten russischen Optikhersteller Lomo in St.Petersburg. Eigentlich geht ihr Stammbaum jedoch noch weiter zurück und landet in Braunschweig bei der Firma Voigtländer in die Jahre 1930.

Lomography, die der analogen Fotografie wann immer möglich die Fahne hochhält, hat jetzt diesen Klassiker wieder aufleben lassen. Mehr noch: Sie hat ihn mit einem 35mm-Kit ergänzt, so dass damit nicht nur 120mm-Rollfilme belichtet werden können, sondern auch 35mm breite Kleinbildfilme – dann allerdings vorzugsweise im Hochformat.

Für alle, die nicht mehr wissen, was eine zweiäugige Spiegelreflexkamera ist

Sie hat ihren Namen von ihren zwei Objektiven, dem oben angeordneten Sucherobjektiv, welches ihr Bild über einen Spiegel nach oben auf eine matte Einstellscheibe wirft und dem unteren Aufnahmeobjektiv, das mit einem mechanischen Verschluss und einer Blende ausgestattet ist, um die Lichtmenge und Belichtungsdauer zu dosieren. Die Schärfe wird über eine Lupe im Lichtschacht eingestellt. So einfach war das.

Für alle, welche die Fotogafie mit Film neu entdecken möchten

Ganz so abwegig ist das gar nicht, denn es ist seit der digitalen Kamerarevolution bereits eine Generation junger Leute herangewachsen, die wahrscheinlich noch nie einen Film in eine Kamera eingelgt hat, geschweige denn, diesen im Dunkeln entwickelt und davon optische Vergrösserungen hergestellt hat. Sie können mit der neuen analogen Kamera spannende Erfahrungen sammeln und zu den Wurzeln der Fotografie zurückkehren.

Für alle, die nicht Pixel zählen, sondern fotografieren wollen

Nein, sie hat keinen Autofokus, und nicht einmal eine Belichtungsmessung. Aber vielleicht macht das Fotografieren mit der puren Lubitel 166+ gerade deshalb besonders Spass. Weil man die Blende und Verschlusszeit wählen und die Entfernung manuell einstellen muss. Auch der Verschluss – eigentlich ein einfaches Uhrwerk – muss vor dem Auslösen manuell gespannt werden, und nach dem Auslösen darf man nicht vergessen, den Film um ein Bildenster weiter zu transportieren. Natürlich auch von Hand. Vergisst man dies, so werden zwei Bilder übereinander belichtet, was zwar lustige Effekte geben kann aber die falsche Methode ist, um Filmkosten zu sparen.

Für alle, welche die Lomographie für sich entdecken wollen

Lomographie, das sind jene Jünger der Fotografie, bei denen nichts perfekt sein darf. Bilder also, die trashig daher kommen, die nicht ganz scharf sind, die ebenso ulkige wie kaum erklärbare Effekte zeigen und die anders sind als alles, was man sonst aus der Bildwissenschaft kennt. Lomographen suchen sich deshalb auch einfachste (Plastik-)Kameras aus, um dieser Philosophie nachzuleben.

Für alle, die es doch etwas besser haben möchten

Die Lubitel passt eigentlich nicht so ganz in dieses Konzept – sie ist wahrscheinlich zu gut. Zwar ist das dreilinsige Objektiv weitab von jeder Perfektion und kommt qualitativ bei weitem nicht an die damaligen Edelgenossen von Rolleiflex, Mamiya oder vielen anderen heran. Doch haben in Russland ganze Generationen mit der Lubitel fotografieren gelernt, und wahrscheinlich waren darunter nicht die schlechtesten Fotografen.

Ob sie Chancen hat im heutigen Fotomarkt?

Natürlich nicht! Niemand wird wohl von der bewährten Digitaltechnik ins Lubtel-Zeitalter zurückkehren wollen. Hingegen wird es Leute geben, welche die damalige Technik und Arbeitsweise nacherleben möchten und Spass daran haben, dazu eine nigelnagelneue Kamera zu nutzen. Und nicht zuletzt dürfte es für Jugendliche interessant sein, beispielsweise in einer Projektwoche eine Fotografie zu erleben, welche sie auf ursprüngliche, spannende Pfade zurück führt.

Lubitel 166+ / Technische Daten
Kameratyp Zweiäugige Spiegelreflexkamera
Hersteller Lomo
Film 120 und 35 mm
Bildformate 6×6 cm, 4,5×6 cm, 24×36 mm, Endlos-Panorama
Objektiv Triplet-22, 1:4,5/75 mm
Verschluss manueller Spannverschluss
Verschlusszeiten 1/15 bis 1/250 sec, B (Langzeitbelichtung)
Blenden 4,5 bis 22
Entfernungseinstellung 0,8 m bis Unendlich
Blitzsynchronisation Zubehörschuh mit Mittenkontakt
Blitzsynchronisation bei allen Verschlusszeiten
Filmtransport manuell
Bildzählwerk mechanisch für Kleinbildfilm,
2 Filmnummernfester in Kamerarückwand
Mehrfachbelichtungssperre keine
Besonderheiten Belichtungseinstellsymbole, Drahtauslöseranschluss
Preis CHF 350.00
Verfügbarkeit ab Ende Juli 2012

 

Weitere Informationen finden Sie

• auf der Microseite der Lubitel 166+

• auf den Seite der Lomographischen Gesellschaft

• bei Ars-Imago, welche diese Kamera und das entsprechende Verbrauchmaterial über ihren Shop in der Schweiz vertreibt.

 

ars-imago GmbH
Ägeristrasse 5
CH-6300 Zug
Tel. 0900 697 467 (Fr. 1.79/Min.)

2 Kommentare zu “Das analoge Erlebnis: Lubitel 166 wieder lieferbar”

  1. Natürlich find‘ ich’s toll wenn wieder mal eine (quasi-) neue Analogkamera auf den Markt kommt.
    Ja, die ersten dieser Art Kameras waren tatsächlich noch spartanisch ausgerüstet, mit Dreilinser wie diese Lomo, ohne Filmstop – eben wie diese Lomo. Doch : sind diese Lomos‘ von bewusst geringer Qualität als dass sie es sein könnten und damit wird der „Instagram“-Generation vorgekaukelt, so wäre Fotografie früher gewesen.
    Dabei waren selbst die alten Dreilinser besser und selbst die im Westen belächelten Zorkis und FEDs‘ waren qualitativ hochstehender. Wenngleih es natürlich auch früher Kameras von niederer Qualität gab. Mehr als mit dem Medium Film und der GrundKonstruktion haben diese Kameras also nit den damaligen wenig gemein, möchte man sie nicht mit den schon damals Schlechteren gleichsetzen.
    Schade um das Bild welches der jungen Generation von der Analogfotografie damit vermittelt wird . . .
    Trotzdem : man kann ja froh sein um jeden der noch Film kauft 🙂

    1. @ Philip
      Also ich kauf regelmässig Filme. Heut meistens auf Blu-ray 🙂

      Aber im Ernst, das Fotografieren mit Fotofilm muss zunehmend geplant sein. Das Angebot ist besonders bei Rollfilm sehr eingeschränkt und nur noch wenige Händler scheinen überhaupt noch eine breite Auswahl an Lager zu haben. Ist ja verständlich, beschleunigt aber den Niedergang nur zusätzlich.

      Was die Kamera anbelangt würden mich die Qualität der Fertigung und der Optik schon interessieren. Wo kann man die Kamera sonst noch anschauen? (In Zug komm ich kaum je vorbei.)

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