David Meili, 15. Dezember 2009, 11:00 Uhr

Kulturtipp am Dienstag: Ariella Azoulay präsentiert Act of State

Ariella Azoulay ist für die Fotografie eine der führenden Intellektuellen der Gegenwart. Als Professorin für Philosophie und Visual Culture an der Bar Ilan Universität in Ramat Gan (Tel Aviv) befasst sie sich seit Jahren mit der visuellen Vermittlung der Situation in den besetzten Gebieten. Im gesamtem Umfang zeigt das Centre de la Photographie Genève ihre Arbeit Act of State.

Act of State wurde bereits 2008 nach der Ausstellung in der Minshar Gallery, Tel Aviv im Verlag Mondadori als Buch publiziert. Die Arbeit umfasst 700 Fotografie von etwa 50 Fotografen aus dem Zeitraum zwischen 1967 und 2007. Viele Bilder, vor allem von palästinensischen Fotografen und aus der frühen Berichterstattung der Armee sind in Schwarzweiss.

51_phogo1997castelnuovo-wWie zeigt man ein derart ausuferndes Werk in einem Zentrum für Fotografie? Ariella Azoulay hat als Gast-Kuratorin eine radikale Lösung gewählt. Alle 700 Bilder sind im Computerausdruck als A4-Blätter an die Wände gepinnt. Da auch an der 28, rue des Bains in Genf nicht endlos Wandflächen zur Verfügung stehen, wird die Ausstellung sozusagen in zwei Schichten à je drei Wochen präsentiert.

51_photo1967shavid-wDie eigenwillige Lösung führt zu einem eindrücklichen Resultat. Wie in einem Film läuft die Geschichte der israelischen Besatzung ab, meist in sehr direkten, eindrücklichen Momentaufnahmen. Eine der zentralen Aussagen kennt man bereits: Die Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit auf beiden Seiten. Doch die Ausstellung greift tiefer. Sie demonstriert, wie seit 1967 der „Act of State“ zur Stagnation und zum sich Drehen im Kreis geführt hat.

51_photobalshaer-wDie politische Botschaft ist nur einer der Gründe, sich die Ausstellung anzuschauen. Noch nie wurden die vergangenen vier Jahrzehnte Reportagefotografie am Beispiel eines einzigen Themenbereichs derart kompetent dokumentiert und aufgearbeitet. Man spürt auch auf Seite der Fotografie eine Radikalisierung und eine Fokussierung auf das Dramatische. Der „Act of  State“ wird zunehmend als „action“ ins Bild umgesetzt.

Erst die Masse an Bildern erlaubt es, über die politische und ethische Verantwortung der visuellen Berichterstattung nachzudenken. Was Azoulay letztlich aufzeigt, ist auch eine Besetzung der Westbank und des Gaza-Streifens durch die Fotografie. Wenn man in ruhigen Zeiten die Gelegenheit hatte, diese Zonen zu besuchen, sah man die in der Presse vermittelten Bilder vor Ort nicht.

Ariella Azoulay: Act of State
Centre de la photographie, Genève
1. Teil bis 20.12.2009 – 2. Teil 29.12.2009 – 17.1.2010

Umfassende Information über das Projekt im israelischen Kulturmagazin-Magazin Ma‘ arav.

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