Urs Tillmanns, 19. März 2011, 07:00 Uhr

Buchtipp: «Auf den Punkt» von Stern-Reporter Harald Schmitt

Über den Bildjournalismus gibt es nur wenige Bücher. Das macht das jüngste Buch des Stern-Reporters Harald Schmitt so wertvoll. Er erzählt auf über 300 Seiten über seine Erfahrungen in 40 spannenden Reporterjahren und untermalt seine beeindruckenden Bilder mit ergreifenden Episoden. Ein Buch, das die Wahrheit über einen Beruf zeigt, der nach Schmitts Aussagen der schönste ist, aber auch Nachteile hat …

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen neben einem Fotografen, der Ihnen Bilder zeigt. Faszinierende Bilder, von denen Ihnen vielleicht das eine oder das andere bekannt vorkommt, andere, die gerade deshalb begeistern, weil Sie sie noch nie gesehen haben. Der Mann neben Ihnen weiss zu jedem Bild eine Geschichte zu erzählen. Wie es enstanden ist, wie der Auftrag der Redaktion lautete, wie er sich auf die Situation vorbereitet hatte, welches Ausrüstung er verwendet hat und weshalb gerade diese … es wird immer spannender … und jetzt sind sie eigentlich schon Mitten drin, in diesem Buch. Und der Mann neben Ihnen ist Harald Schmitt, sechsfacher «World Press Photo»-Preisträger, der auf vierzig Jahre Reporterleben zurückblicken kann.

Erwarten Sie kein Fotolehrbuch. das ist es nicht, obschon darin unzählige Praxistipps durchschimmern, die man sich unbedingt merken sollte, weil sie bei einem grossen Fotografen in bestimmten Situationen zu Erfolgsbildern geführt haben. Es geht auch nicht um Fototechnik. Sie spielt im Bildjournalismus ohnehin eine untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr darum, wie man eine Begebenheit mit einem Bild so einfängt – ich habe bewusst nicht «dokumentiert» geschrieben, weil guter Bildjournalismus meilenweit von Dokumentation entfernt ist – dass es als Doppelseite in einem Stern die Leser aufrüttelt und die ganze Geschichte erzählt.

Harald Schmitts Bilder begeistern, weil Sie uns vierzig Jahre Berufs- und Lebenserfahrung eines grossen Bildreporters weitergeben. Auch wenn viele der Bilder schon etwas Staub angesetzt haben und sich gerade die jüngeren Leser kaum noch an die damaligen Ereignisse erinnern, so sind sie erhaltene Zeitdokumente einerseits und fotografische Praxisbeispiele andererseits, aus denen wir viel lernen können.

Von Harald Schmitt können wir viel lernen. Er hat in über 40 Jahren mehr als 100 Länder mit seiner Kamera bereist, hat Dinge erlebt, die ans Unfassbare grenzen und schreibt alle diese Episoden in einem Buch nieder. Ob es nun politische Reportagen sind, Bilder aus der Sportszene, Autofotografie als der Porsche Panamera noch Erlkönig war oder ergreifende Szenen behinderter Kinder in Vietnam … es vergeht keine Doppelseite, bei der uns Harald Schmitt nicht mit einem besonderen Bild oder einer wichtigen Aussage überrascht. A propos Doppelseite: Das Kapitel «Auf den Punkt! Über das Denken in Doppelseiten …» müssen Sie unbedingt lesen. Es ist das Kernkapitel des ganzen Buches …

Urs Tillmanns


Buchbeschreibung

Dieses Buch lebt von den Bildern und Geschichten des Stern-Fotoreporters Harald Schmitt. Es werden allgemeine Themen wie Ausrüstung, Technik, Rechte und Vermarktung genauso behandelt wie die Genres Porträt-, Reportage- und Sportfotografie. Außerdem schreibt Harald Schmitt über Fotoreporter und Bildredakteure sowie über seine Erfahrungen, was alles schief gehen kann, und erzählt zudem seine Lieblingsgeschichten. Alle diese Themen werden selbstverständlich anhand seiner ausdrucksstarken Bildern behandelt. 124 Länder, 40 Jahre Berufserfahrung, 20 sozialistische Länder, 9x Tour de France, 6x World Press, 5x Olympia, 5x Mongolei und 4x Americas Cup sprechen für sich.

«Auf den Punkt» ist zum einen ein sehr persönlicher Fotoband: Harald Schmitt berichtet von seinen Jahrzehnten im Journalismus,über prägende Erlebnisse in der Reportage-, Porträt-, Sport- und Auto-Fotografie, von abenteuerlichen Situationen, in die Fotografen geraten können, und wie man sie meistert. Alle diese Themen werden dabei anhand seiner ausdrucksstarken Bilder behandelt.

Zum anderen können Sie als interessierter Fotograf aus den vielfältigen Informationen, die Harald Schmitt hier in spannender und lehrreicher Art zu Aufnahmesituationen, Techniken und seinen Erfahrungen, was alles schiefgehen kann, gibt, Ihre eigenen Schlüsse für zukünftige persönliche Vorgehensweisen ziehen.

Der Inhalt

Vorwort von Yasuo Baba, Nikon Professional Service Manager

Kapitel 1: Die goldenen Jahre des Magazin-Journalismus. Gill und Die Macht der Bilder

Kapitel 2: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – aber wie?.  Wenn Reportagen zu Entdeckungsreisen werden

Kapitel 3: So haben wir den noch nie gesehen . Über Porträts. Und solche, die man nicht vergisst

Kapitel 4: Kleine Menschen, grosse Töne. Unterwegs zu den Pygmäen

Kapitel 5: Einer gegen alle anderen. Sportfotografie ist auch ein Wettkampf

Kapitel 6: Gelobt sei, was anmacht. Die schwierige Formensprache der Autofotografie

Kapitel 7: Agent Orange und die Kinder aus Vietnam. Erst Mensch, dann Fotograf

Kapitel 8: Auf den Punkt! Über das Denken in Doppelseiten

Kapitel 9: Mitgefangen, mitgehangen. Was Professionalität mit Gewissen zu tun hat

Kapitel 10: Immer in tragender Rolle: der Fotograf. Wie man auf Reportage perfekt ausgerüstet ist

Kapitel 11: Im Paragrafendschungel. Die Tücken im Persönlichkeits- und Urheberrecht


Kapitel 12: Goldgräber am Amazonas. Was ist ein Leben wert?

Kapitel 13: World Press Photo Award. In einer Sekunde entscheidet sich alles

Kapitel 14: Der schönste Beruf der Welt. … und seine unvermeidlichen Nachteile

Der Autor

Harald Schmitt, sechsfacher Gewinner des World Press Photo Award, hat in mehr als 40 Reporterjahren weit über 100 Länder bereist. Nach einer Fotografenlehre in Trier arbeitete er dort bei einer Lokalzeitung, danach als Sportfotograf in München und bei der Presseagentur Sven Simon, zunächst in Bonn, später von Paris und Nizza aus. Seit 1977 ist er als Fotoreporter beim Stern in Hamburg fest angestellt. Von 1977 bis 1983 war er für das Magazin in der DDR akkreditiert, lebte in Ost-Berlin und unternahm von dort aus Reisen durch Osteuropa. Seine Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau («Sekunden, die Geschichte wurden», 2009) zeigte die Reportagen aus den letzten Jahren vor dem Untergang des Staatssozialismus.

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Harald Schmitt
«Auf den Punkt»
33 Jahre als Fotoreporter für den Stern

303 Seiten, reich illustriert, fester Einband
Verlag Addison-Wesley, dpi-Buchreihe
Preis im Buchhandel: CHF 61.90

Das Buch kann hier online für Euro 39,80 versandkostenfrei bestellt werden.

Ein Kommentar zu “Buchtipp: «Auf den Punkt» von Stern-Reporter Harald Schmitt”

  1. Wirklich gutes Buch, auf für Profis und Erfahrende ein Lesegenuss. Ein ganz, ganz kleiner Abzug ist das eher schwache Lektorat des Verlags – da hätte schon einer rausfinden können, dass es keine Nikon F-1 gab. Aber eben das sind die brühmten Haare in der Suppe. Das Buch als solches ist unterhaltsam geschrieben, vermittelt viel Anregendes und beschreibt auch die Situation des Photojournalismus heute treffend

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