David Meili, 1. Mai 2011, 11:19 Uhr

Fotomedien, gebuehrenmonster.ch und Versöhnung mit Piero Esteriore

Pressespiegel zum Wochenende vom 30.April/1.Mai 2011
Das Erdbeben in Nord-Japan und die Berichterstattung über seine Folgen bewiesen, dass die Gegenwart und die Zukunft der Foto-Fachpresse  im Internet liegt. Einige der führenden Forschungs- und Produktionsstätten in unserer Branche liegen in dieser Zone. Für die globale Fotoszene ist es der Arc Jurassien der Kamera- und vor allem der Präzisionsindustrie. Die Berichterstattung in den Fachzeitschriften erfolgte, bei Produktionszeiten im besten Fall von zehn Tagen, sehr zögerlich. Durch die Online-Dienste und die Sites der Hersteller konnten auch wir von fotointern.ch sozusagen in Echtzeit informieren.

Der Markt der Fotomedien splittet sich nunmehr in drei Segmente auf: Die direkte Online-Information, wie durch fotointern.ch und  die wenigen Hochglanzzeitschriften für Fotoamateure und die Themenmagazine als Leitmedien für qualitativ hochwertige Reportagen. Die Deutschweiz ist ein Abbild der Entwicklung im europäischen Markt. Hochglanzzeitschriften mit einheimischem Schaffen gibt es nur noch für Fashion und Lifestyle (Annabelle, Bolero, Faces und die Beilagen zu den Sonntags-Zeitungen). Für die Fotokultur hat sich DU zunehmend profiliert (Hinweis auf die aktuelle Ausgabe in fotointern.ch).

Die Magazine haben an diesem Wochenende fotografisch und inhaltlich nicht viel zu bieten. Benchmark wird immer mehr FEMINA von LaMatinDimanche. Redaktionell und journalistisch sehr gute Beiträge, informativ und unterhaltsam. Das magazin des SonntagBlick, oder wie es sich nach mehreren Bezeichnungen in der Baseline auch immer nennt, kann man ungelesen wegwerfen. Die Redaktion von FEMINA  in Lausanne beweist, dass man mit weniger Mitteln auch ein Coffee-Table Mag sehr gut machen kann. Die Zürcher Szene verschnarcht die Trends aus Selbstgefälligkeit.

LeMatinDimanche liegt auch encore! bei. 1:1 Style der NZZ, na klar, denn es sind die gleichen Inserate der  gleichen Agenturen, en Français, im gleichen Format. Sehenswert sind die Architekturaufnahmen von Yann André. Das Layout ist innovativer und frecher, als man es an der Falkenstrasse vorschlagen würde (Styling Seite 42/43 Elodie Maître-Aranaud und Anouk Schumacher). Wer an Mode und Fotografie interessiert ist, soll sich LeMatinDimanche dieses Wochenende kaufen.

134 000 Unterschriften sind bei der von Francisca Brechbühler und Natalie Rickli lancierten Petition für tiefere Billag-Gebühren zusammengekommen. CHF 200.- pro Jahr und Haushalt sollen genügen. Das Anliegen breiter Kreise, vor allem der jungen Bevölkerung, wird am 17. Mai 2011 eingereicht. Ob daraus eine Volksinitiative wird, bleibt offen. Massiver Druck kommt von der SP, denn die meisten Mitarbeiter/innen der SRG sind gewerkschaftlich organisiert. Auch wenn diese heute, am 1. Mai, nicht auf die Strasse gehen und sich nicht dem aktuellen Parteiprogramm identifizieren, fürchten sie sich vor einschneidenden Massnahmen. Solche wären zweifellos notwendig, um unsere im internationalen Vergleich exorbitante Sondersteuer für öffentlich-rechtliche Medien ins Lot zu bringen. (Bildnachweis BlickOnline)

Die Petition wurde zuerst lächerlich gemacht, erhielt jedoch dank Facebook rasch an Sympathisant/innen über alle Parteigrenzen hinweg. Mit ihrer Fachkompetenz kommt Natalie Rickli so gut an, dass auch der SonntagsBlick die  Rauchzeichen gesichtet hat. (Beitrag von Marcel Odermatt auf Seite 33)

Ebenfalls im SonntagsBlick blättern wir zum Interview mit Flavio Calligaris, Chef von Coca-Cola Schweiz. Er wollte sich von Adrian Bretscher vor einem Harrassenlager (mit abgefüllten Flaschen) in Dietlikon fotografieren lassen (Text Roman Seiler). Dass man mit Calligaris, dessen Familienleben und Sportbegeisterung im Interview angeschnitten wird, keine Home-Story machte, ist unverständlich. Vielleicht fehlt Ringier mit der Umpolung des Magazins ganz einfach das Mediengefäss.

Der Sonntag macht auf billig. Brauchen wir das Prinzenpaar geduscht und neu bekleidet vor dem Palast auf der Frontpage? Dann fürchtet man sich vor 3 000 Polen (Seite 3) die zum Spargelstechen kommen und vielleicht sogar bleiben. So erinnert man sich an Ai Weiwei und seine 1 001 Chinesen an der Documenta 12, einem der genialsten Kunstprojekte. Weiwei schmort immer noch in chinesischen Kerkern, und ob seine Werkschau im Fotomuseum Winterthur stattfinden kann, bleibt offen.

Der Sonntag entschädigt uns mit einem Interview mit Bertrand Piccard. Piccard ist in „panic black“ gekleidet, doch Chris Iseli schafft es. Wir haben ein weit besseres Bild des Visionärs im Archiv, der alles andere als ein Abenteurer ist. Solar Impulse ist auch für die Fototechnik von Bedeutung. Die im Projekt geförderten Technologien bringen wesentliche Inputs für die Autonomie der Stromversorgung, den Abgleich mit Geodaten und noch viel mehr. Solar Impulse wird nebenbei kontinuierlich durch ein von Piccard beauftragtes Kamera- und Fototeam aus Lausanne weltweit begleitet. Es ist dadurch auch ein interessantes Medienprojekt.

Zurück zur letzten Seiten des SonntagsBlick und zu People. Nach dem Overhead an Royals fehlt  Glamour. Das lokale Rock-Gespenst Chris von Rohr will beim Fernsehen (SF1 – Chris muss dort sehr gute Freunde haben) wieder „durchstarten“, zum Glück, wann das Sandmännchen bereits gekommen ist. Anna Rossinelli (?) fuhr mit „15 Röcken“ per ICE nach Düsseldorf (auch Der Sonntag brachte das peinliche Bild). Piero Esteriore hat aus seiner zweiten Beziehung einen süssen Sohn. Mangels weiterer Prominenz hat sich das Haus Ringier offensichtlich mit Esteriore versöhnt.

Erfolgsrezept für Nachwuchs-VIP’s: Den Merz von Mama am 4. Oktober 2007 in den Haupteingang an der Dufourstrasse parkieren und etwas Glas zerschlagen. Gion Mathias Cavelty war als Autor des  Beitrags über Esteriore im Blick vom Vorfall derart traumatisiert, dass er nur noch Schriftsteller sein wollte. Und er ist nunmehr einer der Besten in der Deutschschweizer Literaturszene, und Esteriore hat einen Sohn!

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