Urs Tillmanns, 6. Oktober 2013, 07:00 Uhr

Vom Weinhandel zur Optik – Die Geschichte von Schneider Kreuznach

Die Jos. Schneider Optische Werke GmbH in Bad Kreuznach feierten kürzlich das 100jährige Jubiläum. Christoph Jehle hat die bewegte Geschichte des Unternehmens zusammengefasst und beleuchtet hier ein Jahrhundert Kreuznacher Optikgeschichte.

 

Wie kommt ein Weinhändler zur Optik? War es der tägliche Umgang mit Glas, der zu optischen Experimenten animierte? Im Detail lässt sich das heute nicht mehr ermitteln, auch wenn sich die Geschichte der vor hundert Jahren gegründeten Firma Schneider-Kreuznach durchaus noch nachvollziehen lässt.

Joseph Schneiders Vater Johann hatte das Küferhandwerk erlernt und betrieb gemeinsam mit seiner Frau in der Mannheimer Strasse eine Brauerei mit angeschlossener Gastwirtschaft. Nach einer kaufmännische Lehre im «Manufakturwarenhaus Schloßstein» und der Heirat mit der Weinhändlertochter Josefine Oster im Jahre 1866 zogen beide 1877 nach Springfield, Ohio (USA), wo sie die amerikanische Staatsbürgerschaft annahmen und unter dem Namen «Schneider Brothers» eine Brauerei aufbauten. Nachdem die «Schneider Brothers Brewery» mit anderen lokalen Brauereien fusionierte, gab Joseph Schneider die Geschäftsführung auf und kehrte 1890 mit dem in Springfield geborenen Sohn Josef August Schneider (1888-1950) wieder nach Bad Kreuznach zurück, wo er einen Weingroßhandel begann und 1895 wieder die preussische Staatsbürgerschaft beantragte. Die Familie bezog damals das später «Villa Schneider» genannte Haus in der Stromberger Strasse. Josef August Schneider studierte in Frankfurt/Main Physik und Optik und meldete 1910 sein erstes Patent an mit dem Titel: «Einrichtung an einem Kinematographen mit stetig bewegtem Bild zum optischen Ausgleich der Bildwanderung mittels zweier gleichläufig und synchron bewegter polygonaler Trommeln».

1913 Joseph Schneider und Villa Schneider

Joseph Schneider und die «Villa Schneider» um 1913

Patent SchneiderZur Umsetzung der Patente seines Sohnes gründete Joseph Schneider (1855-1933) am 18. Januar 1913 die «Optische Anstalt Jos. Schneider & Co», die ihren ersten Standort bei der Villa Schneider in der Stromberger Strasse hatte. Aus der Anfangszeit sind noch Objektive erhalten, die jedoch nicht genau zu datieren sind, da sie noch ohne Seriennummern gefertigt wurden. Schon 1914 wurden mit den Namen «Symmar», «Componar» und «Isconar» die ersten Warenzeichen angemeldet und im Jahr darauf begann die Produktion von Kinoprojektionsobjektiven.

1918 Belegschaft

Die Belegschaft von Schneider-Kreuznach 1918

Unter dem noch heute genutzten Namen «Xenar» wurden ab 1919 vierlinsige, dreigliedrige, unsymmetrische Anastigmate produziert. In den 1920er-Jahren bereicherten das erste «Xenon» sowie neue Tele-Systeme das Produktionssortiment und 1930 folgt das erste Musterobjektiv des «Angulon» 6,8/12 cm.

1937 Schneider Fabrikanlage

Das Optische Werk Schneider-Kreuznach 1937

1936 begann unter dem bisherigen Kreuznacher Werksleiter A.W. Tronnier der Aufbau einer Objektivfertigung in Göttingen. In Bad Kreuznach übernahm Stephan Röschlein die Aufgaben von Tronnier. Röschlein war zuvor bei Hugo Meyer in Görlitz und hat später in Bad Kreuznach in seiner eigenen Firma das Luxon für die Braun Paxette produziert. 1962 wurde seine Firma von Sill in Wendelstein übernommen.

Bilder aus der Entwicklung und Produktion bei Schneider Kreuznach um 1940

Isco, Göttingen

1936 begann unter A.W. Tronnier der Aufbau einer Fertigung von Luftbildobjektiven in der Jos. Schneider & Co., Optische Werke, Göttingen, KG im Gebäude der ehemaligen Klavierfabrik Rittmüller am Leinekanal. Auf Wunsch des deutschen Reichs-Luftfahrtministeriums sollte die Fertigung von Rüstungsoptiken in Göttingen stattfinden, weil Kreuznach zu nahe an der französischen Grenze lag. Isco war der wichtigste deutsche Optiklieferant für Luftbildkameras im Zweiten Weltkrieg. Es sollen etwa 45’000 Objektive für Luftbildkameras mit dem Produktionscode «kqc» gefertigt worden sein. Zusätzlich zu den Aero-Xenaren wurden unter Tronnier in Göttingen vier «Nacht-Xenone» für die Luftaufklärung entwickelt: 1,5/300 mm (1940), 2,2/300 mm (1943), 2,3/400 mm (1943), 1,7/300 mm (1944). 1942 bezog Isco den Neubau «An der Lutter». Wie in Bad Kreuznach erfolgte die Kriegsproduktion auch in Göttingen mit Zwangsarbeitern. A.W. Tronnier arbeitete später für die Farrand Optical Company in New York und für Voigtländer in Braunschweig.Isco durfte als ehemaliges Rüstungsunternehmen direkt nach dem Krieg keine optischen Systeme herstellen und nahm daher die Produktion von Brillengläsern auf.Bis zur Währungsreform 1948 wurden die Mitarbeiter offensichtlich mit Brillengläsern bezahlt. Noch kurz vor der Währungsreform demontierte die englische Besatzungsmacht den gesamten Maschinenpark bei Isco. Da diese Massnahme zuvor durchgesickert war, waren die Ersatzanlagen schon zuvor eingekauft und in umliegenden Scheunen versteckt worden, so dass die Produktion nur kurz zum Erliegen kam.

Isco spezialisierte sich einerseits auf Projektionsobjektive, die sich unter dem Namen «Projar» in vielen Diaprojektoren fanden und lieferte vielen Kameraherstellern eine preiswerte Alternative zu den Schneider-Objektiven. Mit der Verlagerung von Teilen der Regula-Produktion zu «National Instruments» in Kalkutta wurde Isco zum Objektiv-Lieferant der einzigen in Indien gefertigten Kleinbildkamera.

ISCO Gebäude

Das Isco-Werk in Göttingen heute

1953 begann man in Göttingen mit der Entwicklung anamorphotischer Kleinbild-Objektive für Aufnahme und Projektion.Als Folge der Schneider-Insolvenz wird die Isco Optische Werke GmbH in Göttingen noch im gleichen Jahr abgetrennt und die Isco-Optik GmbH gegründet. Nach einer zweiten Insolvenz im September 2003 wurde die Göttinger Fertigungsstätte 2004 in die Isco Precision Optics GmbH überführt. 2008 wurde der Betrieb auf die B+W Filterfabrik Johannes Weber GmbH & Co. KG übertragen, die im Jahr darauf ihren Namen in Schneider Kreuznach Isco Division GmbH & Co. KG änderte und 2011 in ISK Optics GmbH umfirmierte.

In Bad Kreuznach erfolgte 1937 die Grundsteinlegung für eine neue grosse Fabrikanlage in der Ringstrasse 132 die 1938 eingeweiht und 1939 fertig gestellt wurde. Im Zweiten Weltkrieg musste Schneider der Wehrmacht zuliefern und wurde zur Fertigung von Zeiss-Produkten gezwungen, die jedoch Fertigungsnummern aus der Schneider-Systematik trugen.

1950 photokina Ausstellungsstand

Der Stand von Schneider Kreuznach auf der ersten photokina 1950

In den 1950er-Jahren profitierte Schneider vom wachsenden Markt der privaten Fotografie. Nachdem Schneider schon in den 1930er-Jahren Objektive für die im früheren Nagel-Werk in Stuttgart gefertigten Kodak-Regent-Kameras geliefert hatte, kamen auch die Objektive der Retinas und Retinettes von Schneider. Das Bad Kreuznacher Unternehmen wurde auch Objektivlieferant von Carl Braun, Regula, Adox, Franka, Wirgin/Edixa, Robot, Leitz/Leica, Agfa/Karat, Voss/Diax, Zeiss Ikon, Pignons/Alpa, Rollei-Werke, Beaulieu, Braun/Nizo, Balda, Bolta, Hasselblad, Zenza Bronica, Linhof, Sinar, Eumig, Braun/Nizo, Bosch/Bauer und Durst. Und für die Exakta-Varex der Dresdner Ihage konstruierte man 1953 die ersten Wechselobjektive mit Springblende.

 

1956: Der erste Computer bei Schneider-Kreuznach

Der nächste Sprung war die Entwicklung von Objektiven mit veränderbarer Brennweite (sog. Zooms). Ab 1960 wurde das «Variogon» 2,8/10-40 mm mit 13 Linsen in neun Gruppen an die Firmen Niezoldi & Krämer und ab 1962 an Bauer geliefert. Die «Variogon»- und «Optivaron»-Zoomobjektive für Super-8-Kameras zählen zu den erfolgreichsten Modellen aus der Kreuznacher Produktion bis Ende 1970er-Jahre die Produktion der Super-8-Kameras in Deutschland zurückging und die VHS-Kameras den Markt eroberten.

1956 Computereinsatz

1956 gehört Schneider Kreuznach zu den ersten deutschen Industriefirmen, die einen eigenen Computer einsetzen

Bekannt wurde Schneider-Kreuznach auch durch seine Objektive für die Fernsehkameras der Fernseh AG (Fese). In diesem Bereich hatte Schneider als reiner Zulieferer begonnen. Die britische Firma Rank Taylor Hobson, liess das für ihre Objektive benötigte optische Glas bei Schott in Mainz schmelzen und dann bei Schneider schleifen, bevor es in Grossbritannien montiert wurde. Mit der Zeit wollte man bei Schneider einen grösseren Teil der Wertschöpfung übernehmen und begann mit der Entwicklung eigener Objektive für Fernsehkameras.

1967 10Mio Objektiv

1967 konnte Schneider Kreuznach das zehnmillionste Objektiv ausliefern

Ende 1967 stellte Schneider mit dem «TV1 Variogon 2,1/18-200mm» das erste TV-Objektiv vor. Obwohl der Anfang offensichtlich nicht so erfreulich war, galten die Variogone nach einiger Übung als erstklassig. Nachdem die Fertigung von Fernsehkameras in Deutschland aufgegeben wurde, hat man 1990 die Produktion von TV-Objektiven eingestellt.

1967 Lunar Orbiter

1967 lieferte ein Schneider Xenotar Livebilder über den Lunar-Orbiter

Ein wenig im Schatten der hervorragenden Öffentlichkeitsarbeit von Victor Hasselblad und seinen Carl-Zeiss-Objektiven, war Schneider seit 1962 Optiklieferant der NASA. So entstanden die ersten Bilder der Erde mit Schneider-Objektiven mit 45 und 75 mm Brennweite. Auch die Lunar-Orbiter-Sonden hatten jeweils ein Schneider «Xenotar» an Bord. Ab Mitte der 1960er-Jahre werden mit dem Variogon 1:4,0/80-240 mm und dem Variogon 2,8/45-100 mm die ersten Zoom-Objektive mit fester Schnittweite für Kleinbildkameras produziert.

1981 VARIGON Super-8 Querschnitt

1981 wird das Variogon für Super-8 Kameras präsentiert

Heinrich Mandermann1981 wurde Schneider in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Neben der Familie Schneider beteiligte sich jetzt auch Heinrich Manderman (1922-2002) am Unternehmen. 1982 muss Schneider Insolvenz anmelden und in der Folge wurde der Standort in Göttingen abgetrennt. Bei Schneider in Bad Kreuznach übernahm der bisherige Anteilseigner und Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Mandermann den Betrieb nach dem Konkurs vollständig. Heinrich Mandermann war 1969 Mitgründer der «Beroflex AG», einem Zusammenschluss von Importeuren von Orwo-Filmen und Pentacon/Praktica-Kameras mit Sitz in Berlin und Bad Kissingen, der 1971 in Zürich die «Exakta Foto AG» gegründet hatte. Mit der Tochtergesellschaft «Miranda Foto-Video GmbH» in Nürnberg wurden japanische Fotoprodukte importiert, und unter der Marke Miranda ab 1982 den Vertrieb der auf Basis der Pentacon Six am Sitz der Beroflex in Berlin montierten Exakta 66 übernommen. Dazu gab es Wechselobjektive von Schneider-Kreuznach, die eine Übertragung der Blendenwerte auf den TTL-Sucher der Kamera ermöglichten.

1988 Mechanikpruefung

Computergestützte Mechanikprüfung um 1988

Nach der Trennung von Isco erweiterte Schneider 1983 das eigene Sortiment um hochwertigen Kino- und AV-Projektionsobjektiven der «Cinelux»-Reihe und beginnt 1984 mit dem Aufbau von Fertigung und Vertrieb von Brillengläsern aus Silikat und Kunststoff.

Im Jahre 1985 wurde der Betrieb der 1947 gegründeten B+W Filterfabrik, Joh. Weber KG in Wiesbaden übernommen und in die Kreuznacher Fertigung integriert und 1989 kommt die Produktion der aus Glas und Kunststoff gefertigten «Käsemann» Polarisationselemente von der Erwin Käsemann GmbH in Oberaudorf am Inn nach Bad Kreuznach.

Doppel-Läpp-Maschine

Planflächen werden in hochpräzisen Doppel-Läppmaschinen geschliffen …

Dünne Schichten

… im Produktionsprozess mit dünnen Schichten vergütet und …

Filterfertigung bei PENTACON

… und schlesslich als Filter in Metallfassungen montiert

Am 10. Juni 1987 wurde zum symbolischen Preis von einer Deutschen Mark mitsamt 14 Mio. DM Schulden die «Rollei Fototechnic» von der britischen «United Scientific Holding» erworben. Die von Samsung und Ricoh bezogenen Consumerkameras nutzen in der Folge teilweise Marken von Schneider für ihre Objektive. 1995 erfolgte der Verkauf von Rollei an den koreanischen Partner Samsung. Samsung war zuvor Lizenznehmer von Minolta und produzierte Minolta-Kameras für den koreanischen Markt.

1990_Tele-Xenar und SuperAngulon_750

In den 1960er- bis 1990er Jahren war die Herstellung von Grossformatobjektiven ein tragender Bereich von Schneider Kreuznach

 

Markenlizenzen

Nachdem Rollei bei den von Samsung und Ricoh bezogenen Consumerkameras die Marken von Schneider-Kreuznach erfolgreich nutzen konnte, wurde das Lizenzprogramm in der Folge weiter ausgebaut. Samsung hatte von 1997 bis 2002 mit der SR-4000 eine eigene manuelle SLR-Kleinbildkamera im Sortiment, für die mit den Zoomobjektiven 3,5-4,5/28-70 mm und 4-5,6/70-210 mm und dem Xenon 1,4/50 mm drei Schneider-Kreuznach-Objektive verfügbar waren.Schneider-Kreuznach hat auch von Pentax für Samsung produzierte Objektive lizenziert sowie bestimmte Objektive anderer Samsung-Kameras. Bis zum Ende der von Kodak selbst vermarkteten Digitalkameras war auch Kodak Lizenznehmer. Gleiches galt für verschiedene Smartphones von LG. Über die Zusammenarbeit mit der dänischen Phase One werden die bei Mamiya in Japan gefertigten Objektive unter Schneider-Markennamen verkauft.Bei den in Lizenz gefertigten Objektiven kommt ein mehrstufiges, iteratives Entwicklungsverfahren zum Einsatz:

1) Design-Entwurf des Kunden wird überprüft und bei Bedarf korrigiert.

2) Prototyp wird vom Kunden gefertigt und zur Überprüfung vorgelegt.

3) Prototyp wird bei Bedarf korrigiert und neu aufgebaut und geprüft.

4) Serienfertigung wird vorbereitet und Stichproben aus der Serie kontinuierlich überprüft.

In Fällen, in welchen der Kunde die Fertigung an Dritte vergeben hat, sind auch diese in den Abstimmungsprozess integriert. Erst wenn alle Vorgaben erfüllt sind, darf das entsprechende Objektiv den Marken-Namen von Schneider-Kreuznach tragen. Es ist dabei nicht auszuschliessen, dass die in diesem Optimierungsprozessen entwickelten Verbesserungen auch in die Fertigung von Objektiven einfliessen können, die unter anderen Namen verkauft werden.

 

Nach der Pentacon-Übernahme

Nach dem Ende der DDR und dem am 1. Tag der photokina 1990 verkündeten Beschluss der Treuhand den VEB Pentacon, bzw. die damalige Pentacon GmbH abzuwickeln kaufte Schneider-Kreuznach Teilbereiche des Unternehmens einschliesslich der Markenrechte für Praktika. Für diese Übernahme wurde die Schneider Feinwerktechnik GmbH aktiviert, die fortan als Jos. Schneider Feinwerktechnik Dresden geführt wurde. Mit der Sicherung der Markenrechte für Praktica konnte Mandermann die Fertigungspläne der aus den USA zurückgekehrten Familie Noble vereiteln, die mit den im Zusammenhang mit der Rückgabe der Immobilien der früheren Kamerawerke Niedersedlitz erworbenen Materialvorräten zu montieren und zu vermarkten. Zu DDR-Zeit waren die für die Produktion benötigten Teile immer im Jahr zuvor produziert worden. Unter den Rahmenbedingungen, die nach der Wende herrschten, konnten mit dem Teilevorrat dann noch ein Jahrzehnt lang Praktika-Spiegelreflex-Kameras am neuen Schneider-Standort in Dresden produziert werden.

Montage im Reinraum

Der grösste Teil der Produktions- und Kontrollvorgänge erfolgt in Reinräumen

Nach der Pentacon-Teilübernahme kam die Produktion der Exakta 66 nach Dresden. Die Kamera wurde ursprünglich mit einem Xenotar 2,8/80 mm aus Kreuznacher Produktion ausgeliefert. Zeitweise gab es zusätzlich drei Zeiss-Biometar-Linsensätze in Exakta-66-Fassungen: Neben dem Xenotar E 2,8/80 MC, dem Exakta 2,8/80 MC sollen im Jahr 1991 im Carl-Zeiss-Jena-Werk Saalfeld noch 1000 bis 1500 Objektive im Exakta-66-Design mit der Beschriftung Carl Zeiss Jena Biometar 1:2,8/80 mm hergestellt worden sein.

Über die Schneider Feinwerktechnik erfolgte im Herbst 1994 auch die Übernahme von Teilen der Orwo in Wolfen. Nach der Insolvenz von Orwo im November 1997 kam auch die Feinwerktechnik in Schieflage. Der Standort wurde jedoch von Schneider-Kreuznach gerettet und firmierte dann unter dem inzwischen wieder frei gewordenen Namen Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik in Dresden

Es wurden in den 1990er-Jahren nicht nur Unternehmen zugekauft, sondern auch am Standort in Bad Kreuznach in die Fertigungstechnik investiert. So wurde Im Jahre 1996 die Fertigung asphärischer Linsen für Grossformatobjektive aufgenommen. Heinrich Manderman gab 1997 die Geschäftsleitung bei Schneider-Kreuznach ab und im Folgejahr wurde der Firmenname in «Jos. Schneider Optische Werke GmbH» geändert.

Aktuelle Objektive von Schneider Kreuznach

Die digitale Revolution hat die Optikherstellung vor neue Aufgaben gestellt. Heute bietet Schneider Kreuznach ein breites Sortiment an Foto-, Cine- und Spezialobjektiven für die digitalen Bildaufzeichnung an

Im Jahre 2000 wurde die 1948 in North Hollywood, CA gegründete «Century Precision Optics» erworben, die in der Folge mit der bestehenden US-Tochter zu «Schneider Optics» fusionierte und heute über die beiden Standorte in Hauppauge, NY und Van Nuys, CA verfügt. Die ebenfalls im Jahre 2000 gegründete «Praktika (UK) Ltd.» wurde zum 3. Januar 2009 an einen privaten Investor verkauft. Seit dem Tod von Heinrich Manderman im Jahre 2002 ist die Familie seiner Tochter Gesellschafter der Jos. Schneider Optische Werke GmbH. Die Expansion nach Fernost beginnt 2007 mit der Gründung «Schneider Bando Ltd.» in Süd-Korea, gefolgt von der «Schneider Asia Pacific Ltd.» Hongkong und der «Schneider Optical Technologies (Shenzen) Co. Ltd.» im 2008. Der im Jahre 2009 angedachte Standort im indischen Mumbai (Bollywood) wurde bislang nicht realisiert.

Heute produziert Schneider im Hauptwerk an der Kreuznacher Ringstrasse und im Werk 2 (Filterproduktion), in Göttingen (Cine-Xenare und Projektionsoptik), Dresden (Mechanik und die Pentacon Scannerkameras) sowie an den beiden Standorten in den USA, wo schwerpunktmässig Filter für den Cine-Bereich und die Vorsatzobjektive für das iPhone hergestellt werden.

Christoph Jehle

Zum hundertjährigen Jubiläum hat Oliver Ramonat für Schneider die Ausstellung «Die Welt im Focus – 100 Jahre Schneider-Kreuznach» im Schlossparkmuseum Bad Kreuznach organisiert. Diese historische Darstellung basiert in Teilen auf Texten der Ausstellung.

 

Die Meilensteine
1913 Gründung des Unternehmens als “Optische Anstalt Jos. Schneider & Co.” in Bad Kreuznach
1914 Anmeldung der Warenzeichen SYMMAR, COMPONAR und ISCONAR
1915 Herstellung der ersten Kinoprojektionsobjektive
1919 Fertigung der ersten vierlinsig, dreigliedrigen unsymmetrischen Anastigmate mit dem Namen XENAR
1920 Berechnung der ersten Weitwinkelobjektive für das Großformat, die 1930 zur Entwicklung des ANGULON 1:6,8 führte
1921 Änderung der Firmenbezeichnung in «Jos. Schneider & Co., Optische Werke, Kreuznach»
1925 Erteilung des ersten Patents für das hochgeöffnete XENON
1926 «echte» Tele-Systeme ergänzen das Produktionsprogramm
1932 Gravur des 500.000-sten Objektivs ( XENAR 1:2,9/10,5 cm ), bereits vier Jahre später ist das einmillionste Objektiv hergestellt
1933 Joseph Schneider, Ehrenbürger der Stadt Bad Kreuznach, verstirbt im Alter von 78 Jahren
1937 Grundsteinlegung für eine neue grosse Fabrikanlage in der Ringstraße 132 in Bad Kreuznach (Vollendung 1939)
1953 Konstruktion der ersten Wechselobjektive mit Springblende für die Spiegelreflexkamera EXAKTA-Varex, die fünf Jahre später mit einem Belichtungsmesser mit Nachführautomatik angeboten werden
1957 Aufnahme der Entwicklung von Objektiven mit veränderbarer Brennweite. Bereits zwei Jahre später wird das VARIOGON 2,8/10-40 (13 Linsen in neun Gruppen) für das 8mm-Filmformat in Serie gefertigt
1961 Gründung der Feinwerktechnik GmbH für die Entwicklung und Produktion elektrohydraulischer Servoventile
1964 Markteinführung des ersten Zoom-Objektivs mit fester Schnittweite für Kleinbildkameras: VARIOGON 1:4,0/80-240
1967 Als 10-millionstes Objektiv wird ein  COLOR TV-VARIOGON 2,1/18-200 gefertigt ( bereits Mehrfach-Schichten entspiegelt )
1972 Gründung der SCA, Schneider Corporation of Amerika (heute Schneider Optics)
1983 Erweiterung des Produktionsangebotes mit neuen hochwertigen Kino- und AV-Projektionsobjektiven der CINELUX-Reihe
1984 Aufbau von Fertigung und Vertrieb von Brillengläsern aus Silikat und Kunststoff
1985 Übernahme und Integration der Geschäftstätigkeit der seit vier Jahrzehnten weltbekannten B+W Filterfabrik, Joh. Weber KG, Wiesbaden
1989 Produktion der KÄSEMANN Polarisationselemente in Glas und Kunststoff
1990 Einstellung der Entwicklung und Produktion von TV-Objektiven
1993 Entwicklung und Produktionsaufnahme einer neuen Generation von Super-Angulonen mit extremem Bildwinkel für Großformatfotografie
1995 Rekonstruktion der Fertigungstechnik „Dünne Schichten“ mit Reinraumbedingungen Klasse 10
1997 Gründung der TochtergesellschaftPENTACON GmbH Foto- und Feinwerktechnik, Dresden
1998 Änderung der Firmierung in Jos. Schneider Optische Werke GmbH
1999 Aufnahme der Fertigung asphärischer Linsen für Großformatobjektive mit modernsten Fertigungs- und Prüfmaschinen
2000 Akquisition der Century Precision Optics in den USA und Gründung der Tochtergesellschaft Praktika (UK) LTD., England
2005 Verleihung des Technical Achievement Award an vier Mitarbeiter durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences für
Kino-Projektionsobjektive der Reihe CINELUX PREMIÈRE
2007 Gründung der Tochtergesellschaft Schneider Bando LTD., Süd-Korea
2008 Gründung der Tochtergesellschaft Schneider Asia Pacific LTD., Hongkong
2008 Gründung der Niederlassung Schneider Optical Technologies (SHENZHEN) Co. Ltd.
2009 Die im August 2008 integrierte ISCO Gruppe Göttingen, firmiert um in Schneider Kreuznach Isco Division GmbH & Co. KG

Lesen Sie auch:

Schneider-Kreuznach: Rückschau und Ausblick 2013

100 Jahre Optische Werke Schneider Kreuznach

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Vom Weinhandel zur Optik – Die Geschichte von Schneider Kreuznach”

  1. Vielen Dank an den fleißigen Autor für diesen ausführlichen, sehr informativen und offenkundig mit viel Mühe und großer Sorgfalt recherchierten und verfaßten Artikel!

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