Gastautor/-in, 1. März 2020, 09:00 Uhr

Lumix S1R und «Signs from outer Space …»

Nach Jahren Unterbruch war ich zusammen mit sieben Fotofreunden im Norden Norwegens unterwegs, um den Polarlichtern nachzujagen. Ausgangspunkt unserer Foto-Expeditionen war die Stadt Tromsö am Polarkreis. Natürlich haben wir tagsüber auch die herrliche Fjordlandschaft abgelichtet. Das Wetter vor Ort war ziemlich durchzogen und wir mühten uns insbesondere in der Nacht ab, eine Wolkenlücke zu finden. Das stärkste Polarlicht, Stärke KP 4 von 9, blieb uns denn auch hinter geschlossener Wolkendecke leider verwehrt.

 

Mit dabei hatte ich eine komplettes Test-Kameraset von Panasonic. Vollformat Kamera S1R und zwei Objektive, 16-35/4.0 und 24-105/4.0. Ich war vorzugsweise mit dem 16-35mm am Fotografieren, auch in der Nacht für das Polarlicht. Das Material musste sich entsprechend bei den tiefen Temperaturen bewähren. Dies führte dann auch kurz zu Anzeigeproblemen mit dem ausklappbaren Bildschirm. Doch dazu später mehr.

Gerade Aufnahmen vom Polarlicht mit hohen ISO-Zahlen sowie langer Belichtungszeit und deren anschliessender Entwicklung, stellt eine besondere Herausforderung dar. Da ist die Güte des Sensors doch ganz mitentscheidend für ein gutes Endresultat.

Jetzt hatte ich die Panasonic S1R drei Wochen lang zur Verfügung, und ich habe das Material nur sehr ungern zurückgeschickt. Ich hatte schon viele Vollformat-Kameras in Händen gehabt, aber noch nie solch ein «must-have».

Selbst bin ich seit knapp 30 Jahren mit Kameras unterwegs und bin leidenschaftlicher Landschaftsfotograf. Selbst die Dunkelkammer habe ich noch erlebt. Neben den Landschaften übernehme ich auch Hochzeits-, Natur- und Architekturfotografie. Ich bin kein Technik-Nerd, was die Kamera an Sonderausstattungen zu bieten hat, aber die Bildqualität, Rauschverhalten und das Bedienkonzept sind mir am Wichtigsten. 

Ich dachte die letzten Jahre, man müsste mit kleineren Auflösungen arbeiten. Die Vorstellung, dass sich hohe Auflösungen mit dem Rauschen beissen, war in meinem Kopf fest verankert. Selber bin ich noch mit solchen Kameras unterwegs, die ab ISO 1600 Mosaikrauschen erzeugen. Und dann kam dieser Test und ich bin neu grosser Fan hoher Auflösungen. Der Test mit der Panasonic Lumix S1R hat mich absolut vom Gegenteil überzeugt.

 

Mein erster Eindruck

Die angelieferte Postsendung enthielt 6 kg Fotomaterial! Spiegelloses Systemkamera-Kit Panasonic S1R mit Objektiv 4,0/24-105mm und separat ein Objektiv 4,0/16-35mm. Dies alles mit umfangreichem Zubehör, Ladegerät für den Akku, Betriebsanleitungen, etc … Alles sehr übersichtlich verpackt in separaten Schachteln.

 

Die lange Reise auf die Insel Troms im Norden von Norwegen wird mit einer prachtvollen Abendstimmung am Strand bei Tisnes auf Kvaløya belohnt.

Warum das alles so schwer ist, wurde mir schnell klar. Alle Teile sehen sehr hochwertig gearbeitet aus. Der Body sieht mächtig aus und die Objektive sind auch keine Leichtgewichte. Die Systemkamera ist schwerer und grösser als meine DSLR’s und Spiegellosen, die ich sonst verwende. Dies erstaunte mich zuerst, vergleicht man diese mit den spiegellosen Systemen von zB. Canon, Nikon, Sony, etc …

 

Tisnes präsentiert sich mit prachtvollen Lichtverhältnissen und einer motivreichen Landschaft – ideal um die Lumix S1R zu testen.

Für mich ist jedoch das Gewicht nicht matchentscheidend bei der Wahl eines Kamerasystems. Killerkriterium sind meinerseits prioritär die Bildqualität, Schärfe und das Rauschverhalten.  Alles andere spielt für mich eine eher untergeordnete Rolle, wobei die Kamera üppig mit allen wünschenswerten Features ausgestattet ist. Einiges, was es an der Lumix S1 gibt,  sucht man bei der Konkurrenz vergeblich.

 

Die Chancen das Polarlicht zu erleben stehen heute gut. Deshalb fahren wir an den Ersfjord am Ersfjordbotn, um das farbenprächtige Naturschauspiel zu erleben.

 

Die Belichtungszeit beträgt bei Blende 4 und ISO 800 zehn Sekunden, in denen das Schauspiel seinen Lauf nimmt.

 

Das Ziel der Reise ist mit dieser Aufnahmereihe schon fast erreicht und wird mit prachtvollen Bildern belohnt, die ich schon lange machen wollte. Aber Norwegen bietet noch viel mehr landschaftlichen Charm …

 

Ausstattung und Bedienung

Ich fand mich sehr schnell mit der Bedienung zurecht. Alle Knöpfe und Schalter sind übersichtlich angeordnet, so dass man problemlos gleich loslegen kann. Zwei Kartenslots mit SD und XQD Kartenfach sind inkludiert. Dies ist ein grosser Vorteil gegenüber der Konkurrenz, will man doppelt aufnehmen zur Absicherung. Der grosse Akku hat bei meinem Test nach ca. 300 Aufnahmen den Dienst verweigert und ich hatte nur einen dabei.  Der Sucher und die grossen Datenmengen sind wohl richtige Stromfresser.

 

Die Landschaft in der Umgebung von Skulsfjord auf Troms ist recht gebirgig und bietet reizvolle Motive um das 16-35mm Zoom zu testen. Mit 35mm führt die Strasse den Blick des Betrachters in den Motivraum …

… während mit der 16 mm Brennweite der Vordergrund betont wird und dem Bild die für Norwegen typische grosszügige Weite verleiht.

Die Menüführung mit Touchscreen, auf dem schwenkbaren Display, ist sehr anwenderfreundlich gestaltet und führt einem einfach zur gewünschten Einstellung. Es funktioniert wie auf dem PC mit Unterordern. Zum schwenkbaren Display ist zu erwähnen, dass ich mich unter den erschwerten Bedingungen kaum traute diese aufzuklappen. Vermutlich bin ich es nicht gewohnt und die doch eher feinen beweglichen Teile sehen für mich doch eher zerbrechlich aus. In Vergangenheit wäre ich aber schon öfters froh gewesen, um diese Einrichtung. Bei Hochformataufnahmen lässt sich dieser auch hochkant ausklappen! Bei den Nachtaufnahmen im hohen Norden hat der Monitor dann nicht mehr wie gewünscht funktioniert. Der Monitor hat gleich mehrere Aufnahmen übereinandergestapelt. Dies stellte ich jedoch nur auf dem Monitor fest. Die Einzelbilder waren alle vorhanden. Ob es an der Kälte lag, kann ich nur vermuten. Nach mehreren Stunden bei Minustemperaturen ist dies gut möglich.

Verblüfft hat mich der elektronische Sucher. Das hochauflösende Bild ist ruckelfrei, was mich bisher bei den Konkurrenten enorm störte. Er besitzt eine sagenhafte Auflösung von 5,76 Millionen Pixeln bei Bildwiederholrate von 120 Bildern. Zudem gibt es wählbare Suchervergrösserungen (0,7 bis 0,78x). Sehr gut in der Anwendung, für mich als Brillenträger.

 

Typische norwegische Idylle: Die wenigen Häuser am Skulsfjord sind ein willkommener Farbakzent in dieser Schneelandschaft.

Ich habe nebst den 47.3-Megapixelfotos auch mal High-Resolution-Modus probiert mit sagenhaften 187 Megapixeln. Die Dateigrössen sind gigantisch und mein fünfjähriger PC kam damit bei der Bildbearbeitung schon richtig an die Belastungsgrenze. High-Resolution-Modus vom Stativ nimmt acht leicht verschobene Fotos auf, und dies führt zusammengerechnet zu einem wesentlich höher auflösenden Foto.

 

Immer weiter gegen Westen auf dem Weg nach Sommarøy warten spannende Lichtverhältnisse auf uns. Das Wasser in diesen riesigen Fjorden ist glasklar.

Die S1R erreicht dadurch 187 Megapixel Auflösung mit 16’736 x 11’168 Pixel! Diese Anwendung sehe ich eher im Bereich Produktfotografie. Es können aber auch Freihandaufnahmen mit diesem Modus gemacht werden. Der hochauflösende Sensor ohne Tiefpassfilter zeichnet unheimlich detailgenau, richtig knackig. Die Dateigrosse in RAW ergibt bei normalen Fotos ca. 68 MB und bei High-Res. ca. 338 MB! Zum Glück sind die Speicherkapazitäten ausbaufähig.

 

Der unberührte Strand bei Hillesoy, ganz im Westen von Troms, ist mit den beeindruckenden Wolkenformationen ein unvergessliches Motiv.

Die Objektive arbeiteten fast lautlos und die Scharfstellung passiert unheimlich schnell. Beim 24-105 stellte ich jedoch leichte Unschärfen im Randbereich fest. Das 16-35mm zeigte herrliche Auflösung bis in die Randbereiche. Die Umstellung auf manuelle Schärfe funktioniert ungewohnt, bei den Lumix-Objektiven, mit einem schiebbaren Ring, statt mit einem Schalter. Neben dem noch bescheidenen Lumix-S-Objektiv-Angebot gibt es eine breite alternative Palette von Leica und Sigma.

 

Am Balsfjord im Süden von Troms entdecken wir diese Idylle. Die Sonne schafft es im Januar nur wenige Stunden über den Horizont und belohnt uns mit diesem stimmungsvollen Bild.

Die interne Rauschreduzierung habe ich im Feldtest bewusst ausgeschaltet. Die Rauschreduzierung am PC, bei unseren Langzeit-Nachtaufnahmen mit ISO 800-2500, funktionierte in Lightroom viel besser als bei meinen DSLR’s-Aufnahmen. Problemlos konnte ich unter Erhalt wichtiger Details entwickeln und entrauschen. Dies verblüffte mich doch anständig, weil ich bisher leider immer noch mit diesem Handicap leben muss  … Das Rauschen wird bei Aufnahmen erst über ISO 6400 richtig wahrnehmbar und dies trotz der grossen Auflösung.

Die Videofunktion habe ich nur kurz ausprobiert, da ich nicht der eigentliche Filmer bin. Videos sind in 4K-Auflösung möglich bei bis zu 60 Bildern pro Sekunde.

 

Die schöne Zeit in Norwegen ist um und wir verlassen den Balsfjord. Unsere Eindrücke sind mit der Lumix S1R als bleibende Erinnerungen festgehalten.

 

Mein persönliches Fazit

Die Panasonic Lumix S1R hat einen neuen Liebhaber gefunden, trotz der doch sehr kurzen Testphase! Wer den Kompromiss mit einer schweren, spiegellosen Systemkamera eingeht, wird nicht enttäuscht. Für mich eine «outer space rocket», passend wie im Titel erwähnt! Für mich ist die Lumix S1R die beste Vollformatkamera, die ich bis jetzt in Händen hielt. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Insbesondere das Bedienkonzept, Detailzeichnung und das Rauschverhalten haben mich total überzeugt, trotz einiger Probleme mit dem Monitor in extrem kalter Umgebung. Die Kamera empfehle ich für ambitionierte Fotografen und Profis. Die Preise liegen entsprechend im höheren Preissegment.

Text und Bilder: Urban Thaler 

 

Urban Thaler

Ich bin Jahrgang 64 und wohne in Wolfhalden im Appenzellerland abgelegen und ruhig in fotogener Umgebung. Seit 35 Jahren ist mein  «grösstes Hobby» die Beratung und  der Verkauf von Industriebauten, komplette Gewerbegebäude ab Fundament oder entsprechende Gebäudehüllen. Seit ca. 40 Jahren widme ich mich der Fotografie als Hobby, mit allen Facetten. Nach penibler Lehrzeit aller Stilblüten, blieb ich schliesslich bei der Landschaftsfotografie als Hauptthema hängen. Daneben fotografiere ich auch Hochzeiten und widme mich der Architekturfotografie, um mir mein Equipment zu finanzieren. Dazwischen war ich auch schon als Guide für einen bekannten Fotoreiseanbieter unterwegs.

 

 

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