David Meili, 21. Dezember 2008, 09:35 Uhr

Kurt Felix im Giftschrank, Boris Becker in Baar/ZG – und wer trug den schlimmsten Fummel?

Pressespiegel zum Wochenende vom 20./21. Dezember 2008
DRS 1 sollte man nicht nur im Stau hören. Das Programm bietet aus erster Hand ebenso unterhaltsame wie sorgfältig aufbereitete Informationen. In der Sendung Treffpunkt vom 19. Dezember 2008 konnte man über People-Fotografie dazulernen. Gäste waren unter anderen Helmut-Maria Glogger, Urgestein der Schweizer People-Szene und der vom Chefredaktor zum Mediengewissen gewordene Peter Studer.

Glogger wies als ehemaliger Chefredaktor der Glückspost darauf hin, dass selbst eine NZZ im deutschsprachigen Raum im Vergleich zur Pepole-Presse zumindest auflagemässig eine „kleine Nummer“ ist. In verblüffender Offenheit zeigte er auf, wie People-Beiträge von den Dargestellten und ihren Agenturen inszeniert werden. Die Mär vom Paparazzo, der durch Zufall ein „unziemliches“ Paar entdeckt und in die Weltpresse bringt, entkräftete er rasch. So habe sich Boris Becker nach der SMS-Trennung von Sandy Meyer-Wölden direkt an ausgewählte Journalisten gewandt, sonst hätte man dies gar nie erfahren. Auch Beni Thurnherr (58) wurde nicht verschont. Dass er sich mit seiner vielleicht doch etwas jungen Begleiterin bei der Premiere von Salto Natale fotografieren liess, und Jeannine Schneider (23) sogar den Namen ihrer Katze bekannt gab, durfte durchaus publiziert werden.

Doch bei der „Abmoderation“ wurde die sonst souveräne Interviewerin Ladina Spiess nervös. Als Glogger erfuhr, dass Studer nach ihm über Ethik sprechen werde, legte er sich nochmals mächtig ins Zeug. Glogger selbst habe die Bilder des krebskranken Kurt Felix im Kantonsspital St. Gallen exklusiv aufgekauft und in den „Giftschrank“ an der Dufourstrasse abgelegt, um der deutschen Konkurrenz zuvorzukommen. Was sonst noch in diesem Schrank oder eher in einem verschlüsselten Ordner auf dem Mediaserver von Ringier liegt, verriet uns Glogger (noch) nicht. Ein Profi hat immer mehr als einen Pfeil im Köcher.

Studer konnte sich danach kaum mehr profilieren und hielt seine bekannte Vorlesung über Medienethik, Medienrecht und Persönlichkeitsschutz. Einer Gegenüberstellung der Stories Beni Thurnherr/Roland Näf fehlte der Biss.

Übrigens wurde Boris Becker diese Woche bei einer Wohltätigkeitsgala in Baar/ZG gesichtet, mit seiner treuen Freundin Lilly Kressenberg. Die Bild-Zeitung verfolgt die Story, der Blick dürfte sie mangels News in der einheimischen B- und C-Promiliga gegen Weihnachten zweitverwerten.

Beim SonntagsBlick in der Ausgabe 52 wird das Ausbluten des Bildjournalismus offensichtlich. Die Topstory liefert der Staplerfahrer Lepomir Kostic* (Name der Redaktion bekannt), der lastwagenweise Coca-Paletten abgezweigt hat. Nicht „das“, was man über Zürich nun denkt, sondern hundsgewöhnliche Limonade. Der Beitrag auf Seite 2-3 ist mit einem Bild von Keystone (vermutlich zugekauftes Pressebild der Coca-Cola Beverages AG) und „zVg“ illustriert.

Was hätte ein Reporterteam aus dieser Story machen können: Echten Boulevard! Und wir hätten Herrn Kostic zum Vorbild aller Staplerfahrer, Staplerfahrer Klaus befragt, und ihn auch mit dem Herumschieben von Paletten in die Bildpresse gebracht.

Wie man selbst am Kiosk breite Schichten der Bevölkerung noch erreichen kann, zeigt die Weihnachtsausgabe der Schweizer Familie. Wie der Umschlag mit einer Lackschicht in Silber gedruckt wurde, dürfte vorläufig das Geheimnis der Ziegler Druck- und Verlags AG in Winterthur bleiben. Das Heft war an den meisten Kiosken innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft.

Der Inhalt überzeugt. Für das Cover wurde Sarah Meier zur Märchenfee verzaubert. Elf von verschiedenen Fotografen porträtierte Persönlichkeiten machen Hoffnung auf 2009. Dann folgt eine Fotoreportage von Lisa Inglin und Christof Hirtler von Berglern, die den Winter auf der Göschener-Alp verbringen. Für den voluminösen Bildteil treffen wir auf Max Schmid. Der nunmehr 63jährige Fotograf ist mit uns über 30 Jahre älter geworden. Seine Naturaufnahmen sind schlichtwert grossartig. Wie die Schweizer Familie sie in einer Grossauflage abdrucken liess, verdient ein ebenso grosses Kompliment. Philipp Rohner ist es gelungen, den kamerascheuen Max Schmid für den Begleittext zu porträtieren.

Was wäre ein Pressepiegel ohne Ab-Moderation?

Im Gleichschritt haben Bild und Blick nach US-Vorbild eine Liste der am peinlichsten gekleideten Persönlichkeiten des „öffentlichen“ Lebens publiziert. Da die Auswahl in der Schweiz beschränkt ist, wurde die in Internet-Formen seit längerem als Anna „Wurst“ Maier bespöttelte Fernsehmoderatorin auf den ersten Platz verwiesen. Bei Bild kann man noch mitbestimmen. Die Aufnahme von Maier stammt übrigens von Toini Lindroos. Vielleicht könnten wir für 2009 eine Liste von Fotograf/innen aufsetzen, die derart peinliche Bilder überhaupt in die Welt setzen.

Doch noch peinlicher wird es, wenn man auf dem Shop von Anna Maier etwas für unter den Weihnachtsbaum sucht. Braucht die Liebste wirklich eine Kroko-Hülle für den iPod?

Viel mehr setzen wir uns für Spenden für UNICEF ein. UNICEF ermöglicht jedes Jahr mit Pressefotograf/innen, die sich für Menschen, denen sie in ihrer Arbeit als News-Journalisten begegnet sind, Ausstellungen und und Publikationen.

Link um etwas Gutes zu tun: http://www.unicef.ch/de/index.cfm

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