David Meili, 25. Januar 2009, 09:07 Uhr

Daniel Albrecht als Napoleon, mehr über Sportfotografie und kaum noch Bilder von der Waldfrau

Pressespiegel zum Wochenende vom 24./25. Januar 2009
„Es lebe der Sport!“ kommt beim Durchblättern der Sonntagspresse als Erinnerung an den bitterbösen Schlager von Rainhard Fendrich auf. Nach dem Sturz von Daniel Albrecht und mehreren anderern Kollateralschäden in der Arena des Ski-Weltcups fragt man sich, wie weit Sportjournalisten gehen dürfen. Auch für Sportfotografen sind mit den Pisten die Zeiten härter geworden. Bildredaktionen haben heute rascher Zugriff auf druckfähige HDTV-Stills als auf die „Ticker“ der Agenturen. Der Klick mit der Maus ersetzt das stundenlange Warten mit kalten Füssen und am Körper warm gehaltenen Akkus am Pistenrand.

Sein Potenzial nicht ausgeschöpft hat der SONNTAGSBLICK. Aus Kitzbühel berichtet exklusiv Toto Marti, mit lebendigen, „flashigen“ Bildern. Es muss für Marti frustrierend sein, dass man an der Dufourstrasse aus seinen Aufnahmen keine wirklichen Bildreportagen macht.

Wie man aus einem missglückten Medienprojekt doch noch etwas herausholt, zeigt der SONNTAGSBLICK eine Seite weiter. Der um sein Leben kämpfende Daniel Albrecht wurde für eine zukünftige Reportage als Napoleon verkleidet (Kostüme von Kaiser, Aesch/BL) und wird statt in der Schweizer Illustrierte nun im SONNTAGSBLICK verbraten. „Albrecht kämpft wie Napoleon“, lautet die Titelei an der Grenze unseres Geschmacksempfindens.

Das Magazin zum SONNTAGSBLICK zeigt auf Seite 30/31 eine grossartige Aufnahme von Chuck Kennedy des Diners bei der Vereidigung von Barack Obama im Capitol. Einmal im Leben ein solches Bild aufnehmen zu können, ist zweifellos der Traum jedes Fotografen. Man kann sich an diesem Panorama nicht satt sehen. „Wie haben Sie das gemacht, Mr. Kennedy?“, bleibt als Interview auch der Traum des Fachjournalisten.

Übergehen wir nicht das andere MAGAZIN. „Israel für Anfänger“ könnte man das Interview von Finn Canonica und Rico Czerwinski mit dem Historiker und Bestsellerautor Benny Morris bezeichnen. Die Bilder dazu stammen aus dem Archiv und von Daniel Josefsohn. Sie fügen sich nahtlos in die Bildstrecken der vergangenen Wochen ein, die durch palästinensische und israelische Staatspropaganda eingespeist wurden. Das moderne Israel als faszinierender Vielvölkerstaat mit Hightech-Industrie und die Errungenschaften der Palästinenser imsozialen Bereich sieht man nie im Bild. Es gibt durchaus Fotoreporter, die auch andere Bilder anbieten. Doch „Horror and Crime“ verkauft sich in der Polit-Fotografie besser.

Blättern wir weiter, und zurück zum Sport. Der Aufmacher im Sport-Bund von Sonntag.ch ist eine spektakuläre Aufnahme von Didier Défago. Ausgelöst von GEPA/EQ IMAGES gemäss Vermerk an der Randkante (der Zeitung). Die Aufnahme erscheint doch sehr montiert. Wenn es ums Überleben geht, im Skisport wie in der Medienbranche sind viele Mittel recht.

Uns enttäuscht die Berichterstattung an diesem Wochenende über die Waldfrau, die in der Nähe der Autobahnraststätte Grauholz auf dem Fehrenberg Spaziergängern aufgefallen ist. Die sympathische und gegenüber der Presse freundliche Gabriele Schulz soll über längere Zeit hier gelebt haben.

Doch es gibt sehr wenig Bilder von der „Waldfrau“. Gerüchte besagen, dass der Stern die Story aufgekauft hat und Gabriele exklusiv vermarktet. Ein in Bern praktizierender Psychiater, Leuchte seines Fachs, kam in der Ferndiagnose zum Schluss, dass jemand, der im Wald übernachtet, vermutlich schizophren sei. Hat nicht unser Verteidigungsminister zugegeben, gelegentlich mit seinen Kindern im Wald übernachtet zu haben? Auch davon gibt es keine Bilder, und vor allem keine, die man kaufen kann.

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