David Meili, 25. Juli 2010, 10:11 Uhr

Bärenphobie, Wallpaper zum Basteln und Stories ohne Bilder

Pressespiegel zum Wochenende vom 25./26. Juli
Die Ausbeute ist so mager, dass selbst Hannes Britschgi im SonntagsBlick die Geschichten der vergangenen Woche aufwärmt. Jörg Kachelmann mit seinen Peitschen, Walter Roderer und „seine“ Anina und Jacqueline Fehr, die sich von ihrem Ehemann getrennt hat. Und zu alle diesen Themen wurden fleissig Bilder gesucht.

Vergeblich. Alle drei Personen wurden oft fotografiert, doch nicht im gewünschten Kontext. Nun findet man mindestens Walter Roderer mit Anina etwas gelöster als auf den immer wieder publizierten Aufnahme von tillate.com. Toini Lindroos hat für den SonntagsBlick Föteli hervorgezaubert, die Herzen rühren.

Das Phantom des Sommerlochs ist Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Auch bei wolkenlosem Himmel will er sich den Fotografen im Appenzeller-Land ganz einfach nicht zeigen. Die NZZ am Sonntag behilft sich mit einem billigen Trick. Sie zeigt Urs Brülisauer, den Wirt auf dem Hohen Kasten, bei dem Merz gelegentlich vorbei geht (Aufnahme Mara Truog). Fehlt der Gast, zeigt man den Wirt.

Die Bemerkungen von Ringier Schweiz-Chef Marc Walder zur Zukunft des magazin zum SonntagsBlick haben für Irritation gesorgt. Tatsächlich passt das anspruchsvolle Heft nicht so ganz in die Blick-Gruppe, obwohl es bei den Werbern und offensichtlich bei der Leserschaft gut ankommt. Werkelt man nun an einem Nachfolgeprodukt? Die Konkurenz würde sich freuen, denn es steht auch andernorts noch Werbefläche für Uhren und deutsche Luxuslimousinen zur Disposition. Wir würden das Verschwinden einer geschätzten Plattform für Reportagen und gute Bilder bedauern.

Die aktuelle Ausgabe bringt eine Reportage, die in der Presse der Deutschschweiz Seltenheitswert hat. Peter Hossli geht dem Unspunnenstein nach, die Aufnahmen steuerte Nicolas Righetti bei. Hervorragend geschrieben, hervorragend fotografiert und überzeugendes Layout. Herr Walder, was verlangen sie mehr? Dann folgen Bilder von Daniel Rhis mit Tim Krohn. Krohn mag man, oder auch nicht, doch die Home-Story ist schlüssig.

Wie setzt man sich vom Newsroom ab? Nachdem der Blick es schaffte, auf allen Kanälen am gleichen Tag mehrfach die Bärengeschichte (mit Follow-up in Arosa) auf die Frontpage zu bringen, kann man sich wegen Bären-Phobie krank schreiben lassen. Im SonntagsBlick doppelt Johannes von Dohnany, einst Starfeder im Boulevard, nochmals mit Bären doppseitig nach. Die einfachste Lösung sei, einfach nach der Rauchpause nicht mehr in den Newsroom zurückzukehren.

In der Sport-Beilage wird man entschädigt. Toto Marti bringt grossartige Fotos der Biker.

Fotopreis des Tages für Chris Iseli in sonntag.ch. So mag man Mona Vetsch. Wer nicht aus den Bildern lesen kann, liest aus dem Interview, und zwischen den Zeilen. Sacha Erocolani betrübt uns einige Zeilen weiter mit dem Bericht über Auswanderung von Rekha Datta nach Kanada. Keine Angst, wenn der Winter kommt, kehrt sie wieder zurück.

Sabine Altorfer war für sonntag.ch wirklich in Arles und berichtet kompent über das Festival (Seite 35). Muss gewürdigt werden.

Wallpaper überzeugt mit einer Sonderausgabe, die man auch in die Badi oder in die Berghütte mitnehmen kann. Und man kauft das mittlerweile begehrte Heft am besten doppelt, wenn es noch verfügbar ist. Eins zum ausbreiten und eins zu Sammeln.

Bei dieser Nummer von Wallpaper ist man die Grenzen der technischen Möglichkeiten der Verpackungskunst gegangen, und es bleibt offen, was maschinell zusammengestellt wurde und was von Hand, – und vor allem wo und vom wem. Ohne Billiglöhne ging es nicht. Doch für Bücherfreunde und alle, die sich mit Werbung und Papier beschäftigen, ist das Heft ein „Must“. Fotografisch bringt es nicht viel her. Grafiker/innen und Papiermenschen hielten nie viel vom Lichtbild.

DAS MAGAZIN ist wieder da. Gleich drei Redaktoren haben sich der mediterranen Mentalität (in der Wirtschaft) anzunähern versucht. Schade, dass man auf Agenturbilder zurückgegriffen hat, doch zumindest auf gute. Auf der letzten Seite entdeckt man Rolf Sachs. Wer dem Designer und begeisterten Hobbykoch einmal persönlich begegnet ist, findet ihn wieder im Porträt von Anja Schori.

René Lenzin berichtet aus der Modestadt Prato bei Florenz. Noch vor zwanzig Jahren war Prato eine Hochburg der Gewerkschaften, denn dort wurde Haute Couture in hoher Qualität hergestellt. Nun produzieren vielfach illegal eingewanderte Chinesen für die grossen Marken in Kleinbetrieben. Jörg Müller hat ein Kleinst-Unternehmen im Bild festgehalten (TA vom 24.7. Seite 9).

Le Temps wartet mit einem fotografischen Leckerbissen auf. Eddy Mottaz hat auf dem Paléo-Festival ein temporäres Studio aufgebaut und die eigentlichen Stars des Festivals, die Besucher, fotografiert. Die Bilder wurden jeweils auf die Gross-Displays projeziert. Mottaz ist erstens ein sehr guter Fotograf und zweitens kann er (was dazu gehört) Menschen motivieren, sich vor der Kamera in ihrer Persönlichkeit zu entwickeln.

Auch der Bund ist eine Lektüre wert. Daniel Di Falco fasst die bisherigen Erkenntnisse über den Fotografen Theo Frey und das am 25. Juli vor siebzig Jahren entstandene Bild des Rütili-Rapports zusammen. Was General Henri Guisan wirklich sagte, ist heute kaum mehr von Bedeutung. Doch das Bild von Frey hat den Mythos zementiert und hält in noch heute wach. Und Mister Schweiz (wie heisst er nur?) geht am 1. August auch aufs Rütli, wie die Coop-Zeitung berichtet.

2 Kommentare zu “Bärenphobie, Wallpaper zum Basteln und Stories ohne Bilder”

  1. Würde das Magazin zum Sonntagsblick mehr als den SoBli selbst vermissen. Die haben nicht nur manchmal ansprechende Bilder oder Reportagen im Magazin, sondern hatten immer wieder mal über ein Fotothema berichtet.

    Vemissen tue ich übrigens auch den Pressespiegel vom 11.7. Sollte der nicht tags drauf publiziert werden?

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