Gastautor/-in, 24. Januar 2016, 11:55 Uhr

Nikon und Samyang: Zwei Makro-Koryphäen im Vergleich

Seit kurzem ist das Makro-Objektiv 2,8/100 mm ED UMC von Samyang auf dem Markt. Peter Schäublin hat das koreanische Objektiv mit dem Nikon Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR verglichen. Allerdings, mit der schlanken Koreanerin muss man ohne Autofokus und Bildstabilisator auskommen. Ist sie ebenso scharf wie das berühmte Micro-Nikkor?

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Auf den ersten Blick

Zwar haben die beiden Objektive fast die gleichen Kenndaten, und doch gibt es Unterschiede. Gleiche Lichtstärke, fast gleiche Brennweite aber auffallend kompaktere Bauweise beim Samyang-Objektiv. Beide Objektive sind für das Vollformat 36 x 24 mm entwickelt worden. Hauptunterschied ist der beim Samyang fehlende Autofokus und der nicht vorhandene Bildstabilisator. Dafür ist das Objektiv jedoch preislich günstiger.

 

Samyang_2.8_100_Kameras

Schlanke Koreanerin: Links die Nikon D810 mit dem Nikkor 2.8/105 mm, rechts die D750 mit dem Samyang 2.8/100 mm.

Da Samyang Objektive mit nahezu allen Kameranschlüssen verfügbar sind, verzichtet der koreanische Hersteller (noch) auf viel Elektronik in seinen Objektiven. Für den Fotografen ist Handarbeit angesagt. Dazu bieten moderne Spiegelreflex- und Kompaktsystemkameras präzise Einstellhilfen mit Sucherlupe und Schärfekonturen, so dass die manuelle Scharfeinstellung zwar eine längere Einstellzeit und einen Komfortverzicht darstellt, sonst jedoch kein ernsthafter Nachteil bedeutet. Samyang ist mit MF-Objektiven ja keineswegs alleine unterwegs; auch Zeiss in der Königsklasse verzichtet darauf, weil die automatische Scharfstellung ein Objektiv massiv verteuern würde.

 

Samyang_100mm F2.8 macro Schnitt

Die optische Konstruktion des Samyang 2,8/100 mm ED UMD Macro besteht aus 15 Linsen, die in zwölf Gruppen angeordnet sind. Darunter befinden sich HR-Elemente (High-Refraktive) sowie ein ED-Element (Extra Low Dispersion), welche die chromatische Aberrationen minimieren. Eine Ultra-Mehrschichtvergütung (UMC) verhindert zudem Flares und Ghosting-Artefakte.

Beim Samsung Makro-Objektiv zeigt sich der Verzicht auf Elektronik auch in der kompakteren Bauform. Das Samsung 100er Makro ist deutlich schlanker als das Nikon-Makro mit der kryptischen Bezeichnung Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR, das Autofokus und Bildstabilisator bietet. Doch wie schlägt sich die schlanke Koreanerin bezüglich der Bildqualität?

 

Samyang_2.8_100_Auge

Ersteindruck: Katzenporträt aus freier Hand. Wenn die Schärfe sitzt, liefert das Samyang sehr gute Resultate. Die Nikon D750 tut natürlich das Ihre zum tollen Bild bei. Trotz 7200 ISO ist das Bildrauschen sehr gering.

 

Manuelle Scharfeinstellung – ein Manko?

Samyang_2.8_100_Bsp01_VollbildDas manuelle Scharfstellen beim Samyang ist Gewohnheitssache und bereitet überhaupt keine Probleme. Das Objektiv ist schön verarbeitet, die Fokussierung läuft makellos. Für möglichst adäquate Aufnahmen baue ich ein kleines Still-Motiv im Studio auf – ein silbernes Dolchetui auf einem farbigen Kissen. Nach dem Fotografieren ziehe ich die Aufnahmen auf den Computer und öffne sie mit Lightroom.

Samyang_2.8_100_3-5_kombi01_1200

Vergleichsaufnahmen Nikon und Samyang bei offener Blende

 

Samyang_2.8_100_11_kombi02_1200

Vergleichsaufnahmen Nikon und Samyang bei Blende 11

 

Samyang_2.8_100_22_kombi03_1200

Vergleichsaufnahmen Nikon und Samyang bei Blende 22

 

Die Bilder entstanden mit einer Nikon D810, 100 ISO, 1/25 sec, ab Stativ, beleuchtet mit 1 Profoto B1 in Dauerlichtmodus. Alle Bilder sind unbearbeitet

Ich habe beim Fokussieren mit dem Samyang nicht exakt denselben Punkt scharf gekriegt, und auch die Differenz der Brennweite – 105 und 100 mm – macht einen kleinen Unterschied im Ausschnitt. Am schärfsten Punkt im Bild und auch in den Bildecken kann ich keinen Unterschied zwischen den beiden Objektiven feststellen. Ebenfalls stelle ich fest, dass es keine sichtbare Bildqualitäts-Steigerung gibt, wenn man den Bildstabilisator deaktiviert. Logisch, dass diese Aufnahmen mit Stativ entstanden. Bei den Freihandaufnahmen sieht es etwas anders aus …

 

Schau mir in die Augen …

Samyang_2.8_100_Angelique_750Zweite Aufgabe: Ich schau – durchs Objektiv – tief in Angeliques grüne Augen, der Nichte meiner Frau Ursula, die zu Besuch und von dem Makro-Objektiv begeistert ist. Dabei reize ich den maximalen Abbildungsmassstab, beide Objektive gehen bis 1:1, voll aus. Da ich ohne Stativ fotografiere, erziele ich mit dem Nikon-Objektiv ein besseres Resultat. In gewissen Fällen ist der Autofokus eben doch überlegen – und vor allem schneller.

 

Samyang_Nikon_Angelique_Auge_Nikon

Nikon D750 mit 105mm F/2.8G AF-S VR Micro-Nikkor, 1/50 sec, f 4.2, 400 ISO, Autofokus und Bildstabilisator aktiviert

 

Samyang_Nikon_Angelique_Auge_Samyang

Nikon D750 mit Samyang 2.8/100 mm Makro,1/50 sec, f 4.2, 400 ISO. Ich habe bei keiner Aufnahme den Fokus exakt getroffen, und alle Bilder weisen eine leichte Verwacklungsunschärfe auf

Ein Fotograf mit einer sehr ruhigen Hand und Adleraugen würde eventuell bessere Ergebnisse erzielen. Für alle anderen wirken sich bei Freihandaufnahmen meines Erachtens der Autofokus und der Bildstabilisator positiv auf das Endresultat aus.

 

Samyang mit allen Anschlüssen

Das Samyang-Objektiv gibt es mit den Anschlüssen für Canon, Canon M, Pentax, Sony E, Sony A, Olympus FT, Samsung NX, MFT, Fuji X zum Preis von CHF 548.00. Die Nikon AE-Variante ist mit CHF 589.00 etwas teurer, wegen des integrierten Chips für die iTTL-Steuerung und die Übertragung der EXIF-Daten.

Das Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR kostet lauf Nikon offiziell CHF 1048.00, doch dürfte der Strassenpreis für dieses in Nikon-Kreisen sehr begehrte Objektiv etwas tiefer liegen. Bildstabilisator und Autofokus-Komfort kosten also rund CHF 600.00 mehr.

 

Fazit

Das Samyang 2,8/100mm ED UMC Macro liegt auch im Vergleich zu anderen Makro-Objektiven preislich wohl eher im unteren Bereich. Beachtet man die Tatsache, dass es keinen Autofokusmotor enthält, ist es nicht irgendein Billigprodukt, sondern ein Objektiv, das mit einer aufwändigen optischen Konstruktion leistungsmässig durchaus auf Augenhöhe des Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR und vergleichbaren Objektiven anderer Hersteller liegt. Die Grundsatzfrage ist, ob man bei seinen Makroaufnahmen auf Autofokus und Bildstabilisator verzichten kann, oder ob man für diesen Einstellungskomfort mehr Geld auslegen will. Ohne Autofokus und Bildstabilisator erhält man mit der schlanken Koreanerin eine kompakte Alternative zu den ähnlichen aber teureren Markenobjektiven.

Peter Schäublin 
www.720.ch
www.peterschaeublin.com
www.photoriginals.com

Samyang-Objektive werden in der Schweiz vertrieben durch
Perrot-Image SA, CH-2560 Nidau, Tel. 032 332 79 79

Details zum Samyang 1:2,8/10mm Macro finden Sie unter www.fotointern.ch

Details zum Nikon Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR finden Sie auf www.nikon.ch

 

Samyang 2,8/100mm ED UMC und Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR – Technische Daten
  Samyang 2,8/100mm Micro-Nikkor 2,8/105mm
Brennweite 100 mm 105 mm
Lichtstärke 1:2,8 1:2,8
Bildwinkel Vollformat 24,8° Vollformat 23° 20′
Blenden 2,8 bis 32 2,8 bis 32
Konstruktion 15 Linsen in 12 Gruppen 14 Linsen in 12 Gruppen
Fokussierung manuell Autofokus
Nahgrenze 300 mm 314 mm
Max Abbildungsmassstab 1:1 1:1
Filtergewinde 67 mm 62 mm
Durchmesser 72,5 mm 83 mm
Länge 120,6 mm (Nikon) 116 mm
Gewicht 705 g (Nikon) 750 g

 

5 Kommentare zu “Nikon und Samyang: Zwei Makro-Koryphäen im Vergleich”

  1. Vielen Dank für den interessanten Praxisbericht.

    Als Makro-Koryphäen würde ich allerdings keines der beiden Objektive bezeichnen. Das populäre Nikkor 105 mm liegt in der Bildqualität im Vergleich zu anderen Makroobjektiven mit ähnlicher Brennweite deutlich zurück (vom neuen Samyang 100 mm gibt es leider noch keine vergleichbaren Labortest). Dazu ein paar ältere Messdaten in Kombination mit der Nikon D800, welche ich bei Colorfoto gefunden habe.

    Nikkor 105 mm an Nikon D800
    > Grenzauflösung +2 Blenden: Mitte, Rand 2075 LP / BH, 79 %
    > Gesamtpunktzahl: 66.5

    Sigma EX 2,8/105mm DG Macro an Nikon D800
    > Grenzauflösung +2 Blenden: Mitte, Rand 2136 LP / BH, 93,5 %
    > Gesamtpunktzahl: 88

    Zeiss Makro-Planar T* 2/100mm ZF.2 an Nikon D800
    > Grenzauflösung +2 Blenden: Mitte, Rand 2309 LP / BH, 89 %
    > Gesamtpunktzahl: 100

    Ich bin kein Makrospezialist, aber wenn es das zu fotografierende Objekt (wie etwa dieses silberne Dolch-Etui) es zeitlich erlaubt, würde ich – etwas vereinfacht gesagt – mit Stativ, ohne Bildstabilisator dafür mit Spiegelvorauslösung (Selbst- oder Fernauslöser) oder noch besser gleich mit Live-View-Funktion möglichst erschütterungsfreie Aufnahmen machen. Mit Hilfe der Bildschirmlupe sollte man im Live-View-Modus manuell eigentlich exakt denselben Punkt scharfstellen können.

    Die Schärfentiefe ist im Makrobereich leider nur minimal. Weiter Abblenden bringt zwar einen Zugewinn an Schärfentiefe, dafür sinkt die Auflösung wegen der Beugungsunschärfe * (die förderliche Blende der im Test verwendeten Nikon D810 liegt bei knapp f8). Daher wäre die Schärfentiefeerweiterung mittels focus stacking (Fokus-Stapelung) und einer Blende zwischen f5,6 und f8 vermutlich die technische Lösung, welche die beste Abbildungsqualität hervorbringt.

    * Beugungsunschärfe: Wenn man beim folgenden Link nach unten scrollt, sieht man tatsächlich, wie die Nikon D800 in Kombination mit dem Nikkor 105 mm beim stark Abblenden an Auflösung verliert. Bei F22 wird die Schärfenreduktion im Vergleich zu f8 schon fast dramatisch, nämlich

    Auflösung Bildmitte bei f8,0 = 64,1
    Auflösung Bildmitte bei f22,0 = 22,3

    (siehe Tabelle unter erstem Diagramm)

  2. Ich mache mit dem Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR einfache Sachaufnahmen von Modelleisenbahnen für eine Auktionsplattform. Immer wieder erstaunt mich die Schärfe und der Détailreichtum meiner Bilder. VR und AF stelle ich ab und fokusire von hand. Preis/Leistung stimmt sehr gut.

    1. Stimme Simon voll und ganz zu: Das Micro-Nikkor 2,8/105mm G AF-S VR ist ein tolles Objektiv, dessen Preis angemessen ist.
      Das Objektiv verwende ich, neben Makroaufnahmen, viel für nahe, eng angeschnittene Portraits. Hier spielt das Objektiv seine ganze Vielseitigkeit aus.

  3. Ein Telemakro ohne Bildstabilisation finde ich nicht zeitgemäss. Bei Porträts oder Sach- und Naturdetails im Ausseneinsatz, wo häufig ohne Stativ fotografiert werden muss, ist der Stabilisator von Vorteil, obwohl Objektive mit Stabilisierung dicker und schwerer ausfallen.
    Wird per Stativ fotografiert, dann fällt meine Wahl auf Focus Stacking oder Tilting (85mm PC Micro). Für FS ist ein Manualfokus-Objektiv wie das Samyang umständlich, da es keine automatisierte Fokusreihe erlaubt. (Dann bräuchte man einen motorisierten Makroschlitten.)
    Ohne Bildstabilsierung und ohne AF ist der Nutzen des Samyang doch ziemlich eingeschränkt.

    1. Na ja, es kommt auf das Motiv drauf an. Bei statischen Makroaufnahmen kommt man mit manueller Fokussierung sehr weit, sogar aus freier Hand! Wie haben wir das denn das früher gemacht, als es zur analogen Zeit noch kein Bildstabilisator und Focus Stacking gab? Die Bildresultate waren damals nicht schlechter als heute …

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