Urs Tillmanns, 17. April 2016, 11:58 Uhr

Pentax K-1: Erstes Hands-on und persönlicher Eindruck

Tm_mit_K-1Fotointern hatte Gelegenheit eines ersten Hands-on der neuen Pentax K-1 Vollformat Spiegelreflexkamera. Unser Eindruck: Reichhaltige, professionelle technische Ausstattung, robuste und wasserresistente Bauweise, ergonomisches Handling und ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Die Details dazu finden Sie in diesem Bericht.

 

Demnächst dürfte sie lieferbar sein, die neue mitte Februar 2016 angekündigte Pentax K-1 von Ricoh Imaging. Nachdem sie in verschiedenen Prototypstadien erstmals im Februar 2015 auf der CP+ in Yokohama und danach auf verschiedenen anderen Messen gezeigt wurde, scheint nun die Serienproduktion in Japan auf Hochtouren zu laufen. Das muss so sein, denn bei einer geplanten Markteinführung im Mai 2016, einem Gehäusepreis von nur 2200 Schweizerfranken und einer professionellen Ausstattung für Profikunden, wird die weltweite Nachfrage enorm sein.

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Die Herausforderung für die Ricoh-Ingenieure war hoch, denn schliesslich muss das neue  Topmodell der K-Reihe mit Vollformat in der 36 Megapixel-Spiegelreflex-Klasse mit etablierten Modellen wie beispielsweise einer Nikon D810 mithalten können. Preislich tut sie dies bei Weitem, aber wie sieht es mit der technischen Ausstattung, dem Handling, der Ergonomie und der Profitauglichkeit aus?

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Der Ersteindruck

Bei der Pressepräsentation in Hamburg hat PR-Leiter Wolfgang Baus eindrucksvoll gezeigt, dass die Pentax K-1 hervorragend gegen Staub und Wasser abgedichtet ist. Die Kamera war in einem Erdhaufen vergraben und wurde danach mit fliessendem Wasser gereinigt. Sie dürfte so auch für die härtesten Profieinsätze praxistauglich sein.

 

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Der Härtetest: Die K-1 war in einem Erdhaufen vergraben und wird danach mit Wasser abgespült

Die K-1 macht einen sehr wertigen Eindruck. Das Gehäuse besteht aus Edelstahlteilen im Bereich des Spiegelkastens, de umgeben ist von einem Druckgussgehäuse aus einer Magnesium-Aluminium-Verbindung. Dies ist in dieser Kameraklasse allerdings «state of the art».

 

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Neuartige Befestigung des völlig beweglichen Monitors mit vier Gelenkstangen

Was sofort auffällt, und auch schon entsprechende Schlagzeilen gemacht hat, ist die Beweglichkeit des Monitors, die als einzigartig bezeichnet werden darf. Dieser ist an vier Gelenkstangen so befestigt, dass er sich in alle Richtungen schwenken oder in der optischen Achse drehen lässt. Diese völlige Beweglichkeit hat in der Praxis unbestrittene Vorteile und trägt viel zum komfortableren und präziseren Einstellen bei ungewohnten Perspektiven bei.

Zwar sieht die Konstruktion filigran aus, doch an der Präsentation in Hamburg wurde eindrucksvoll bewiesen, dass sie dies nicht ist. Die Kamera kann bedenkenlos am Monitor gehalten werden, ofensichtlich ohne Risiko. Das Display selbst ist sehr hell und zeigt das übersichtliche Menü und die Bilder in einer sehr guten Qualität

 

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Was die Ergonomie anbelangt, so liegt die K-1 mit dem integrierten Griff sehr gut in der Hand, besonders wenn man relativ grosse Hände hat und den Griff gut umfassen kann. Ob aus kleine Japanerhändchen damit ebenso gut zurecht kommen, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist die sichere Kamerahaltung sehr wichtig, besonders wenn die Kamera noch mit einem schweren Objektiv bestückt ist. Für Hochformataufnahmen ist die Kamera noch mit einem Batteriegriff ausbaubar.

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Auch die Bedienelemente, die vielen Drehknöpfe und Drucktasten, ist ergonomisch optimal platziert. Was man ständig braucht ist dort wo die Finger ohnehin schon sind, was nur selten betätigt werden muss, darf dort sein wo es ist. Insgesamt macht die Kamera einen «aufgeräumten» Eindruck und gibt sich nicht zu kompliziert. Man kommt mit der Kamera sehr schnell zurecht, auch wenn man kein eingefleischter «Pentaxianer» ist.

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Das Menü ermöglicht einen Schnellzugriff auf alle wichtigen Einstellungen

Dasselbe gilt auch für das Menü, das grundsätzlich nicht von der bisherigen Pentax-Struktur abweicht, nur eben sehr viel umfangreicher ist, weil die K-1 massiv mehr Möglichkeiten bietet als die bisherigen Spiegelreflexmodelle. Das betrifft auch die Individualisierung der Kamera, denn die drei Einstellräder (eins vorne, eins hinten und ein zentrales oben) lassen sich mit beliebigen Funktionen belegen.

 

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Auf der rechten Kameraschulter befindet sich das neue Funktionswahlrad für 10 wichtige Funktionen, die über das zentrale Einstellrad bedient werden

Hinzu kommen die beiden Funktionsräder auf der Oberseite der Kamera. Das auf der linken Kameraschulter steuert die üblichen Programme (Av, Tv, M, P etc), während das Funktionsrad auf der rechten Seite neu ist. Hier können zehn Funktionen einfach angewählt werden, die bei anderen Kameras irgendwo im Menü verschachert sind. Die Funktion wird darauf angewählt (z.B. +/- Korrektur, Bracketing oder Bildausschnitt) und dann über das zentrale Einstellrad gesteuert. «Zurück zum Rad» möchte man sagen, und ein vernünftiger Schritt zu einer einfacheren Bedienung, die man sehr schnell zu schätzen lernt.

Zu weiteren nützlichen Ausstattungen gehören die WiFi-Taste für die Direktübertragung der Bilder oder das integrierte GPS-Modul, welches ein Tracking der Aufnahmen erlaubt. Auch die beiden Drucktasten für die +/- Korrektur und die ISO-Einstellung ist in Auslöserumgebung sehr praktisch platziert.

 

Clever gelöst: LEDs erleichtern nachts die Bedienung

LEDs sind nicht ganz neu an einer Pentax-Kamera. Schon die Pentax K-S1 wartete mit einer «Lichtorgel» auf, die allerdings nie so richtig ernst genommen wurde. Dennoch verfügte die K-S1 über einige Eigenschaften, die wir jetzt an der K-1 wiederfinden, zum Beispiel die gehäuseintegrierte Bildstabilisattion, die AA-Filter-Simulation oder die Funktion «Astro Tracer» mit dem GPS-Modul.

 

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Vier LEDs auf der Rückseite des Displays beleuchten nachts die Bedienelemente der Kamera (Foto: Christian Meier / Pentax)

 

An der K-1 dienen insgesamt sieben LEDs der einfacheren Kamerabedienung bei Nachtaufnahmen, indem sie die Lage der Bedienelemente beleuchten. Vier LEDs befinden sich auf der Rückseite des beweglichen Displays, eine sitzt oberhalb des Objektivanschlusses, eine bei der Fernauslösebuchse und eine beim Kartenfach, das übrigens Platz für zwei individuell belegbare SD-Karten bietet. Zudem wird beim Einschalten der Kamerabeleuchtung aus der kleine Informationsmonitor (für Zeit, Blende, ISO, Bildanzahl, Kartenfach und Batteriespannung) an der Kameraoberseite illuminiert.

 

Objektiv gesehen

Was das Objektivsortiment anbelangt, hat Pentax seine Hausaufgaben rechtzeitig gemacht. Mit der Markteinführung im Mai werden gleich 12 Vollformat-Objektive angeboten, wobei nicht alle für die K-1 neu konstruiert worden sind:

• Pentax FA 1,8/31 mm
• Pentax FA 2,0/35 mm
• Pentax FA 1,8/43 mm
• Pentax FA 1,4/50 mm
• Pentax FA 1,8/77 mm
• Pentax D FA 2,8/50 mm
• Pentax D FA 2,8/100 mm
• HD Pentax D FA 2,8/15-30 mm ED SDM WR
• HD Pentax D FA 2,8/24-70 mm ED SDM WR
• HD Pentax D FA 3,5-5,6/28-105 mmED DC WR
• HD Pentax D FA 2,8/70-200 mm ED DC AW
• HD Pentax D FA 4,5-5,6/150-450 mm ED DC AW

Weiter erwartet werden dürfen ferner demnächst:
• eine Weitwinkel-Festbrennweite
• eine lichtstarke Normal-Festbrennweite
• ein lichtstarkes mittleres Tele
• ein lichtstarkes Ultra-Weitwinkel und
• ein Fisheye-Zoom
wie auf der CP+ im Februar zu erfahren war.

Mit dem unveränderten K-Bajonett können an der K-1 auch APS-C Objektive verwendet werden. Dann schaltet die Kamera automatisch auf das kleinere Format um, oder man kann sie weiterhin im Vollformat verwenden, um den vollen Bildkreis des Objektivs zu nutzen.

 

Pentax 24-70 Test 1000

Das diesige Wetter in Hamburg war alles andere als ideal für Testaufnahmen. Hier ein Brennweitenvergleich und ein 100%-Ausschnitt mit der Pentax K1 und dem HD Pentax D FA 2,8/24-70 mm ED SDM WR

 

 

Weitere Besonderheiten

Pentax hat die K-1 mit einer Reihe von Features ausgestattet, die man bei vergleichbaren Modellen vergebens sucht. Hier besprechen wir die Wichtigsten:

Kein Tiefpassfilter aber AA-Simulation. Um die volle Auflösung des Sensors uneingeschränkt nutzen zu können hat Pentax – was heute in dieser Kameraklasse üblich ist – auf einen Tiefpassfilter verzichtet. Um dennoch Moiré-Fehler zu vermeiden, verfügt die Kamera über eine zweistufige Simulation des Anti Aliasing-Filters, welche durch Mikroschwingungen des Sensors bewerkstelligt wird.

Neue Bildstabilisierung durch Sensorneigung. Bei der K-1 erfolgt die Bildstabilisierung in der Kamera durch entsprechende Sensorbewegung. Diese erfolgt in fünf Achsen: horizontale und vertikale Verschiebung, Sensordrehung, sowie horizontale und vertikale Sensorneigung. Die Korrekturberechnung soll über völlig neue Algorithmen erfolgen.

Pixel-Shift-Resolution für höchste Anforderungen. Um die volle Auflösung der 36 Millionen Pixel nutzen und die physikalisch bedingte RGB-Simulation umgehen zu können, bietet die K-1 die Funktion der «Pixel-Shift-Resolution». Dabei werden vier Aufnahmen in Serie belichtet, bei welchen der Sensor jeweils um einen Pixel nach oben, unten, links und rechts verschoben wird. Daraus errechnet die Kamera danach ein Einzelbild, welches als JPEG- oder RAW-Datei gespeichert wird. Allerdings sollte bei dieser Funktion ein Stativ benutzt werden, da die Bildstabilisierung ausgeschaltet ist.

Sensorshift. Die Funktion «Bildausschnittanpassung» lässt einen horizontale und vertikale Verschiebung des Sensors zu, was bei Architekturaufnahmen oder in der Astrofotografie (die Astrotracer-Funktion nutzt diese Technik) genutzt werden kann.

Astrotracer-Funktion. Bei Astroaufnahmen wird mit der Sensorshift-Technik die Erdbewegung kompensiert. Die Sterne erscheinen mit dieser Funktion als Punkte und werden nicht als Striche abgebildet.

Full-HD Videoaufnahmen. Dass die K-1 keine 4K-Videoqualtät bietet, entspricht möglicherweise nicht ganz den Erwartungen der Videofreunde. Diese müssen sich mit einer Full-HD-Auflösung von 1’920 x 1’080 Pixel und 60i / 30p Bildrate im H.264-Aufnahmeformat begnügen. Zur Tonaufzeichnung dient ein eingebautes Stereomikrofon oder ein externes Mikrofon, wobei der Aufnahmepegel manuell über einen integrierten Kopfhöreranschluss überwacht werden kann. Weiter bietet die K-1 die Intervall-Movie-Funktion für kurze Zeitrafferfilme, und diese sogar in quasi 4K-Auflösung mit 3’840 x 2’160 Pixel.

 

Alles in Allem

Mit der K-1 schliesst Pentax eine Lücke zwischen den APS-C Spiegelreflexmodellen und der professionellen Mittelformatkamera 645Z. Sie richtet sich an Profis und ambitionierte Amateurfotografen welche auf eine vielseitig einstell- und nutzbare Kamera Wert legen. Bereits mit der Markteinführung steht ein breites Objektivsortiment mit Brennweiten von 15 bis 450 mm für Vollformat zur Verfügung, das schon bald durch weitere lichtstarke Festbrennweiten und Zooms ergänzt werden soll.

Die Pentax K-1 macht einen sehr stabilen und wertigen Eindruck und kommt dem Anspruch einer strapazierfähigen Profikamera absolut nach. Sie ist einfach und logisch in der Bedienung und stark auf einen menülosen Einstellungskomfort ausgelegt. Kommt der günstige Preis hinzu, der manchem Freizeitfotografen jetzt den Einstieg in die Welt der Vollformatfotografie und damit in eine deutlich bessere Bildqualität ermöglicht.

Nicht ganz zeitgemäss dürfte das Fehlen der 4K-Videoqualität sein. Bleibt dabei die Frage, ob man sich bei diesem Qualitätsanspruch nicht gleich eine 4K-Videokamera kaufen sollte, die noch sehr viel mehr und professionellere Videofunktionen bietet als eine digitale Spiegelreflexkamera.

Alles in allem hat Pentax mit der K-1 ein sehr gutes neues Flaggschiff, das sich nicht nur durch ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis auszeichnet, sondern mit einer Bildqualität, die auch höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Urs Tillmanns

Weitere Informationen finden Sie bei www.ricoh-imaging.ch sowie auf www.fotointern.ch. Die technischen Daten gibt es hier als pdf.

 

 

7 Kommentare zu “Pentax K-1: Erstes Hands-on und persönlicher Eindruck”

  1. Warum nur so zurückhalten, hat es am schlechten Wetter gelegen. Unser heutiges Testergebnis ist eine SENSATION
    Mehr Details als bei der Canon 5DSR und der Nikon 810. Bei Aufnahmen mit dem Stativ natürlich …

    Und mit einer Canon macht man solche Späße nicht. Unter 2000 Euro und WLAN dabei, das hat Canon nicht einmal für 7000 Euro bei der EOS 1 untergebracht und 4K als einen Mangel hier zu präsentieren, wenn doch 80% der angebotenen Kameras die teurer sind das auch nicht haben, ist nicht fair.

    Wenn die ersten richtigen Testberichte online gehen wird sich zeigen, dass Canon, Nikon und Sony es heftig um die Ohren fliegen wird. Zum Preis einer 7RII oder Canon 5DSR gibt es hier gleich zwei Kameras und das auch noch mit 300000 Auslösungen …. das ist OBERLIGA NIVEAU der teuersten Spitzenmodelle, diese Anzahl an Auslösungen bietet auch niemand an.

    Also,
    ich sehe hier nur all die Sachen, die Canon verschlafen hat. Eigentlich ist seit der 5DII nicht wirklich etwas passiert. Mehr Pixel mehr AF-Felder, hier – wie auch bei Fujifilm und Sony – machen sich Entwickler noch Gedanken, wie man Fotografen gutes Handwerkszeug mitgibt. Denn der Beruf wird nicht einfacher und Canon hilft da im Moment nicht. Da fliest alles in Video an Kraft, was möglich ist und nun muß Pentax kommen, ein alter Hase und zeigen, dass man sogar mit einem Sensor shiften kann.
    UNFASSBAR, dass nicht längst einer der anderen darauf gekommen ist.
    PENTAX K1
    wird ein Renner !!!!
    ganz bestimmt !!!

  2. Hier ist durchaus Potential vorhanden, um Canon und Nikon aus ihrem gegenwärtigen Tiefschlaf zu wecken. Wenn noch ein paar lichtstarke Festbrennweiten im WW- und Telebereich sowie Makro dazukommen, wird es richtig interessant.

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