Urs Tillmanns, 19. November 2017, 11:23 Uhr

Buchtipp: Lars Poeck – Kreative Foto-Aufgaben

Wenn mich jetzt jemand fragen würde, wie er in kurzer Zeit das Fotografieren fundiert erlernen kann, würde ich ihm wahrscheinlich dieses Buch empfehlen. Wahrscheinlich deshalb, weil dazu gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Erstens, der Kandidat ist nicht totaler Anfänger, sondern er besitzt schon eine Kamera und hat damit schon seine ersten Erfahrungen gesammelt. Zweitens, fotografieren macht Spass und er oder sie bringt den Ehrgeiz mit, sich intensiv mit und regelmässig mit fotografischen Aufgaben – und Herausforderungen – auseinanderzusetzen. Und drittens, er bringt viel Selbstdisziplin mit, sich jede Woche mit einem neuen Thema zu beschäftigen, um die gestellte Aufgabe zu erfüllen.

Das Buch ist in erster Linie eine Sehschule. Lars Poeck will uns nicht die Kamera deren Technik erklären, sondern er stellt uns Praxisaufgaben, erklärt kurz worauf es ankommt, gibt uns ein paar Tipps und schickt uns los in die unendliche Welt der Motive, um die Idee bestmöglich in wirkungsvolle Bilder umzusetzen. Und dies jede Woche.

Dabei geht es darum Motive zu finden, die dem Thema entsprechen, Linien und Strukturen zu erkennen und diese nach den klassischen Gestaltungsregeln in Bilder umzusetzen. Dabei werden so ziemlich alle Bereiche der Fotografie berücksichtigt, von Landschaften über Menschenbilder, Reportagen und Makroaufnahmen.

Lars Poeck geht in diesem Buch didaktisch sehr geschickt vor. Rund die Hälfte des Buches ist – wie in jedem Fotokurs – der Theorie der Gestaltung gewidmet. Poeck erklärt uns dass wir auf den Horizont achten müssen, was symmetrisches und asymmetrisches Gleichgewicht ist, wie Farben in der Fotografie wirken, spricht über geometrische Formen in der Fotografie und spornt uns zu mehr Kreativität und weniger Klischeebildern an. Danach schickt er uns raus in die Motivwelt, mit klaren Aufgaben und Zielsetzungen. Dabei steht weniger das Motiv im Vordergrund, sondern die Art und Weise wie wir dieses gestalterisch in ein gutes Bild umsetzen.

Einige der Aufgaben sind recht anspruchsvoll, und die Vorgabe, jede Woche eine solche zu lösen, bedingt einiges an Selbstdisziplin und Einsatzfreudigkeit. Nicht immer ist man gleich gut drauf, kann sich den notwendigen zeitlichen Freiraum schaffen – auch für die Nachbearbeitung der Bilder – und nicht immer spielen das Wetter und andere Faktoren so mit, dass man sich im gesteckten Zeitrahmen mit der Aufgabe intensiv genug befassen kann. Dennoch sollte man sich an das Wochenprogramm halten. Bricht man aus diesem Zeitschema aus, so liegt das Buch schon bald länger unbenutzt neben der Fototasche, und der gute Vorsatz, diese Schule zu absolvieren, läuft aus dem Ruder.

Das Buch hat noch einen zweiten Nutzen: es ist eine hervorragende Ideen- und Inspirationsquelle. Ideal für Fotoklubs zum Beispiel, die immer wieder nach Wettkampfthemen suchen, aber auch für Fotografie-Projektwogen in Schulen, um praxisgerechte Aufgaben stellen zu können. Gerade auch im letzten Teil des Buches mit den Fotospielen die diversen Anregungen welche uns der Autor im Theorieteil gibt, spornen zu eigener Kreativität und zu mehr Spass an der Fotografie an.

Alles in allem, ein sehr nützliches Buch, das einem schnell und immer wieder dazu bringt, sich mit neuen Ideen für bessere Bilder auseinanderzusetzen.

Urs Tillmanns

 

Buchbeschreibung des Verlages

Suche nach natürlichen Linien! Denke in Schwarz-Weiss! Erzähl mit deinem Bild eine ganze Geschichte! Mit dem Projekt 52 stellt Lars Poeck Woche für Woche eine kreative Foto-Aufgabe. Gleichzeitig vermittelt er das nötige Grundlagenwissen. Jede der spannenden Aufgaben fordert die Hobbyfotografen heraus. Das Ergebnis: Ungewöhnliche Bildausschnitte, neue Perspektiven, fotografische Blicke über den Tellerrand. Die Lust, die Kamera in die Hand zu nehmen und eigene Ideen zu entwickeln, kommt dabei von allein: Der perfekte Ratgeber für alle, die mit Spass kreative Fotos machen möchten.

 

Der Inhalt

Projekt 52: Kreative Inspirationen für dein Fotojahr
Wie nutzt du dieses Buch? / Das tägliche Foto / Ein Mal pro Woche / Durcheinander und bunt gemischt / Ganz wichtig! / Am Anfang steht das Lernen! / Wo fange ich an? / Übung macht den Meister / Dran bleiben und ausprobieren / Was ist mein Stil?

Ist das kreativ oder kann das weg?
Wie entsteht Kreativität? / Schreibe auf, was dir in den Sinn kommt / Ab wann bist du kreativ? / Mindmapping für die Fotoideen / In welcher Lernphase befindest du dich? / Sei dein grösster Kritiker

 

Tipps zum Start für das gelungene Foto
Gibt es unfotogene Eigenschaften? / Vermeide fade Motive / Kontrolliere die Schärfe / Jedes Foto braucht einen Vordergrund / Behalte den Hintergrund im Blick / Schneide keine Füsse oder Hände ab / Achte auf die Richtung / Zoome mit deinen Füssen / Was willst du fotografieren? / Achte auf Schatten / Erzeuge Spannung und Neugierde / Vermeide Unordnung und Verwirrung / Fokussiere (dich) auf die Augen / Achte auf den Horizont

Das visuelle Gleichgewicht
Das symmetrische Gleichgewicht / Das asymmetrische Gleichgewicht

Wirkung von Farben in der Fotografie
Das Spiel der Komplementärfarben / Farbe auch mal weglassen / Verwende gezielt starke, intensive Farben / Farbe vor neutralem Hintergrund / Lass eine Farbe dominieren / Weissabgleich auf «automatisch» stellen

 

Den roten Faden finden
Der eigene Stil / Vom Einzelbild zur Serie

Storytelling in der Fotografie
Nutze die äusseren Einflüsse / Hauptmotiv: Isoliere dein Hauptmotiv / Diskretion: Halte dich im Hintergrund / Zwischenmenschlichkeit: Halte Ausschau nach Interaktionen / Mimik: Versuche, den Ausdruck einzufangen / Schattenseite: Denke in Schatten und Silhouetten / Denke an Variationen

 

Die Geometrie der Fotografie
Das Rechteck gibt den Rahmen vor / Licht lesen lernen / Intensität / Weiches Licht / Hartes Licht / Richtung des Lichts / Die Farbe des Lichts

Weniger Klischee – mehr Kreativität
Sei kreativ: Mach es nicht wie alle anderen / Welche Objekte kannst du miteinbeziehen? / Lass Menschen in dein Foto / Überdenke deine Fotoidee

 

Jahres- und Tageszeiten
Jede Jahreszeit hat ihren Charakter / Die fotografischen Tageszeiten

Lerne deine Kamera kennen – es ist gar nicht so kompliziert
Blende / Die Blende regelt die Lichtmenge / Grosse Blende = viel Licht, kleine Blende = wenig Licht / Die Blende regelt die Tiefenschärfe / Grosse Blende mit kleinem Blendenwert = tolle Porträtfotos / Kleine Blende für Landschaftsaufnahmen und den weiten Blick / Belichtungs- und Verschlusszeit / Eine kurze Belichtungszeit für schnelle Momente, eine lange für langsame Fotos, ohne zu verwackeln / Das Stativ für lange Belichtungszeiten / ISO / Ein hoher ISO-Wert lässt das Bild rauschen / Kameraprogramme / Programmautomatik (P) / Blendenautomatik (TV oder S) / Zeitautomatik (AV oder A) / Manueller Modus

 

52 Fotoaufgaben
• Das natürliche Licht
• Suche nach Linien
• Der natürliche Rahmen
• Weniger ist mehr
• Raus aus der Mitte
• Geh auf Augenhöhe
• Geh nah ran
• Fotografiere den Moment
• Lichtspuren sichtbar machen
• Mit Offenblende und Bokeh
• Bildpaare und Bildfolgen
• Blindflug
• Spiegelungen und Reflexionen
• Fülle den Ausschnitt
• Denke abstrakt

• Freelensing
• Der harte Anschnitt
• Licht und Schatten
• Denke in Kreisen
• Kleine Welten
• Emotionale Architektur
• Aus der Froschperspeictive
• Lowkey – die dunkle Seite
• Tiefe und Ebenen
• Der Sog der Bildmitte
• Struktur und Textur
• Leere und negativer Raum
• Kreative Unscharfe

• Das Porträt
• Denke in Schwarzweiss
• Die blaue Stunde
• Muster und Wiederholung
• Dynamik und Bewegung
• Das erzählende Porträt
• Food Photography
• Ich-Perspektive
• Dramatisches Licht
• Den Vordergrund gestalten
• Wenn der Tag anbricht
• Suche nach Rechtecken
• Lens Flare und Gegenlicht

• Die Serie und das Projekt
• Asymmetrisches Gleichgewicht
• Innen und aussen
• Das Tierporträt
• Foto-Essay
• Eine Farbe
• Alt und vergessen
• Ein Gegenstand – viele Perspektiven
• Minimalismus
• Das Gegenteil
• Das kleine Helferlein

 

Nach dem Foto ist vor dem Foto: 5 einfache Tipps zur Bildbearbeitung
1. Die Welt begradigen: der Horizont
2. Unwichtiges raus: klare Schnitte setzen
3. Die richtigen Farben: der Weissabgleich
4. Farben und Kontraste: anpassen
5. Der Blick für das Wesentliche: die Augen

Zum Abschluss: Kreative Fotospiele
Mit jedem Schritt ein Foto / Projekt A -Z / Fotos nach Thema / Schnitzeljagd / Nur ein Foto / (D)Ein Tag in Bildern / Zehn Bilder am Zehnten / BigFive / Du im Badezimmer – für 30 Minuten / 24 Mal auf der Stelle / 10 zu 1 / Die 5 Elemente / Auf einen Spaziergang / Alle Wege führen zum Ziel

Ein Wort zum Schluss

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Der Autor

Lars Poeck hat sich das Fotografieren selbst beigebracht. Wahrscheinlich hat er deshalb so viele Fans unter den Hobbyfotografen: Über 60’000 Fotografie-Begeisterte verfolgen monatlich seinen Blog ig-fotografie.de. Seine hervorragenden Tipps und Foto-Aufgaben inspirieren dabei nicht nur Einsteiger. Mit «Fotografieren in Berlin» hat er bereits den perfekten Ratgeber für alle geschrieben, die die spannendste Stadt Deutschlands fotografisch erkunden möchten. Mit seinem neuen Werk sorgt er dafür, dass auch ausserhalb der Hauptstadt Fotografieren das bleibt, was es ist: Das schönste Hobby der Welt.

 

 

Bibliografie

Lars Poeck
Kreative Foto-Aufgaben
Projekt 52: Woche für Woche bessere Fotos
240 Seiten, Format 145 x 215 mm
Softcover, geleimt
durchgehen 4farbig reich illustriert
Verlag Humboldt, Hannover
ISBN 978-3-86910-366-2
Preis: CHF 37.70 / EUR 26,99
Das Buch gibt es auch als pdf und e-Book-Version. Es kann hier online bestellt werden

 

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