Urs Tillmanns, 8. Oktober 2018, 16:00 Uhr

«subito» – Dokumentarfilm zur Sofortbildfotografie. Am Donnerstag ist Première

Begonnen hat eigentlich alles damit, dass die fünfjährige Jennifer ihren Vater fragte, weshalb sie das Bild, das er soeben von ihr aufgenommen hatte, nicht sofort sehen könne. Die Frage fiel beim Erfinder und Industriellen Edwin H. Land auf fruchtbaren Boden. Noch in derselben Nacht machte er sich daran eine Kamera zu skizzieren, welche Bilder sofort entwickelte und auswarf. Die Idee der Sofortbildfotografie war geboren, doch es sollte noch vier Jahre dauern, bis das Produkt marktreif war. Danach schrieb die Firma Polaroid ihre Erfolgsgeschichte mit immer raffinierten Lösungen und einer immer besseren Bildqualität – bis 2008 die Digitalfotografie dem Sofortbild den Wind aus den Segeln nahm. Beim Konkurs von Polaroid sollte es aber nicht bleiben. Florian Kaps, Biologe und Polaroid-Liebhaber rettete in der holländischen Fabrik was noch zu retten war und begann ein Projekt, das viele als «Impossible» bezeichneten – und dies gab den neuen Sofortbildfilmen auch den Namen.

Erfinder Edwin H. Land präsentiert sein Sofortbild 1947, die populäre Swinger-Kamera 1965 und die SX-70 1972 als erste Kamera mit Integralfilm

Diese Geschichte faszinierte auch Peter Volkart, der beschloss diese in einem Dokumentarfilm festzuhalten. Der Film ist unter anderem deshalb besonders wertvoll, weil er viel bisher ungesehenes Bildmaterial aus dem Leben von Edwin Land und der Firma Polaroid zeigt und die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der Sofortbildfotografie in spannender Form darstellt. Weiter gibt der Film einen Einblick in das künstlerische Schaffen berühmter Fotografen wie Ansel Adams, Payram, Sarah Moon, William Wegman, Christian Vogt, Nancy Burson und anderen.

 

Der nun fertige Film wird am kommenden Donnerstag, 11. Oktober 2018, 19:00 Uhr, im Kino Houdini in Zürich Première feiern. Diese Vorführung ist öffentlich, doch empfiehlt es sich, die Tickets umgehend zu buchen, da die Platzzahl beschränkt ist.

Peter Volkart wird an dieser Première persönlich anwesend sein. Trotzdem haben wir ihm vorab schon einige Fragen gestellt, wie es zu dieser Realisation kam:

Was hat Sie bewogen einen Film über die Geschichte von Dr. Edwin Land und das Sofortbild zu machen?

Irgendwann im Jahre 2012 war ich in Paris in den Ferien und entdeckte in einer kleinen Seitenstrasse, eine sonderbare Metzgerei. In den Schaufenstern aber lagen keine Würste mehr, aber es gab da eine Kühltruhe mit Filmen drin und ein paar Bilder an der Wand. Es stellte sich als ein Impossible Laden heraus. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie etwas von Impossible gehört und ich machte mich kundig und habe durch die Recherchen auch viel über Edwin Land und die Geschichte von Polaroid erfahren und fand dessen Geschichte so interessant, dass sie nun über ein Drittel des Films ausmacht.

Was fasziniert sie am Sofortbild besonders?

Das was alle Leute, auch heute noch fasziniert: das Ganze grenzt an Zauberei. Als ich anfangs der 80er Jahre noch Kunstschüler war, habe ich auch eine SX70 Kamera gehabt. Mir erschien es als ein Wunderding, eine Bildmaschine sozusagen, welche die Spontanität herausfordert. Aktions- oder Performance Ideen konnten sofort realisiert werden. Wobei man sagen muss: Diese sofortige Verfügbarkeit brachte natürlich auch viel Unausgegorenes zutage.

Wie lange haben Sie sich mit diesem Projekt schon befasst?

Die erste Idee dazu hatte ich bereits 2013. Es hat dann aber sehr lange gedauert bis ich das Archivmaterial zusammen hatte. Effektive Arbeitszeit für den Film war etwas über ein Jahr.

Polaroid hat mit dem Aufkommen der Digitalfotografie einen dramatischen Niedergang erlebt. Heute ist die Sofortbildfotografie wieder populärer denn je. Wie erklären Sie sich dieses Comeback trotz der überwiegenden Digitalfotografie, die ja ebenfalls ein sofortiges Bild liefert.

Diese Frage hat mich auch sehr interessiert und ein Teil des Films versucht, sie zu beantworten. Es gibt eine frische Generation von Sofortbildfotografen, die das Medium neu entdeckt haben. Diese Leute, die mit der Digital- und Handy-Fotografie aufgewachsen sind, schätzen eben gerade die Unwägbarkeiten und die Imperfektion des Bildresultats. In einer Welt von stets perfekten, stets scharfen und ausgewogen belichteten Digitalbildern ist es ein mildes Risiko mit einer Analogkamera zu fotografieren, da kann auch mal was schiefgehen. Und ganz wichtig: die Bilder sind ein greifbares Unikat. Ein eingefrorener Moment der auf Papier gebannt ist.

Peter Volkart, geboren 1957 in Zürich, schliesst 1983 sein Fine Arts Studium an der School of Visual Arts in New York, ab, absolviert danach Filmkurse an der Universität New York und realisiert Werbe- und Dokumentarfilme für das Fernsehen. Seit 1990 pflegt er seine selbständige Tätigkeit in Design und Film, gründet 2002 ein Studio für grafische Gestaltung in Zürich und präsentiert seine Werke in Ausstellungen im In- und Ausland. Peter Volkart schafft sich mit einer Reihe von Dokumentarfilmen einen Namen und gewinnt 2006 den Schweizer Filmpreis mit «Terra incognita» als bester Kurzfilm.

 

Wann und wo? Donnerstag, 11. Oktober 2018 ist im Kino Houdini Zürich (Badenerstrasse 173, CH-8003 Zürich, Tel. 044 455 50 33) um 19:00 Uhr Première.

«Subito – Das Sofortbild.» Ein Film von Peter Volkart
Schweiz 2018 | 77 Min. | Farbe | 1:1.77 | 5.1 Dolby Digital | DCP 25fps
Mit: Payram – Khosrow Peyghamy, Gerhard Johann Lischka, Florian Kaps, Rebekka Reuter, Stephen R. Herchen, Marlène Heiligenstein
Start Kinotournee: 11. Oktober 2018
Premiere: Kino Houdini Zürich, Donnerstag, 11. Oktober 2018, 19:00 Uhr in Anwesenheit von Peter Volkart
Produktion & Distribution: Reck Filmproduktion, www.reckfilm.ch
World Sales: Magnetfilm GmbH Berlin, www.magnetfilm.de

Weitere Infos www.reckfilm.ch/de/filme/released/subito-dassofortbild/

 

Weitere Vorführungen:

Kino Rex Bern
Premiere am Do, 15. November 2018, 20:15 Uhr
mit Regisseur Peter Volkart. Moderation Tatjana Simeunovic.
Donnerstag, 15. bis Mittwoch 21. November 2018, täglich um 18:30 Uhr.
Vorverkauf: Subito ist z.Zt. noch nicht aufgeschaltet

Stattkino Luzern
Premiere Donnerstag, 13. Dezember 2018, 19:00 Uhr
mit Regisseur Peter Volkart & Gast (tba). Moderation Tatjana Simeunovic.
Freitag, 14. Dezember 2018, um 20:15 Uhr
Sonntag, 16. bis Mittwoch 19. Dezember 2018. um 20:15 Uhr
Vorverkauf: Subito ist z.Zt. noch nicht aufgeschaltet

 

 

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