Urs Tillmanns, 2. Januar 2019, 11:51 Uhr

PhotoKlassik I-2019: Im Alten das Neue finden

Wolfgang Heinen, Herausgeber von PhotoKlassik, bringt es in seinem Vorwort «Aus dem Rennen voll im Trend» auf den Punkt: Die klassische analoge Fotografie sei zwar im technologischen Rennen zwischen Smartphone und Digitalkameras «aus dem Rennen», doch es sei wie beim Bergsteigen – der Weg sei das Ziel. Was zähle, sei der Prozess, und dieser begeistere immer wieder aufs Neue. «Und damit sind wir beim eigentlichen Mysterium der Faszination der klassischen Fotografie: im Alten (immer wieder) das Neue finden». Damit leitet er in die erste Ausgabe von PhotoKlassik in diesem Jahr über, die einmal mehr eine vielfältige Menge qualitativ hochwertiger Beiträge über die Fotografie mit Film bietet. Hier die Highlights:

 

Abgesehen vom aktuellen Teil, beginnt das Heft mit einem Portfolio von Frank Mädler. Zu dem vorwiegend Naturbildern stellt Frank Mädler die Frage «was macht ein Bild zum Bild? Wie bekomme ich zwei runde Flächen in ein Bildrechteck?» Seine Kompositionen geben die Antwort darauf, und sein Interview mit Marc Peschke vermitteln das Hintergrundwissen dazu.

 

Für viele, die selbst ihre Bilder vergrössern möchten, stellt sich die Frage, wo und ob es noch Farbvergrösserungsgeräte gibt. Die Marktübersicht mit vielen wertvollen Zusatzinformationen findet man hier auf drei Seiten, kompetent zusammengestellt von Christoph Jehle. Dass es sogar noch einen neuen (!) Horizontalvergrösserer im Markt gibt, ist ein weiterer spannender Beitrag – übrigens für Negative oder Diapositive bis Grösse 20×24 Inch.

 

Der Praxisbeitrag von Marwan El-Mozayen «Grundlagen der Lichtführung» ist vor allem für die vielen Enthusiasten interessant, die gelegentlich ihr Wohnzimmer in ein kleines Fotostudio umnutzen wollen, um eindrucksvolle Porträts ins richtige Licht zu setzen. Dieser Beitrag sagt worauf es ankommt.

 

Das dürfte vor allem die Schweizer interessieren: Die Geschichte der Alpa hat Christoph Jehle recherchiert und erzählt den langen Weg von der Spiegelreflex des Jacques Bogopolski bis zur heutigen technischen Kamera.

 

Wissen über Filme gehört für alle Analogfotografen zum Wichtigsten. Hierzu gibt es im aktuellen Heft gleich mehrere Beiträge: Der Kodak Ektachrome 100 feiert sein Comeback (siehe auch Top Story auf Fotointern.ch) nicht nur als Diafilm sondern auch in Super-8 Kassetten. Damit werden viele verstaubte Filmkameras wieder zum Leben erweckt. Dann zeigt Christian Dornbruch, wie man aus 35mm Kleinbildfilmen selbst Minox-Filme konfektioniert und damit die legendäre Kleinstbildkamera mit dem Format 8 x 11 mm wieder nutzen kann. Und weiter wird über die Agfamatic 6008 makro pocket berichtet, eine legendäre Minikamera für Pocketfilme, die aus dem Dornröschenschlaf geholt wurde. Ein weiterer Beitrag berichtet über den auferstandenen Kodak T-Max P3200, der als höchstempfindlicher Schwarzweissfilm einst Geschichte geschrieben hat und jetzt wieder erhältlich ist.

 

Der Portfoliobetrag «World of Speed» zeigt beeindruckende Bilder von Johannes Huwe, die auf einem vertrockneten Salzsee der Mojawe-Wüste in Kalifornien entstanden sind. Interessant ist auch der Textbeitrag dazu, der erzählt, wie diese Bilder – und übrigens auch das Titelbild des Heftes – entstanden sind.

 

Es gehört zur Tradition von PhotoKlassik, dass in jeder Ausgabe eine legendäre Kamera mit allen Details und ihrem geschichtlichen Hintergrund beschrieben wird. Diesmal wird die Nikon F4 vorgestellt, eine Reminiszenz, mit der viele Profis jahrelang ihr gutes Geld verdient haben. Aber sie hat noch lange nicht ausgedient …

 

Die Sofortbild-Fotografie beweist den Trend zur Analogfotografie überdeutlich. Vor allem digitalverwöhnte Jugendliche haben den Plausch daran, sofort ein richtiges Bild austauschen zu können. Das Portfolio von Tom Pätz zeigt Kostproben aus seiner Bilderserie, die während eines Jahres von über 100 Musikern aus 25 Ländern entstanden sind. Die Bilder dokumentieren schon jetzt ein Stück wertvoller Musikgeschichte.

 

Der Fotokultur wird mit zwei weiteren hervorragenden Portfolios gefröhnt: Die Schwarzweiss-Panoramen von Frank Stöckel «Mit guter Mitte» sind mit einer Linhof 617 in Südnorwegen entstanden und beeindrucken mit imposanten Felsstrukturen. «Meisterliche Bergfotografien» zeigen die Bilder von Peter Schön, der mit dem Klassiker Contax T-3 fotografiert und im Text beschreibt was er damit erlebt, und warum diese Kultkamera seine liebste ist.

Die jüngste Ausgabe von PhotoKlassik beweist einmal mehr den Wert und die Faszination der Fotografie mit Film. Wie gesagt: Der Weg ist das Ziel – der Weg, im Alten (immer wieder) das Neue zu finden …

Urs Tillmanns

PhotoKlassik erscheint vierteljährlich im Verlag IMH Imaging Media House. Es ist in der Schweiz bei Ars-Imago in Zürich zu beziehen und kostet CHF 18.50.

Weitere Informationen: photoklassik.de

 

Der Inhalt

Editorial / Inhalt / Magazin / Mitarbeiter dieser Ausgabe / Impressum

Produkte
Vergrösserer für das analoge Farblabor / Gross, grösser Heiland «Mamont» / Der Ektachrome ist zurück / Die «Pocket» Fotografie aus der Hosentasche / Relaunch des Kodax T-Max P 3200 Kleinbildfilms / Nikon F4 – Flaggschiff, Profikamera und Statussymbol / Analog-Renaissance mit Silbersalz35mm / Kultobjekt Contax T3 – Meisterliche Bergfotografien

Praxis
Grundlagen der Lichtführung / Schwarzweiss-Dias im 8 x 11-Minox-Format

Professional
Johannes Huwe – World of Speed

Unternehmen
Die Geschichte der Kameramarke Alpa

Kultur
Mit lnstax in Duisburg-Marxloh unterwegs IQ / Frank Mädler: Glanz / Stoffwechsel – Ruhrchemie in der Fotografie / SLAK-Künstlerkollektiv: Analoge Fotoinstallation / Tom Pätz: Polaroid-Liebelei / Frank Stöckel: Mit guter Mitte / Fundstücke – Randnotizen zur Fotokunst / lntimate Strangers – New Yorker Strassenportraits / Apollo VII-XVII: Eine einzigartige Dokumentation

Kolumne
Elektronische Besserwisser vs. Kunst

 

2 Kommentare zu “PhotoKlassik I-2019: Im Alten das Neue finden”

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