Urs Tillmanns, 22. Februar 2019, 10:41 Uhr

Art Karlsruhe: Eine Halle voller Fotografie und Druckgrafik

Karlsruhe ist gerademal zwei Autostunden von Basel entfernt, so dass es für (Foto-)Kunstliebhaber interessant sein dürfte, dieses Wochenende nach Karlsruhe zu pilgern. Dort findet auf dem Messegelände in Rheinstetten die «Art Karlsruhe» statt, auf welcher die Fotografie offensichtlich ein immer wichtigerer Schwerpunkt darstellt. Mehr als 30 der insgesamt 208 national sowie international renommierten Galerien aus 16 Ländern zeigen fotografische Kunstwerke, viele davon nicht ausschliesslich, aber doch auffallend. Die meisten dieser Galerien sind in der Halle 1 zu finden und zeigen vorwiegend zeitgenössische Künstler.

 

Monika Wertheimer und Urs Salzmann von der Galerie Wertheimer sind erstmals auf der Art Karlsruhe. Sie zeigen Werke von Gabriel Figueroa Flores, Christian Flierl, Nicolas Henri, Marc Volk sowie Stefania Beretta, Corina Gamma, Silvio Maraini, Julian Salinas, Andrin Winteler und Nicholas Winter.

Mit dabei als einzige Galerie aus der Schweiz, die gänzlich auf Fotografie spezialisiert ist, ist Monika Wertheimer aus Oberwil bei Basel, die uns den Tipp zur Art Karlsruhe vermittelt hat. «Die Art Karlsruhe hat uns sehr positiv überrascht. Es ist alles perfekt organisiert, und wir haben einen super Platz gleich beim Eingang in die Halle 1» sagt Monika Wertheimer «Das Publikum ist allerdings ein anderes als in der Schweiz. Das Interesse ist zwar gross, doch sind die Leute sehr zurückhaltend und zeigen kaum wirklich ernsthaftes Kaufinteresse.»

 

Eine Halle voll Fotografie und Druckgrafik

Die Halle 1 der Art Karlsruhe ist der künstlerischen Fotografie, aber auch sehr stark der Druckgrafik gewidmet. Viele Galeristen stellen auch beides an ihren Ständen aus, oft in bunter Mischung. Zur Fotografie findet man die ganze Bandbreite, von klassischer Reportage-, Porträt-, Akt- und Architekturfotografie bis hin zu konzeptioneller, experimenteller, inszenierter und abstrakter Fotografie, als Vintage oder Modern Print. Wir haben einen Rundgang gemacht, dabei sind uns folgende, allerdings subjektive Rosinen aufgefallen:

 

Einer der grössten Stände, der fast ausschliesslich Fotografie zeigt, ist die Galerie STP aus Greifswald. Es sind Werke von Thomas Hoepker, Nadja Kuznetsova, Peter Mathis, Walter Schels, Uwe Ommer sowie Alfons Alt (One-Artist-Show) zu sehen.

 

Ein sehr vielseitiges Fotografie-Angebot mit 15 Fotokünstlern zeigt die Galerie Eduard Planting aus Amsterdam. Hier haben uns die Kollodiumfotografien von Alex Timmermanns sowie die Werke von Frank van Driel und Van de Camp & Heesterbeek besonders gut gefallen.

 

Faszinierend sind die Porträts von James Sparshatt «Spirit of the Revolution», die am Stand der Galerie Capital Culture aus Norwich, Grossbritannien, zu sehen sind. Sie zeigen beeindruckende Gesichter kubanischer Tabakarbeiter/-innen, die, zigarrerauchend, einen recht ungewöhnlichen Eindruck auf die Besucher machen.

 

Auf den ersten Blick wirken die Interieuraufnahmen von Lori Nix völlig natürlich, doch man frägt sich, wo die Künstlerin diese eigenartigen Räume fotografiert hat. Es gibt sie nicht, diese Räume! Lori Nix baut sie selbst als Miniaturen mit einer unglaublichen Liebe zum Detail – und danach fotografiert sie sie. Die Bilder sind am Stand der Galerie Klüser, München, zu sehen.

 

Die Landschaften des österreichischen Fotografen Alfred Seiland faszinieren. Bekannt ist Seiland vor allem durch die FAZ-Werbekampagne «Dahinter steckt immer ein kluger Kopf» geworden, aus welcher ebenfalls einige Bilder am Stand der Galerie Clairefontaine aus Luxemburg zu sehen sind.

 

Die grossformatigen Porträts von Nemo Jantzen am Stand der spanischen Galerie Villa del Arte sind wahre Publikums-Stopper. Sie bestehen aus Hunderten von Miniaturfotos hinter Glaslinsen, aus deren Helligkeits- und Farbeindruck bekannte Porträts von Filmstars entstehen.

Brigit Bardot lächelt die Besucher nicht nur an, sondern es ist viel mehr das Glitzern des Bildes das irritiert. Die Emailledrucke von Russell Young sind mit feinem Diamantstaub bedeckt, was diesen Glitzereffekt bewirkt. Gezeigt werden die Werke am Stand der Galerie Jeanne aus München.

 

Am Stand der Zürcher Galerie Werner Bommer ist die Einzelausstellung von Thomas Wootli zu sehen, der viele fotografische Elemente in seine Werke experimenteller Fotografie einbaut.

 

Die Mixedmedia-Bilder von Devon Miles auf gebürstetem Aluminium wirken verblüffend, weil sich das Bild von zwei Seiten betrachten lässt und dabei ein anderes Werk zeigt. Am Stand der Art Box Berlin sind die beiden aktuellen Werke «Memory» und «Monroe Pop» zu sehen.

 

Fotorealistische Gemälde oder Druckgrafiken sind auf der Art Karlsruhe viele zu sehen. Ob es wirklich Fotografien oder Gemälde sind, sieht man den Bildern von Sabine Liebchen nicht an – zu perfekt arbeitet die Künstlerin. Ihre Werke sind gleich an zwei Ständen zu sehen, einmal zeigt die Art Edition-Fils GmbH aus Düsseldorf in der Halle 1 vor allem Druckgrafiken …

 

… während am Stand des Kunsthaus Hannover in der Halle 2 grossformatige Gemälde von Sabine Liebchen zu sehen sind. Interessant ist, dass sich die Künstlerin konsequent einem Thema widmet und praktisch durchwegs blonde Frauen von hinten zeigt.

 

Die Stadtansichten von Gottfried Salzmann wirken durch einen verblüffenden Raumeffekt, der durch eine mehrschichtige 3D-Konstruktion verschiedener Bildelemente hervorgerufen wird. Gezeigt werden die sechs Werke am Stand der Galerie-F aus Kranenburg.

 

Der japanische Künstler Naohiro Ninomiya fotografierte Details der Fassade der Strassburger Kathedrale und printete diese wieder auf das ursprüngliche Material, beschichteten Sandstein. Die Werke sind zu sehen am Stand der Galerie WITHoutARTgalerie, Strassburg.

Wer nicht nur an Fotografie, sondern auch an anderen Kunstrichtungen interessiert ist, kommt auf der Art Karlsruhe zusätzlich auf die Rechnung. In den Hallen sind Werke verschiedenster Kunstrichtungen aus einer Zeitspanne von über 120 Jahren zu sehen und die 20 Skulpturenplätzen vermitteln in den Hallen ein grosszügiges Raumangebot. Auch gibt es verschiedene Sonderschauen, darunter eine zum Thema Druckgrafik und eine zweite, welche der Kunstsammlung Peter C. Ruppert gewidmet ist. Monroe Pop Zudem vermitteln mehr als 190 One-Artist-Shows einen vertieften Einblick in das kreative Schaffen einzelner Künstler. Insgesamt sind die Werke von mehr als 1500 Künstlern auf der Art Karlsruhe zu sehen.

Text und Bilder: Urs Tillmanns

Weitere Infos:

Veranstaltungsdatum: Donnerstag 21. bis Sonntag 24. Februar 2019, Öffnungszeiten 11 bis 19 Uhr

Veranstaltungsort: Messe Karlsruhe, Messeallee 1, D-76287 Rheinstetten
Erreichbarkeit von Karlsruhe Hauptbahnhof:
Messe-Expressbus ab Hauptbahnhof (Fahrzeit ca 15 Minuten, Anzeige beachten).
Alternativen: Tramlinien Linie 3 oder 4 bis Europaplatz, Umstieg in Linie S2 (Richtung Rheinstetten).
Linie S41 oder Linie S4, Umstieg in Regionalbus 106
Mehr Informationen zur Anreise finden Sie hier

Weitere Informationen zur Art Karlsruhe

 

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