Urs Tillmanns, 26. Mai 2019, 09:45 Uhr

Umweltfotofestival »horizonte zingst« – Sorge zur Umwelt im Fokus

Gestern wurde das Umweltfotofestival »horizonte« in Zingst an der Ostsee feierlich eröffnet. Es ist eines der bedeutendsten Fotofestivals Europas, mit der Besonderheit, dass die Sorge zur Natur bei der Wahl der Fotografen und Ausstellungsthemen im Fokus steht. »horizonte zingst« wird heuer bereits zum 12. Mal durchgeführt und wird auch dieses Jahr wieder rund 42 Fotobegeisterte an die Ostsee locken, welche die Bilder von rund 100 Fotografen, 20 Ausstellungen und 150 Workshops in bleibender Erinnerung behalten werden.

 

Dieses Jahr ist die Schweiz Gastland (Fotointern berichtete). Fünf Fotografen wurden ausgewählt, welche mit ihrer Sicht auf die Welt und Eigenarten der Schweiz in Zingst vertreten sind, vier davon im Hotel «Vier Jahreszeiten» in der Gruppenausstellung «One World», Patrick Rohr mit einer Einzelausstellung in dessen Eingangshalle.

 

Die Gruppenausstellung «One World» ist jedes Jahr einer der Höhepunkte. Hier sind auch die Bilder der vier Schweizer Künstler zu finden: Patrick Rohr hat Japan zu seinem Thema gemacht. Er hat vor drei Jahren dieses Land intensiv bereist und dabei viele Eigenheiten dieses Landes fotografisch festgehalten. Die Reihe «Räume der Macht» von Luca Zanier führt uns in Konferenzräume von Grosskonzernen und politische Organisationen ebenso wie in das Mafia-Gefängnis von Neapel, während Didier Ruef mit «Homo Helveticus» unser Land mit liebevoller Ironie wiedergibt. Der Videokünstler Marck ist mit einer originellen Videoinstallation «RGB» vertreten. Die Gruppenausstellung ist bis 30. Juni 2019 zu sehen.

 

Unübersehbar ist die Einzelausstellung «Einmal um die Welt» des bekannten Schweizer Fotografen Beat Presser. Sie zeigt Themen, welche der Fotograf während vieler Jahre intensiv bearbeitet hat und sorgsam ausgewählt an den Säulen der Eingangshalle des Hotels «Vier Jahreszeiten» präsentiert. Die Einzelausstellung ist noch bis 15. September 2019 zu sehen.

 

Ein besonderer Höhepunkt des Umweltfotofestival »horizonte zingst« ist die Ausstellung von National Geographic «Vorsicht Plastik – die Vermüllung der Weltmeere» am Strand von Zingst. Sie mahnt uns eindrücklich daran, dass es Zeit ist umzudenken und das Leben in den Weltmeeren nicht länger jährlich mit etwa acht Millionen Tonnen Kunststoff zu belasten.

 

Nicht weniger eindrücklich ist die Bilderschau von Björn Vaughn «Schutzbedürftig – Orang Utans in Borneo» des BOS (Borneo Orang-Utan Survival Deutschland). Sie thematisiert die Rodungen des Regenwaldes und das Vordringen der sogenannten Zivilisation, welche die Lebensräume dieser vom Aussterben bedrohten Tiere aufs Massivste bedroht.

 

Der Fotograf Jimmy Nelson hat es sich mit «Homage to Humanity» zum Ziel gesetzt, Traditionen und Bräuche möglichst vieler indigener Volksgruppen in seinen Fotografien zu inszenieren, sie zu dokumentieren und ihnen damit ein Denkmal zu setzen. Die vom Magazin GEO präsentierte Ausstellung ist unter freiem Himmel noch bis Ende Januar 2020 zu sehen.

 

Die Ausstellung «Unequal Scenes – soziale Kontraste» von Johnny Miller ist in einem Stadtpark zu sehen. Miller hat die sozialen Missstände in Südafrika mit Hilfe einer Drohne aufgedeckt und zeigt aus der Luft die Spaltung der Gesellschaft in Blechhütten und Villen. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Bildredaktion des Magazins «stern».

 

Nirgends auf der Welt sind die Folgen der Erderwärmung beweisbarer als in den Polarregionen. Esther Horvath begleitete als Fotografin und Bildredakteurin die Forschungsarbeiten des Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven mit grösster Intensität und zeigt uns vor den Max Hünten-Haus aussagekräftigen Fotografien.

 

«Das sterbende Tote Meer» des Fotografen Moritz Küstner dokumentiert ein Ökosystem, das seit Jahren in Gefahr ist: Das Wasser des Toten Meeres zieht sich als Folge der menschlichen Eingriffe in den Wasserkreislauf immer weiter zurück und bewirkt so nicht nur ein Sterben der Natur, sondern auch zunehmend politische Gefahren im Nahostkonflikt. Moritz Küstner gewann mit dieser Arbeit eine Einzelausstellung beim Epson Digigraphie-Wettbewerb 2019.

 

Der japanische Naturfotograf Takehiko Sato gibt uns mit seiner Einzelausstellung «Seimei – Geheimnisvolle Welt – magische Natur» einen Einblick in die Welt der Kleinstlebewesen. Dazu gehören als seltene Motive kleinste Kreaturen wie Bakterien, die zur Familie der Amöben zählt, die weder Pflanzen noch Tiere noch Pilze sind. Sato findet solche Entdeckungen hochspannend, weil er bei ihnen so etwas wie den Ursprung des Lebens spürt. Takehiko Satos Arbeiten wurden dieses Jahr mit dem «Horizonte International Photo Award» ausgezeichnet.

 

Olympus ist seit Anbeginn einer der Hauptpartner der »horizonte zingst« und vielerorts mit ihren Aktivitäten zu finden – nicht zuletzt auch mit einem Kamera-Rentservice. Zum Umweltfestival wurde unter der Community der Olympus-Fotografen ein Wettbewerb zum Thema «Emotionen» durchgeführt, dessen Gewinnerbilder im Steigenberger Strandhotel zu sehen sind.

 

Kinder und Jugendliche lassen sich im Schulalter leicht für fotografische Aktivitäten begeistern. ,«Kids & Cameras» ist aus einem Projekt 8 bis 15 Jahriger des Schüler- und Jugendzentrums Zingst, der Freien Schule Prerow und des Regionalschulteils des Schulzentrums Barth entstanden und bearbeiten Themen der Natur, des Umweltschutzes und der Achtsamkeit.

 

Das Projekt «Last Paradies» hat Ekaterina Sevrouk in verschiedensten naturkundliche Museen und deren «toten Zoos», wie solche Sammlungen von Tieren heissen, realisiert, um eine Tierwelt in Erinnerung zu rufen, die als Folge des fortschreitenden Klimawandel und anderer Umstände bereits von unserer Erde verschwunden ist. Die Bilder sind in der Leica Galerie Zingst zu sehen, die hier das ganze Jahr hindurch Ausstellungen präsentiert.

 

Mit dem Bildern zu «Mensch und Umwelt» führt uns Lars Heidemann in die unmittelbare Umgebung auf die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Er zeigt uns Menschen, die sich in besonderer Weise mit dem Thema Umwelt beschäftigen – oft kleine Dinge, die den behutsamen Umgang mit der Welt widerspiegeln.

 

In der Peter-und-Paul-Kirche werden die prämierten Bilder des «UNICEF-Fotowettbewerbs» gezeigt, mit Themen im Leben von Kindern: Klimawandel, Krieg, Ausbeutung, Trauer, Freundschaft oder schlicht die Sehnsucht nach einer Kindheit. «Die Bilder halten eindrücklich, symbolisch oder faszinierend die Geschichten hinter den Fotos fest und bringen sie dem Betrachter nahe», erklärt der Vorsitzende der Jury, Prof. Klaus Honnef.

 

«In der Fotografie ist Haltung unabdingbar» ist der Kernsatz der Ausstellung des BFF-Förderpreises 2019 (Berufsverband Freier Fotografen und Filmgestalter e. V.). «Die Kamera selbst ist passiv und kann nur widergeben, was der Fotografierenden wahrnimmt. Der journalistische Blick verlangt nach Neutralität, der kommerzielle Blick nach Kreativität – und beide fordern eine bewusste Haltung» wird der Slogan erklärt. «Diese ist für die professionelle Fotografie heute wichtiger denn je. Wer mit seiner Arbeit die eigene Haltung transportiert, gewinnt nicht nur an Profil, sondern auch an Charakter. Gute Fotografie erzeugt immer eine Resonanz. Sie überrascht, sie inspiriert, sie schmerzt. Sie bringt den Betrachtenden im besten Fall dazu, die eigene Haltung zu überdenken». Die Bilder des BFF-Förderpreises sind in der «Panzerhalle» zu sehen.

 

In der Eröffnungswoche bis 2. Juni 2019 treffen sich die Fotobegeisterten jeweils zu nächtlicher Stunde, um am Strand den Projektionen und geselligem Treiben beizuwohnen. Darüber hinaus bieten die »horizonte zingst« ein vielfältiges Programm an Workshops bis in den Herbst hinein. Viele der Ausstellungen sind auch dann noch zu sehen, und die prachtvolle und schützenswerte Landschaft der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern bietet zu jeder Jahreszeit ein Vielfalt von Motiven.

Text und Bilder: Urs Tillmanns

Umweltfotofestival »horizonte zingst«

100 Fotografen / 20 Ausstellungen / 150 Workshops / 42’000 Besucher pro Jahr

Ort: Zingst, Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Datum: 25. Mai bis 30. Juni 2019 (Eröffnungswoche bis 2. Juni 2019)

Weitere Informationen über das Umweltfotofestival »horizonte zingst« finden Sie unter www.horizonte-zingst.de

 

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