Urs Tillmanns, 22. September 2019, 10:00 Uhr

Nathalie Daoust – China Dolls

Die kanadische Fotografin Nathalie Daoust verspürte von jeher den Drang, Dingen auf den Grund zu gehen und die Realität artistisch zu verfremden. Dazu verwendet sie bei jedem Projekt andere Techniken, sei es bei der Aufnahme, hinterher im Labor oder bei der Bildbearbeitung.

 

Anlässlich einer Künstlerresidenz in China realisierte Nathalie Daoust zwei verschiedenartige Porträtreihen, die sie später auf Keramikkacheln übertrug, um damit den Fussboden und die Wände des Standes der Ilex Gallery auf der Paris Art Fair 2019 zu gestalten

Seit 1997 hat Daoust faszinierende Projekte realisiert, zum Beispiel die Themenzimmer des Carlton Arms Hotel in New York, woraus ihr erstes Buch «New York Hotel Story» entstand, dann die Serie über Liebeshotels in Tokio oder eines Bordells in Brasilien bis hin zu verschneiten Landschaften in den Schweizer Alpen. Was Sie an diesen Themen fasziniert, ist nicht das Abbild der Wirklichkeit, sondern die künstlerische Verfremdung davon, die Umsetzung ihrer Bilder in einen völlig neuen und eigenständigen Stil.

 

Mit Light Painting setzte Nathalie Daoust bei ihren Porträts Lichtakzente

Vor rund zehn Jahren hat sie ihre Liebe zur chinesischen Kultur entdeckt. Sie wurde von der Red Gate Gallery nach Peking zu einem Studienaufenthalt eingeladen und verliebte sich in dieses fremdländische Brauchtum und ihre Menschen. Seither nutzt sie jede Gelegenheit, um nach China zu reisen, und sie hat dort viele Monate verbracht, um Land und Leute besser kennenzulernen.

Je besser sie China kannte, desto stärker interessierte sie sich für die Rolle der Frauen in der Gesellschaft Chinas. Anders als in der westlichen Kultur, waren sich die Frauen Chinas während Generationen gewohnt, sich gesellschaftlich unterzuordnen, und erst eine jüngere Generation kämpfte mit allmählichem Erfolg gegen diesen Missstand. Erschwerend, und beeindruckend für Nathalie Daoust, kam die damalige Ein-Kind-Politik hinzu, und die Tatsache, dass die Gesellschaft lieber Jungen als Mädchen sah und dass viele Mütter benachteiligt wurden, wenn sie Mädchen zur Welt brachten.

Die heranwachsende Generation junger Frauen und ihr Kampf in der modernen Welt machte Nathalie zu ihrem fotografischen Thema. Um die Frauen unabgelenkt und einzeln fotografieren zu können, wählte sie einen engen mannsgrossen Raum, wo sich die Frauen alleine ins Dunkle setzen konnten, um ihren Gedanken nachzugehen. Mit der Technik des Light Paintings gestaltete Nathalie ihre Porträts, fertigte davon Schwarzweissprints an, kolorierte diese und übertrug die Bilder auf mehr als 200 Keramikkacheln.

Mit der einen Serie wollte Nathalie den Fussboden auskleiden, während sie die andere als grossformatige Bilder an den Wänden anbrachte. Daoust provozierte die Leute über die Bilder auf dem Fussboden zu gehen, um damit die schwierige Situation der Frauen in China und ihre Zukunftsaussichten ins Bewusstsein der Betrachter zu rufen. Nathalie verfolgte mit Spannung die Art und Weise, wie die Leute die Kacheln betraten. «Ich habe die Kacheln zuvor schon während eines halben Jahres bei mir im Studio installiert, um zu sehen, wie unterschiedlich die Leute auf die Porträts am Boden reagierten. Die Einen haben behutsam versucht, möglichst nicht auf die Gesichter zu treten, andere schauten nicht einmal hin und gingen achtlos über die Kacheln.» Das war auch nicht anders, als die Bilder erstmals als Installation am Stand der Ilex Gallery (Italien) auf der Paris Art Fair 2019 gezeigt und von den Besucher stark beachtet wurden.

Nathalie Daoust will mit diesen eindrucksvollen Porträtreihen den Frauen in China ihre Ehre erweisen, die zu lange im Schatten der Gesellschaft gestanden sind.

 

Mehr über Nathalie Daoust und ihre kreativen Bildserien finden Sie auf der Webseite http://daoustnathalie.com/

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