Urs Tillmanns, 5. März 2021, 16:00 Uhr

PhotoKlassik II.2021: Eine starke Nummer

Das Jahr läuft – die Vierteljahres-Zeitschrift PhotoKlassik bringt bereits das zweite Heft und überrascht mit vielen spannenden Beiträgen zur analogen Fotografie. Neben aktuellen Meldungen zu Neuheiten und interessanten Produkten präsentiert das neueste Heft mehrere beeindruckende Portfolios, gibt Retrospektiven auf legendäre Kameras und Zubehöre und vermittelt praktische Tipps und Anleitungen zu nützlichen Arbeitstechniken.

In seiner Einleitung stellt Herausgeber Wolfang Heinen einige beeindruckende aktuelle Zahlen zum Fotoboom in den Raum: So werden heute mehr als 70’000 Aufnahmen pro Sekunde (!) geschlossen– letztes Jahr waren es fast zwei Billionen Fotos; eine Zahl, die sich bis in drei Jahren wieder verdoppeln soll. Heinen mahnt berechtigt zur Reduktion auf, zum überlegteren Fotografieren, was mit zur Philosophie der Fotografie mit Film gehört.

 

Einige Highlights der aktuellen Ausgabe

 

Das erste Portfolio im Heft zeigt Werke des bekannten Berliner Fotografen Sven Marquardt, der sich dem Thema «Musicians» widmet. Es ist der Hinweis auf den Ausstellungskatalog «PACK», der in der Galerie Deschler, Berlin, https://www.deschler-berlin.de/publications/1295/sven-marquardt-pack/ erschienen ist und eine Fülle von Musiker-Porträts umfasst.

 

Eine Stärke von PhotoKlassik ist die Vorstellung legendärer Kameras – diesmal die Minox 8×11 des Konstrukteurs Walter Zapp (1905-2003), der seine letzten Lebensjahre in der Ostschweiz verbrachte. Als handgrosse Miniaturkamera konzipiert, wurde sie immer wieder für spektakuläre Spionageaufgaben eingesetzt und war Star in unzähligen Abenteuerfilmen.

 

Das pure Gegenteil waren die Kameras von Graflex, welche in einem weiteren interessanten Beitrag beleuchtet werden. Der amerikanische Hersteller war vor rund 100 Jahren auf Spiegelreflexkameras im Grossformat, vorwiegend für das Plattenformat 5×7″ (13×18 cm) und später 4×5″ (10×12,5 cm), spezialisiert, die von vielen Sport- und Aktualitätsfotografen wegen der Qualität grosser Negative bevorzugt wurden.

 

Markus Thoma beginnt in diesem Heft eine neue Serie über «Alte Scherben, neuer Look». Viele nicht mehr gebrauchte Objektive liegen in Schubladen und Schachteln, dabei wären sie für interessante Bildeffekte in der experimentellen Fotografie durchaus sinnvoll einsetzbar. Er stellt in seinem Artikel den Klassiker Helios 44-2 2,0/58 mm vor und gibt Tipps, wie man damit stimmungsvolle Porträts macht.

 

Zum gleichen Thema gehört der Praxisreport von Guido Krebs zum Pentax Takumar 1:2,4/105 mm für die Pentax 6×7 cm, ein klassisches Porträtobjektiv, das während Jahrzehnten wegen seines besonders schönen Bokeh bevorzugt wurde.

 

Die Reportage «Sido auf Film» von Murat Asian mutet wenig klassisch an, gibt jedoch einen Einblick in spannende Backstage-Szenen des Rappers Sido, welche Murat Asian mit zwei analogen Leica-M Kameras mit Kodak Portra auf einer Tournee begleitet und fotografiert hat.  

 

Das Thema «Hochzeitsfotografie» darf im Frühlingsheft nicht fehlen. Der Beitrag «Analoge Emotionen» erklärt was man beachten muss, wenn man Hochzeits-Reportagen mit Film macht. Welche Kameras sind besonders geeignet, und was muss man dazu mitnehmen? Gut vorbereiten ist wichtig, denn man kann die Bilder nicht wiederholen.

 

Die Rubrik «Film & Dunkelkammer» wartet in jedem Heft von PhotoKlassik mit interessanten Beiträgen für jene auf, die in ihrem Heimlabor gerne mit interessanten Effekten experimentieren und wertvolle Unikate herstellen. Heute ist der 4-farbige Gummidruck an der Reihe, ein aufwändiges Edeldruck-Verfahren, das an den Pikorialismus erinnert und auch heutige Fotos originell zur Geltung bringt. Die Anleitung dazu und viele Tipps gibt der Autos Torsten Grüne.

 

Christoph Jehle stellt in seinem Artikel die älteste noch bestehende Fotomarke vor – Adox. 1860 von Carl Schleussner gegründet hat die Film- und Kamerafabrik eine bewegte Vergangenheit hinter sich, welche der Autor mit vielen sorgfältig recherchierten und wenig bekannten Tatsachen durchwandert.

 

Nach viel Technik und Praxis beruhigt das Portfolio «Abbildung und Bild» des Porträtisten Lothar Wolleh, mit dem er sich an der Grenze zur Abstraktion bewegt. Lothar Wolleh sagt zu seinen Bildern: «Ein Bild ist nur schön, wenn es überhaupt nicht an ein Bild erinnert: Sonst ist es eine Abbildung». Interessant …

 

 

Mit dem Thema der Archivierung befassen sich gleich zwei sehr lesenswerte Beiträge, einmal die Vorstellung des digitalen Service von Cewe zur Digitalisierung von analogem Film- und Bildmaterial, dann aber auch der Artikel «Negative zu Haus archivieren», im welchem Tomas Gade viele wichtige Hinweise zur Aufbewahrung von Filmen und Prints gibt. Man kann dabei nicht vorsichtig genug sein, wenn die analogen Schätze weiterhin Bestand haben sollen.

 

Schlusspunkt setzt das Portfolio «Im Augenblick» zu dem Arbeiten von Mathias Benninghofen. Der Editor einer Digitalagentur hat die analoge Fotografie für sich entdeckt und erklärt in einem spannenden Interview seine Vorlieben und Arbeitsweisen.

Urs Tillmanns

 

Der Inhalt

Kameras & Objektive
Kultkamera: Minox 8×11
Empfehlung für Einsteiger: Pouva Start
Imago: Die einzigartige begehbare Großbildkamera
Kamerageschichte(n): Graflex – Spiegelreflexkameras für Planfilme
Meine erste Kamera: HG Esch
Neue Objektiv-Serie: Alte Scherben, neuer Look
Bokeh-Legende: Pentax Takumar 105mm 1:2,4 für Pentax 6×7

Aufnahme & Belichtung
Analoge Hochzeitsfotografie:
Den Profis über die Schulter geschaut
Kleine Begleiter: Handbelichtungsmesser

Film & Dunkelkammer
Edeldruckverfahren: 4-farbiger Gummidruck
Experimentelle Kreativfilme
Emulsionslift mit Polaroids

Markt & Wirtschaft
160 Jahre Adox

Präsentation & Archivierung
Cewe myPhotos: Neuer digitaler Service für Fans von analogen KB-Filmen
Filme zu Hause richtig archivieren

Kultur & Portfolio
Sven Marquardt: Musicians
Murat Aslan: Sido auf Film
Lothar Wolleh: Abbildung und Bild
Mathias Benninghoven: Im Augenblick
Fundstücke – Randnotizen zur Foto-Kunst 94

Editorial
Augenblick
Magazin
Mitarbeiter / Impressum

PhotoKlassik erscheint vierteljährlich, umfasst 98 Seiten und erscheint im Verlag der IMH Imaging Media House GmbH & Co. KG. Das Magazin ist sowohl bei Ars-Imago in Zürich erhältlich als auch bei Fotomedia in Jegenstorf. Das Heft kostet CHF 18.90 zuzüglich Versandspesen.

 

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