Urs Tillmanns, 4. März 2017, 12:00 Uhr

Business Forum Imaging Cologne 2017: Trendkongress mit vorsichtig positiven Prognosen

Der bereits zum achten Mal durchgeführte Photokina Trendkongress hat am letzten Mittwoch und Donnerstag, 1. und 2. März 2017, eine vorsichtig positive Prognose für die Fotobranche im Jahr 2017 aufgezeichnet. Neben den generellen Betrachtungen zur Branchenentwicklung waren interessante technische und kommerzielle Expertenvorträge zu hören.

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Betrachtungen zur Zukunft der Foto- und Imagingbranche war das Thema des ersten Tages, mit Ausführungen darüber, welche neuen Produkte sich am besten verkaufen würden, wie ein Start-up die Wertschöpfung im Kamerageschäft neu definiert, welche Apps bei der Zielgruppe gut ankommen und wie man Kunden für den Fotodruck begeistert.

 

Gespannt warteten die rund 200 Zuhörer auf die Zahlen zur Branchenentwicklung, präsentiert von Heribert Tippenhauer, Global Director, Photo, Office and Stationery von GfK. Der Rückgang im Imagingbereich dürfte sich etwas verlangsamen, doch sieht GfK die wertmässige Entwicklung für 2017 noch nicht im positiven Bereich: Acton-Cams werden 2% einbüssen, Systemkameras (DSLR und CSC) sollen um weitere 9% zurückgehen und Tablets gar um 11%. Im positiven Bereich liegend die Smartphones mit allerdings nur noch mit einem Prozent Umsatzzuwachs und die 4K-TV-Geräte, als Treiber des CE-Marktes, prognostiziert GfK mit einer Zunahme von 27%. Tippenhauser erwartet für 2017 kein «grosses Ding», wohl aber spannende Entwicklungen im Bereich der Vernetzungen.

 

Ein positives Bild hingegen konnte Dr. Christian Friege von Cewe  mit seinem Referat «Mein Freund WhatsApp» aufzeigen. Er blättette zurück ins Jahr 1912 und der Gründung des Unternehmens durch Carl und Helene Wöltja und leitete dann über in die Verlagerung des Geschäftsfeldes des Fotofinishings in den 1960er Jahren. Danach folgte ein Ausbau der Produktion mit europaweit 24 Fotolaboren bis 2002, die sich mit der aufkommenden Digitalkameras und dem Trend zu den Fotobüchern neu orientierten. Der seit 2010 anhaltende Trend zur Smartphone-Fotografie bewog Cewe zu neuen technologischen Lösungen und neuen Produkten, die besonders auf die Smartphone-User und die zunehmende Anzahl verschiedenster Apps, welche die Kamera nutzen, sowie auf die Social Media-Kanäle ausgelegt sind.

 

Ein neues Dienstleistungskonzept im Bereich der Digitalkameras zeigte Sergey Korzhenevich, Mitgründer und CEO von Relonch, Inc. auf. Im «Überleben im Zeitalter der Smartphone-Fotografie» bietet das in New York City gegründete Start-up Unternehmen Relonch den Kunden vernetzte Kameras leihweise und kostenlos als Dienstleistung an, optimiert die Bilder mit speziellen Software-Algorithmen und verlangt einen Dollar pro Bild, welches der Kunde behalten will. Das gesamte System stellt nicht die Technik in den Mittelpunkt, sondern es sollen Bildergebnisse erzielt werden, die ohne fototechnisches Knowhow wie professionelle Fotos aussehen.

 

Alberto Spinelli, Director Digital Service Business von Canon Europe ging in seinem Vortrag «Die Canon Strategie für ein Ökosystem digitaler Dienstleistungen» auf die Problematik der Speicherlösungen von angenommenen 350 Milliarden Fotos ein, die mutmasslich 2017 aufgenommen und sowohl sicher als auch wiederauffindbar gespeichert werden müssen. Ob die Kunden den verschiedenen Cloud-Lösungen vertrauen, wissend, dass die Originalgrösse der Dateien oft reduziert wird? Canon ist sich dieses Problems und dem Trend hin zur Smartphone-Fotografie auch deshalb bewusst, weil der Kamerahersteller auch Drucksysteme für Fotobücher und ähnliche Dienstleistungen anbietet. In seinem Vortrag ging Alberto Spinelli auf die Lösungen der Speicher- und Übermittlungsprobleme durch Lifecake und Irista ein, welche zum Canon-Dienstleistungsangebot gehören. Im Konzept enthalten sind auch personalisierte Bildprodukte und das Ziel von Canon mit neuen Kundenerfahrungen die Fotografie als Teil der digitalen vernetzten Gesellschaft zu positionieren.

 

Es gehört zur Tradition des BFI, dass Hans Hartman, Präsident von Suite 48 Analytics, innovative Foto- und Video-Apps präsentiert, bzw. von den entsprechenden Programmentwicklern präsentieren lässt. Dieses Jahr wurden die Übermittlungs-App «Happic», die Objektentfernungs-App «TouchRetouch», «PhotoLab» mit über 100 Bildeffekten, «Vukee» für einfache Fotobuchgestaltung, «Streetography» Fotos in Land- und Quartierkarten anschauen, «Livecake» für die Bilderverwaltung und schliesslich «Lalalab» als schnelle Printing-App für Fotobücher und Postkarten vorgestellt.

 

Mit dem globalen Konzept der «Wonder Photo Shops» hat Fujifilm neuartige Verkaufspunkte geschaffen, die auf die junge Generation von Smartphone-User ausgerichtet sind, die ihre Kreativität mit digitalen Bildern und Instax-Prints ausdrücken. Basierend auf den Erfahrungen mit dem Wonder Photo Shop Flagship-Store in Barcelona zeigte Eduardo López (Regionaldirektor Fujifilm España/Portugal, wie es gelingt, jungen Konsumenten im Einzelhandel attraktive Kundenerlebnisse zu bieten, indem sie mit vernetzten Druckstationen und den eigenen Händen individuelle Bildprodukte vor Ort anfertigen können.

 

Wie sich die Kunden mit ihren Bildern beschäftigen und wie sie diese wahrnehmen, zeigt Hans Hartman, Präsident von Suite 48 Analytics. Als Lösung gegen den «digitalen Schuhkarton» erklärte er neue Technologien mit künstlicher Intelligenz und anderen Innovationen, die es möglich machen, Bilder auf einfache Weise wieder zu entdecken und in digitale und physische Fotogeschichten zu personalisierten Foto- und Druckprodukte beschäftigen, und zeigt die Chancen auf, von denen alle Beteiligten profitieren können: App-Entwickler, soziale Netzwerke, Kamerahersteller, Cloud-Dienste, Bilddienstleister und Fotohändler.

 

«Mit der Popularität der Smartphones und Fotoapps begeistern sich immer mehr Menschen für die Fotografie, und damit nimmt auch die Faszination gedruckter Bilder wieder zu» ist Ralph Naruhn, CEO von di support überzeugt, die auf personalisierte Foto- und Druckprodukte spezialisiert ist. Um das Ziel, einen nachhaltigen Massenmarkt zu schaffen, muss der Zugang zu Printdienstleistungen weiter vereinfacht werden. Ziel des Vortrags war, die Schritte aufzuzeigen, die notwendig sind, um das Drucken von Fotos genau so einfach zu machen wie das Teilen. Zudem wurde aufgezeigt, was einzelne Anbieter dazu beitragen können und wo die Zusammenarbeit der ganzen Branche gefragt ist. Weiter zeigte Ralph Naruhn mit dem Cloud Print Hub eine innovative offene Plattform, die es den Kunden einfach macht, Prints und Bildprodukte von praktisch allen Anbietern zu bestellen.

 

Der zweite Tag war schwerpunktmässig auf Fragen der Praxis und Dienstleistung im Fotohandel ausgerichtet. Dabei standen Themen des Online-Marketings und Retail 4.0 im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung der gesamten Imaging-Branche im Vordergrund.

«Auch wenn es weh tut – verlassen Sie die Komfortzone» war der allessagende Titel des Referats von Peter Holzer, der als Unternehmensberater eindrücklich darauf hinwies, dass Veränderungen gerade in der Imagingbranche notwendig und manchmal eben auch schmerzhaft sind. Die Gefahr sei gross, dass man in tradtionellen Geschäftsmodellen verharre und dabei die Chancen der neuen Technologien nicht rechtzeitig erkennen würde. Wer jedoch diese als Chance nutzen und Potenziale entfalten will, so die These von Peter Holzer, muss seine Komfortzone zwangsläufig verlassen und bekannte Grenzen überschreiten.

 

Jörg Schamuhn, COO von Yuneec Europe referierte einen Wachstumsmarkt, der in den nächsten Jahren steil nach oben gehen wird – im wahrsten Sinne des Worts. Mit «Mehr Wertschöpfung mit Multikoptern» zeigte der Referent auf, wo sich heute und in naher Zukunft interessante Einsatzbereiche für Multikopter öffnen werden, vor allem in der Überwachung, Rettung, Inspektion oder Güterzustellung aber auch im Bereich des Digital Imaging für Aufnahmen Gebäuden, Landschaften und geografischen Einsätzen. Er rechnet damit, dass weltweit bis 2020 zwanzig und bis 2024 gar 90 Millionen Multikopter in Markt sind, von denen 90 Prozent mit Kameras ausgestattet sein werden. Damit wachsen auch die Sicherheitsbedenken, denn es brauche nicht nur gesetzliche Bestimmungen, sondern auch Systeme der Flugsicherung (ADS-B) zur Kollisionsverhütung.

 

Helena Babic, Marketingleiterin von Kodak Alaris hat das Thema «Retail 4.0 und der Fotodruck im Einzelhandel» ausgewählt, um über unser künftiges Konsumverhalten zu sprechen – eine Zukunft, die bereits begonnen hat. Neben den bereits gängigen Einkaufsmöglichkeiten im Internet, dürfte das Erlebnis des Shoppings wieder dort vom Kunden gesucht werden, wo ihm Besonderes geboten wird, sowohl angebotsmässig als auch vor allem emotional. Allerdings werden uns raffinierte Erkenntnisse unseres bisherigen Kaufverhaltens künftig Kaufvorschläge unterbreiten, bevor wir die entsprechenden Bedürfnisse geäussert haben – «predictive retail» lautet das Stichwort.

 

Ross Grieve arbeitet heute erfolgreicher Werbe- und Peoplefotograf in Neuseeland heute nicht mehr mit einer grossen Spiegelreflexkamera, sondern mit einer spiegellosen Lumix GH5. «Grosse Bilder – kleine Kamera» hiess denn auch sein Vortrag, mit welchem er die Zuschauer mit eindrucksvollen Bildern in seine Arbeitswelt einführte – für Kunden wie Waldorf Astoria, Mercedes Benz, RSA oder Hilton. Mit der 4K-Video- und 6K-Fotoqualität und einer wesentlich kompakteren Ausrüstung hat sich seine Arbeitsweise völlig gewandelt.

 

Die Tatsache, dass sich heute mehr als 93% aller Kunden vor einer Kaufentscheidung im Internet informieren ist für André Hunziker, Gründer und Inhaber der Marketingagentur PNA International nicht neu. Er macht sich dies vielmehr zunutze und erklärt in seinem Referat «Online Marketing 4.0 – Wie Sie automatisch neue Kunden gewinnen» welche Marketingstrategien er seit der Gründung 2011 seiner PNA International angewandt und ständig weiterentwickelt hat, um mehr als 4’000 Kunden den Aufbau eines eigenen automatisierten Online Vertrieb 4.0 Komplettsystems zu ermöglichen. Sein Vortrag zeigte aber auch, welche grundsätzlichen Fehler dabei unbedingt vermieden werden müssen, welche Komponenten solche Systeme beinhalten und wie diese Prozesse nahezu vollautomatisiert Umsätze einfahren können – und zwar mit relativ geringem finanziellen und personellen Einsatz.

 

Eigentlich hätte Djawad Khorosh, Marketingleiter von Imaging Solutions AG, zum Abschluss zum Thema «Geld verdienen mit den richtigen Print-Angeboten» referieren sollen. Da er verhindert war, sprang kurzerhand CEO Rainer Bauer für ihn ein und zeigte auf welche Lösungen und Grossfinishing-Geräte das Schweizer Unternehmen im Angebot hat, um nicht nur trendige Produkte, wie Lay-flat-Fotobücher und neuerdings Alben für Instaxbilder produzieren zu können, sondern «damit auch Dienstleistungen die Wertschöpfung dort steigern zu können und wo die wichtigsten Potentiale für die Zukunft liegen».

Mit dem Motto «Moving beyond the limits» hat das Business Forum Imaging Cologne 2017 gezeigt, welche Wege und Mittel es braucht um die traditionellen Grenzen des Foto- und Imagingmarktes am zu überschreiten und eine neue Zukunft in Angriff zu nehmen. Eine Zukunft übrigens, die nicht nur die Imagingbranche vor eine grosse Herausforderung stellt, sondern unzählige andere Bereiche, die gleichermassen im Wandel von angestammten Handelsformen zu neuen Retailtrends stehen.

Der Zeitpunkt des nächsten Business Forum Imaging 2018 steht derzeit noch nicht fest, doch dürfte dieser auf Grund der bereits fixierten CP+ in Japan (1. bis 5. März 2018) voraussichtlich in der zweiten Februarhälfte 2018 stattfinden.

 

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