Urs Tillmanns, 30. März 2017, 16:36 Uhr

René Groebli: «Magie der Schiene» im Kornhausforum Bern

René Groebli ist vor allem für seine farbfotografischen Experimente bekannt. In letzter Zeit gewinnen seine frühen Schwarzweissarbeiten wieder an Popularität, vor allem sein fotopoetisches Werk «Auge der Liebe», aber auch seine früheste bekannte Schwarzweissserie, die 1949 auf dem Führerstand einer Express-Dampflokomotive von Paris nach Basel entstand. «Magie der Schiene» erlebt nun ein Revival in Form einer Ausstellung, die noch bis 6. Mai 2017 im Kornhausforum in Bern zu sehen ist. Zur Ausstellung ist ein Buch erschienen.

 

Was 1949 als fotografisches Abenteuer des jungen Groebli begann, wurde gestern Mittwoch, 29. März 2017 als beeindruckende Ausstellung im Kornhausforum in Bern eröffnet. «Magie der Schiene» ist eines seiner Frühwerke, das eine Reise auf dem Führerstand einer Express-Dampflokomotive von Paris nach Basel zum Thema hat. Das war damals so ungewöhnlich wie heute. Ungewöhnlich, dass man auf die Idee kam auf dem offenen Führerstand einer Dampflokomotive mitfahren zu wollen, ungewöhnlich dort zu fotografieren – und ungewöhnlich waren letztlich auch die Bilder: unscharf, verwischt, bewegt, mit hohen Kontrasten – aber beseelt von einer ganz besonderen Bildersprache: der Dynamik der Bewegung, was damals viele wohl nicht verstanden haben.

 

René Groebli in der Ausstellung im Kornhausforum Bern (Foto: Urs Tillmanns)

René Groebli stellte damals mit den 14 besten Bildern eine kleine Bildermappe zusammen und liess diese als Kleinserie in einem befreundeten Betrieb drucken – sein erstes Buch! Das Büchlein von 1949 war ein Flop. Nur wenige Freunde, die eines vorbestellt hatten, haben es wohl gekauft, wohl um René eine Freude zu machen – heute kostet ein Exemplar dieses raren Druckes einige hundert Franken. Für René und seine Fotografie war es ein erster grosser Meilenstein.

 

Foto: René Groebli «Magie der Schiene», 1949

Die «Bewegung im Bild» war Teil seines Themas und ebenso charakteristisch für die rasende Expresslokomotive wie für die Bildvorstellung des Romantikers René Groebli. Die Fotos halten nicht nur die Eisenbahn und das Erlebnis auf dem Führerstand fest, sondern noch viel mehr die Gefühle und Empfindungen des jungen Fotografen, der etwas unvergessliches erleben durfte, um es uns nun nach fast sieben Jahrzehnten weiterzugeben. Die Bilder haben dabei noch an ihrer Aussagekraft und Dynamik gewonnen und bringen uns einerseits ein längst vergangenes persönliches Erlebnis näher, anderseits sind sie stimmungsvolle Zeugnisse einer Eisenbahnzeit, die ebenso Vergangenheit ist. Und darin liegt ein weiterer Charme dieser Bilder.

 

Foto: René Groebli «Magie der Schiene», 1949

Übrigens sind nicht alle der ausgestellten Bilder auf jener Fahrt mit der Expresslok entstanden, sondern nur rund ein Viertel davon. Viele der Eisenbahn- und Bahnhofsmotiven hat Groebli damals in den Bahnhöfen von Paris fotografiert, um damit das Thema mit dem gleichen romantischen Bildstil abzurunden.

 

Foto: René Groebli «Magie der Schiene», 1949

René Groebli hat für diese Ausstellung sein Thema «Magie der Schiene» neu aufgegleist, hat die rund 360 Originalnegative nochmals durchgeschaut und neben den bekannten Ikonen eine neue Auswahl getroffen. Dabei sind viele Werke zum Vorschein gekommen, die das Thema auf eine breitere Basis stellen und die damalige Geschichte in einem grösseren Rahmen neu darstellen.

 

Zur Ausstellung ist übrigens im Verlag Sturm & Drang, Zürich das Buch «Magie der Schiene» zur Ausstellung mit ca 160 Seiten Seiten erschienen. Es zeigt die Bilder in einem hervorragenden Triplex-Druck und führt mit einem deutschen und englischen Text von René Schlachter ins Thema ein. Das Buch kostet CHF 48.– und ist im Buchhandel (ISBN 978-3-906822-10-5), beim Verlag Sturm & Drang oder bei René Groebli selbst bestellbar.

Urs Tillmanns

Die Ausstellung im Kornhausform Bern dauert noch bis 6. Mai 2017. Weitere Infos: www.kornhausforum.ch

 

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