Urs Tillmanns, 2. März 2019, 10:33 Uhr

Buchtipp: Beat Jost «Dinge – Häuser – Menschen»

Dinge, Häuser, Menschen – das waren die häufigsten Motive eines Werbefotografen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und daran hat sich bis heute eigentlich wenig geändert. Nur die Mittel sind andere geworden, und die Ansprüche an das Bild. Und die Möglichkeiten, welche die heutige Digitaltechnik bietet. Damals war die Fachkamera 4×5 Inch das wichtigste Werkzeug des Werbefotografen, weil man damit beispielsweise bei der Gebäudefotografie die stürzenden Linien geradestellen und die Perspektive korrigieren konnte und das 10 mal 12 Zentimeter grosse Format eine optimale Bildqualität versprach. Früher musste eine Szene im Atelier peinlich genau arrangiert werden, weil es keinen Photoshop gab, mit dem man hinterher alles, was nicht stimmte, korrigieren konnte. Und man musste stunden- oder tagelang warten, bis die Dias aus der Entwicklung kamen und man sicher war, dass das Bild exakt dem entsprach, was der Kunde wollte.

Ob die Bilder mit all den Möglichkeiten der Digitalfotografie besser geworden sind? Sie sind anders geworden. Kunden und Werbeagenturen haben andere Ansprüche an das Bild. Es sind heute Dinge mit einfachen Mitteln möglich, die im analogen Zeitalter nicht oder nur mit einem gigantischen Aufwand realisierbar waren.

Das Buch «Beat Jost, Atelier für Werbefotografie, 1962 – 2002» und die Ausstellung im Kunsthaus Langenthal dokumentieren die Werbefotografie jener vier Jahrzehnte vor der digitalen Wende und beleuchten das Schaffen eines der renommiertesten Schweizer Fotografen jener Zeit. Beat Jost gehörte zu jenen Grössen, die nicht nur ihr Handwerk perfekt beherrschten, sondern bei denen die Kunden wussten, dass ihre Vorstellung kompromisslos in ein aussagestarkes, qualitativ hochwertiges Bild umgesetzt wurde.

Diese letzten vier Jahrzehnte der analogen Fotografie dokumentiert dieses Buch. Es zeigt die Vielfältigkeit des Fotografenberufes, es führt uns die präzise Lichtführung eines versierten Studiofotografen vor Augen und es zeigt uns, wie sich der Anspruch an das Bild in dieser Zeit bis heute gewandelt hat. Gleichzeitig erzählen uns die Texte von Marc Herren und Markus Schürpf die spannende und aufschlussreiche Biografie von Beat Jost, und Raffael Dörig versetzt uns in die Stimmung jener Jahre der Hippiezeit und der Compact-Kassetten zurück, welche das Schaffen von Beat Jost prägten …

Ob es die Buchkäufer stört, dass das Buch in einer etwas saloppen Aufmachung daher kommt, mit einfachen Graukartondeckeln, ohne Vorsatz und Titelei, mit modischer Offenbindung und sichtbaren Heftklammern? Obwohl diese Art dem aktuellen Trend in der Buchgestaltung entspricht, widerspricht sie etwas dem hohen ästhetischen Anspruch, welcher Beat Jost immer an sein Bildwerk gestellt hatte.

Für wen ist dieses Buch? Es ist einmal eine bleibende Erinnerung an die Ausstellung, welche anfangs April wieder abgehängt werden wird. Es ist aber auch eine wichtige Dokumentation zum verdienstvollen Werk von Beat Jost, die sich viele seiner Freunde, Fotografenkollegen und einstige Auftraggeber wohl kaum entgehen lassen wollen.

Urs Tillmanns

 

Buchbeschreibung des Verlages

Beat Jost Dinge, Häuser, Menschen – Beat Josts Atelier für Werbefotografie 1962-2002

Die Publikation erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Kunsthaus Langenthal vom 7. Februar – 7. April 2019

Mit zahlreichen farbigen und schwarz-weissen Abbildungen sowie Texten von Raffael Dörig, Marc Herren und Markus Schürpf.

 

Der Inhalt

Dinge
Biografischer Text «Beat Jost – Atelier für Werbefotografie , Bern» von Marc Herren und Markus Schürpf

 

Häuser
(Textfortsetzung)

 

Menschen
«Vom Campingstuhl zur Traumküche. Ein Blick auf eine vergangene Schweiz durch Beat Josts Fotografien» von Raffael Dörig

 

Bibliografie

Beat Jost «Dinge – Häuser – Menschen»

90 Seiten, Format 323 x 297 mm
Offenbindung, durchgeheftet
Texte von Raffael Dörig, Marc Herren und Markus Schürpf
Kunsthaus Langenthal / Fotobüro Bern
ISBN 978-3-906948-01-0
Preis: CHF 25.00

Das Buch kann bestellt werden beim

Kunsthaus Langenthal
Marktgasse 13
CH-4900 Langenthal
Tel. 062 922 60 55

 

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