Gastautor/-in, 17. Februar 2018, 10:58 Uhr

Mit der Sony Alpha 7R III auf Schneeschuh-Wanderung

Ich freue mich immer, wenn die Post kommt. Aber jetzt bin ich gespannt: Vor mir steht das Paket mit der Sony Alpha 7R III, eine der wohl schnellsten Systemkameras, die es im Moment gibt. Für mich vor allem aber die erste Spiegellose in dieser Liga, die mir nun für einige Tage zu Verfügung steht.

Sonst mit einer Nikon D800 unterwegs, bin ich gegenüber den Spiegellosen (noch) skeptisch: Geht das mit der Brille? Wie verhält sich der elektronische Sucher bei starkem Sonnenlicht? Und wie schlägt sich der 42-Megapixel-Vollformat-Sensor abends in der Bar? Das sind meine brennendsten Fragen an die neue Kamera.

Ich öffne also die Schachtel. Und bin erst einmal erstaunt über die Kompaktheit der Sony Alpha 7R III. So klein hätte ich mir eine Vollformatkamera nicht vorgestellt. Doch die Kamera macht einen ernstzunehmenden, schweren, äusserst soliden Eindruck. Chic ist sie. Keine Angst, liebe D800, ich mag dich, aber im Vergleich scheinst du fett geworden zu sein.

 

Kompakt, solide, chic: Die Sony Alpha 7R III mit dem 4.0/24-105mm FE G OSS Objektiv.

Ausgerüstet mit dem neuen Sony 4.0/24-105mm FE G OSS Objektiv mache ich mich bei einer ersten am nahegelegenen See mit der Kamera vertraut. Eigentlich lese ich vorab stets das Benutzerhandbuch. Doch das Büchlein hat mich mehr verwirrt als unterstützt, weshalb es wieder in der Kiste landete. Das macht nicht viel: Die entscheidenden Bedienelemente scheinen intuitiv angelegt, so dass ich rasch die gewünschten Einstellungen schaffe.

Der erste Eindruck: Die Kamera liegt gut in der Hand, hat mit dem Objektiv aber doch ein rechtes Gewicht. Nicht unangenehm, aber auch nicht perfekt. Die Rädchen und Knöpfe liegen dort, wo erwartet. Der digitale Sucher – gemäss Hersteller hat er rund 3.5 Millionen Bildpunkte – zaubert aus dem trüben Tag ein helles, klares Bild.

Auf der Schneeschuh-Wanderung auf dem Sörenberg will ich die Kamera im Alltag testen.

Richtig zeigen, was sie kann, soll die Kamera am Tag darauf. Ich nehme sie mit auf eine Schneeschuhwanderung ins Gebiet Sörenberg. Bereits nach den ersten Schritten durch den wunderbar pulvrigen Schnee ist die Sony gezückt. Schöne Gegenlichtstimmung im Wald. An den Ästen der Tannen hängt noch Raureif. Ich bin überrascht, wie rasch, problem- und lautlos, die Kamera fokussiert. Fast als wüsste sie schon vor mir, was ich will.

Dann kreuzen wir eine Skipiste und es gilt den Serienbildmodus zu testen. Bis zu 10 Bilder pro Sekunde soll die Kamera hinbekommen. So sind im Nu über 50 Fotos im Kasten, die jetzt auf die Speicherkarte abgelegt werden müssen. Das dauert. Und da am Apparat in dieser Zeit nicht alle Funktionen verfügbar sind, wandert er zurück in die Tasche, wo er fertig speichern kann.

 

Beeindruckend schnell: Die Serienbildfunktion mit bis zu 10 Bildern pro Sekunde.

Später Aufnahmen bei voller Sonne. Auch da tut der Sucher zu meiner Überraschung seinen Dienst. Sogar das ausklappbare Display habe ich jetzt im Einsatz, was zu aussergewöhnlichen Perspektiven anregt.

Der Tag vergeht, beinahe verpassen wir die letzte Gondel. Zurück in Bern darf mein Kameragast mit in die nächtliche Innenstadt. Und scheint sich da trotz schlechtem Licht sehr gut zu amüsieren.

 

Die Kamera arbeitet auch bei Nachtaufnahmen sehr gut (Bilder leicht bearbeitet in Lightroom).

Am nächsten Tag geht’s ans Auswerten der Bilder am PC. Ich arbeite normalerweise in Lightroom 4.4 mit RAW-Dateien. Da ich nicht die neuste Version von Lightroom verwende, muss ich die Originaldateien der Sony zuerst im DNG-Converter von Adobe umwandeln. Dann importiere ich den Haufen. Ich bin ganz zufrieden mit der Ausbeute. Es sind einige schön gelungene Fotos darunter. (Und viele, die ich hätte besser machen können).

Auf einigen Bildern entdecke ich allerdings schwarze Ecken. Es sind die mit 24mm aufgenommenen Fotos. Wie ich aus dem Internet erfahre, liege dies daran, dass mein Lightroom das neue Objektiv noch nicht kennt. Normalerweise würden die Bilder in der elektronischen Objektivkorrektur zurechtgebogen. Tatsächlich: Die JPG-Dateien, welche die Kamera ebenfalls abspeichert, sind korrekt und sehen auch sonst deutlich besser aus. Hätte ich die Kamera gekauft, wäre jetzt das Lightroom-Update fällig.

 

Deutlicher Unterschied: Links das JPG-Bild direkt aus der Kamera, rechts der unbearbeitete Export aus einem veralteten Lightroom – Upgrade ist fällig.

Nicht ganz berauschend finde ich die Rauschreduzierung in den nächtlichen JPG-Bilder. Vom Gefühl her ist der Sensor der Sony lichtstärker, doch die Rauschminderung meiner D800 habe ich angenehmer in Erinnerung. Das will ich nun genauer wissen. Am grauen Samstagnachmittag mache ich deshalb ein Testbild eines Mandarinlis bei 6400 ISO. Der Unterschied ist weniger deutlich als erwartet.

 

Vergleichbares Rauschen: Links die Sony, rechts die D800; oben die RAW-Bilder aus Lightroom, unten die JPG-Fotos direkt aus den Kameras.

Wenn ich nun schon am Testen bin, probiere ich noch zwei, drei weitere angepriesene Funktionen der Alpha 7R III aus. Zunächst die Übertragung einer Bilddatei per Wifi auf mein Android-Tablet. Ich installiere mir die entsprechende App. Voila, die Kamera ist verbunden und überträgt problemlos die von mir gewünschten Fotos. Das wäre eine durchaus nützliche Funktion, wenn ich zum Beispiel von einem Anlass direkt erste Fotos online veröffentlichen möchte.

Ein anderes Feature, das ausprobiert werden will, ist die PixelShift-Funktion. Hier macht die Kamera vier Fotos hintereinander und versetzt jeweils den Sensor um ein Pixel. Die Sony-Software am PC setzt diese vier Fotos dann zusammen, was ein detailliertes Bild ergeben soll, als die Einzelbilder. Ob das funktioniert?

Ich installiere die Kamera auf ein billiges Stativ, montiere ein LED-Licht und digitalisiere ein an der Wand hängendes Gemälde. Tatsächlich: Der Unterschied ist deutlich sichtbar. Für Fotografen, die Kunstobjekte, Architekturdetails oder Landschaften in höchster Qualität ablichten möchten, könnte dies ein willkommenes Feature sein.

Schliesslich die Film-Möglichkeiten. Kurz angetestet machen diese einen guten Eindruck. Die Automatik führt die Schärfe zufriedenstellend nach und auch die Anpassung der Helligkeit erinnert mich eher an eine Videokamera als einen Fotoapparat mit Filmfunktion. Beeindruckt bin ich von der Zeitlupenaufnahme. Punkto Video liegt die Sony-Kamera deutlich vor meiner D800.

 

Tatsächlich mehr Details: Die Pixelshift-Funktion (links, 100% eingezoomt) beim Foto eines Gemäldes.

Dann heisst es Abschied nehmen. Am nächsten Morgen geht die Reise der Alpha 7R III weiter. Gefallen an dieser Kamera haben mir ihre Kompaktheit, ihre Lautlosigkeit (das könnte ich bei Konzertfotos sehr gut gebrauchen), der schnelle Autofokus und ihre Filmmöglichkeiten. Beeindruckt war ich von den Serienaufnahmen und der PixelShift-Funktion. Praktisch auch die Verbindung per Wifi.

Nichts auszusetzen habe ich auch an der Bildqualität der Sony. Was ich jedoch feststellen musste: Der digitale Sucher hat mich stärker angestrengt, als die Sicht durch die Spiegelreflex-Optik. Auch das Ablesen der Einstellungen finde ich bei meiner D800 deutlich entspannter.

Alles in allem hat die Sony Alpha 7R III ihre Arbeit gut gemacht. Sie bietet diverse Funktionen, die ich gerne in meiner Kamera hätte. Sie mag für gewisse Fälle die absolut beste Wahl sein. Übertrumpft hat sie meine Erwartungen allerdings nicht ganz.

Text und Bilder: Tobias Kühn, Fachjournalist

 

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