Urs Tillmanns, 11. September 2018, 16:30 Uhr

PhotoKlassik IV.2018: Analog – und einfach nur schön …

Ein Vierteljahr ist um, und da warten die Analogfreunde immer gespannt auf die neue Ausgabe von PhotoKlassik. Es ist die einzige Zeitschrift für die Fotografie mit Film im deutschsprachigen Sprachraum – und sie beweist mit jeder Ausgabe, dass die Analogfotografie eine Nische besetzt, die immer grösser und spannender wird. Und dem trägt auch die jüngste Ausgabe Rechnung.

Man kann es kaum erwarten das neue Heft einfach mal durchzublättern – von vorne bis hinten. Und da fällt einem auf, dass es diesmal mit besonders vielen eindrücklichen und grossformatigen Bildern illustriert ist, die zudem hervorragend gedruckt sind. Man glaubt eine Kunstzeitschrift vor sich zu haben – nein, es ist eine Kunstzeitschrift.

Aber nicht nur die Bilder sind es, die dieses Heft spannend machen, sondern auch die vielen interessanten Beiträge. Im Magazinteil gibt es viele Kleinmeldungen zu neuen Produkten, Anlässen oder Lesererfahrungen – oder -sorgen. Zum Vorfeld der Photokina passend, zeigt der Beitrag «Besser als alle andern: Leica M3» den Paukenschlag auf, mit welchem eine der beliebtesten Kameras vor 64 Jahren auf der Kölner Messe vorgestellt wurde. Die vielen Hintergrundinformationen zeigen auf, wie sich das M-Kamerakonzept während Jahrzehnten erfolgreich gegen die trendigen Spiegelreflexmodelle durchsetzen konnte.

Weiter geht es mit Kamerageschichte im Beitrag «Der Mittelformat-Würfel aus Kiew». Der Vergleich der russischen 6x6cm-Kamera mit der schwedischen Hasselblad ist naheliegend und spannend und der Beitrag gibt viel über die praktischen Vorteile dieser legendären Kameraart Preis.

Dann kommt ein Artikel, den sich vor allem die Einsteiger vorknöpfen sollten – aber nicht nur. «10 Praxistipps für bessere Analogaufnahmen» enthält neben vielen erprobten Tipps alles Wichtige für die Fotografie mit Film, beispielsweise worauf man beim Filmeinlegen achten muss, welche Filter man für tonwertrichtige Schwarzweissaufnahmen braucht, was beim Lichtmessen und Belichten wichtig ist bis hin zu Ratschläge für die Filmentwicklung und was es mit dem Herrn Schwarzschild für eine Bewandtnis hat.

Und das leitet dann auch über in den Portfolioteil, mit atemberaubenden Naturbilder von Bruce Barnbaum, der wahrscheinlich zu den besten Fine-Art-Printern gehört und mit seiner Technik die letzten Nuancen aufs Papier bringt. Ein weiteres Portfolio wertet der hintere Teil des Heftes mit aussagestarken Bildern auf: Yasamoto Masao zeigt in «Microcosmos – Macrocosmos» Objekte seiner nahen Umgebung, die durch besondere Lichteffekte wirken und jede Vergleichsgrösse in den Hintergrund treten lassen.

Ein weiteres kulturelles Highlight sind die Gewinnerbilder des Jobo Grossformat-Wettbewerbs. Aus rund 400 Einreichungen wurden die sechs Finalisten auserwählt, deren Bilder hier beweisen, dass die Grossformatfotografie nicht nur ein Handwerk besonderer Art ist, sondern dass sich damit eine eindrucksvolle Kreativität mit höchstem qualitativen Niveau ausleben lässt.

Der Praxisteil des Heftes inspiriert, regt an zum Selbstmachen, zum Weiterentwickeln. Sei es der Beitrag «Licht-Spiele», bei dem es um Lichtarten fürs Studio ebenso geht, wie um korrekte Belichtungsmessung, oder um die «Archäologie des latenten Bildes», der aufzeigt, dass die in alten Kameras vergessenen Filme nicht futsch sind, sondern mit überaus bezaubernden Bildern überraschen können. Dann verblüffen die Fotos «Metropolis» von Renato D’Agostin, der auf eine erfolgreiche Ausstellung in Amsterdam zurückblicken kann. Und weiter gibt Chris Schmid im Talent-Teil des Heftes mit «Silbersalze wirken sehen» einen Einblick in sein Schaffen, der es in kurzer Zeit vom Fotolaboranten zur eigenen Fotogalerie gebracht hatte.

Im Produkteteil wird ein weiteres russisches Produkt aus der Vergessenheit geholt: die Zorki 10. Bei uns war sie kaum verbreitet, obwohl sie mit ihrem futuristischen Design und ihrer ausgereiften Technik durchaus einen Markt gefunden hätte. Aufschlussreich ist auch die Abhandlung über verschiedene Verschlussarten mit der Aufklärung, welche Verschlüsse in welchen Kameras verbaut werden und wer noch welche herstellt.

Das Heft ist von vorne bis hinten eine Wundertüte und überrascht überall mit wertvollen Informationen zu einer Fotografie, die von vielen längst totgeglaubt ist. Dabei gewinnt die Fotografie mit Film immer mehr Anhänger – und erstaunlicherweise sind viele davon junge Leute, die im digitalen Zeitalter aufwuchsen und nun eine andere, wahrscheinlich noch faszinierendere Bilderwelt kennenlernen möchten.

Urs Tillmanns

PhotoKlassik erscheint vierteljährlich im Verlag IMH Imaging Media House. Es ist in der Schweiz bei Ars-Imago in Zürich zu beziehen und kostet CHF 18.50.

Weitere Informationen: photoklassik.de

 

Der Inhalt

Editorial / Magazin / Briefe an die Redaktion / Lieblingskamera / Mitarbeiter / Impressum

Produkt
Kiev 88 – der Mittelformatwürfel aus Kiew / Zorki 10: Sowjetische Schönheit mit Raffinesse / Fujifilm Instax SQ6 – Stylish im Quadrat / Entwicklungshilfe – ein Entwickler-Überblick / Tetenal Work Black & White Photographie Emulsion

Praxis
10 Tipps für bessere Aufnahmen / Lichtspiele – die ideale Lichtquelle für Ihr Fotoprojekt / Archäologie des latenten Bildes / Verschlüsse für analoge Kameras

Professional
Bruce Barnbaum – Meister der Fine-Art-Drucke / Renato D’Agostin – Metropolis / Yamamoto Masao – Microcosm Macrocosm

Talent
Silber & Salz – Chris Schmid

Kultur
Besser als alle anderen – die Leica M3 / Die Gewinner des Jobo Grossformat Fotowettbewerbs / Michele Pero – La Dolce Vita / Made in Germany / Fundstücke – Randnotizen zur Fotokunst

Kolumne
Paranoide Welt

 

 

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