Horst Gottfried, 29. September 2023, 16:50 Uhr

Photopia 2023 Fazit: Es war ein Festival für Mainstream und Nische

Vor einer Woche fand in Hamburg vom 21. bis zum 24. September 2023 die «Photopia» statt, die eine Mischung aus Fotomesse und Fotofestival ist. Als Messe diente sie zur Präsentation von Produkten und gab Besuchern die Gelegenheit diese anzusehen – auch die allerneusten. Als Fotofestival war sie Begegnungsort mit Ausstellungen, Vorträgen und Konferenzen. Wir haben die Photopia als Fotomesse besucht und ziehen Bilanz.

Vier Tage Photopia 2023 sind vorüber, zwei davon konnte ich selbst vor Ort miterleben. Der Mix aus Technik, Fotopraxis und Kultur hat Spass gemacht. Gegenüber den beiden ersten Veranstaltungen 2012 und 2022 hat sich im Grunde wenig verändert, und das erwies sich als gut so.

Das erfolgreiche Veranstaltungskonzept – mehr «Festival of Imaging» als klassische Foto-Produktmesse – zog in diesem Jahr mit rund 20’000 Gästen (rund doppelt so viele wie in 2022) und 125 Hersteller, Marken und Start-ups aus 15 Ländern nochmals mehr Besucher und Teilnehmer als zuvor an. Sie konnten sich über Innovationen aus den Bereichen Kamera, Objektive, Smartphone-Technologie, Beleuchtung/Lichttechnik, Zubehör, Print-Produkte, Drohnen, Künstliche Intelligenz und Software auf den neuesten Stand bringen. So hatten führende Kamerahersteller wie Canon, Fujifilm, Leica, Nikon, Panasonic und Sony sowie dieses Jahr auch OM Digital Solutions ihre aktuellen Kameras und Objektive zum Anfassen vor Ort.

 

Typisch für die Photopia sind die Schiffscontainer, die als Hallendekor und mehr verwendet werden, wie hier am Stand von Fujifilm. Das Messepublikum gab meist das gewohnte Bild ab: männlich und mittelalt.

 

Zahlreiche neue Produkte

Fujifilm präsentierte ihr brandneues Mittelformat Flaggschiff GFX100 II, das erst nach der Photopia in den Handel kommen wird. Mit der Instax Pal präsentierte Fujifilm zudem sogar eine kleine Weltneuheit. Nikon zeigte ihr neues Retro-Vollformatmodell Nikon Z f. Bei Panasonic stand neben der S-Serie das neue MFT-Flaggschiff Panasonic Lumix G9II im Mittelpunkt, das im November zu haben sein wird. Nach der Photopia sollen auch die gezeigten neuen Sony Vollformat-Systemkameras Alpha 7C R mit einem 61-Megapixel-Sensor und die Alpha 7C II mit 33,0 Megapixeln in den Handel kommen. Ausserdem feiert das Sony Premium-Smartphone Xperia 5 V mit moderner Kamerasensor-Technologie Premiere. Die jüngst angekündigte Action Cam GoPro Hero12 für HDR-Videos in 5,3K und 4k mit einem Bildwinkel von bis zu 177 Grad konnte sogar schon beim Container Running in Halle A4 in Action ausprobiert werden.

Im Mittelpunkt der Fujifilm-Präsentation stand die kleine Instax Pal für Instagrammer. Auch hier wurden Container für den Hintergrund verwendet.

 

Multifunktionelle Container

Die vielseitig einsetzbaren Hamburg-typischen Schiffscontainer haben sich als Markenzeichen der Photopia etabliert. In den zwei grossen Messehallen A1 und A4 unterm Fernsehturm bestimmten sie auch dieses Jahr wieder das Bild. 350 der bunten Boxen bildeten, zu ebener Erde oder in die Höhe gestapelt, eine eigene Photopia-Festival- und Messestadt, wie grosser Markt, mit Ständen, Gängen, Plätzen und Bühnen. Die Container dienten der Produkt- und Bildpräsentation oder aktiven Fotografen als Mini-Studios. Die zahlreichen Stände der Kamera-, Zubehör- und Serviceanbieter waren auf einer Messe der kurzen Wege bequem und entspannt erreichbar. Die Gänge waren gut gefüllt, aber Corona-Angst hatte kaum jemand, Masken waren beim Publikum so gut wie nicht zu sehen. Grösseres Gedränge gab es nur gelegentlich bei einigen Präsentationen vor einzelnen Ständen.

Nicht immer ganz einfach war es, den Überblick über Ausstellungen und das umfangreiche Bühnen- und Konferenzprogramm zu behalten und das grosse Angebot in allen Bereichen zu überschauen. Wohl dem, der seinen Besuch hier anhand der auch nicht immer ganz übersichtlichen Photopia-Webseiten vorgeplant hatte. Alles in allem herrschte vor Ort aber eine angenehm relaxte, unaufgeregte Atmosphäre auf der Photopia 2023. »Das Durcheinander hat seinen Charme« beschreibt es Falk Schreiber, der Reporter des lokalen Hamburger Abendblatts am Montag danach treffend, «weil Nerdtum und Massentauglichkeit hier direkt nebeneinander stehen, gnadenloser Mainstream und absolute Nische». Auch die kurzen Wege in den beiden Hallen zwischen den unterschiedlichen Polen liessen den Messebesuch nicht zu strapaziös werden.


Fotohändler stellten ihren Kunden Container als Ausstellungsräume zur Verfügung.
 

Themenspektrum von KI bis analog, Zielgruppen von Amateuren bis Profis

Künstliche Intelligenz (KI) war in diesem Jahr erstmals ein zentrales Thema der Photopia. Sie wird die Imaging-Branche nachhaltig verändern. Die Chancen, aber auch die Gefahren von KI, ihre Möglichkeiten und Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf die Foto- und Videografie wurden vor allem von Fachleuten intensiv diskutiert. Konkrete Einblicke in die neue Welt der Künstlichen Intelligenz konnten nicht nur Fachleute in kostenpflichtigen Sonderveranstaltungen gewinnen, sondern auch alle Besucher bei den von AI.Hamburg koordinierten Präsentationen der zahlreichen Start-ups im AI.Center in Halle 1.

 


Zahlreiche Events rundeten das analoge Angebot bei Khromeland ab. Hierbei handelt es sich um dem Messeauftritt des auf Analogfotografie spezialisierten Händlers Khrome.

Zu den interessantesten und am besten besuchten Messeständen gehörte der des in Hamburg ansässigen Fotogeschäfts Khrome. Hier ging es um die analoge Fotografie in all ihren Facetten, von der Polaroid-Riesenkamera, Ausstellungen rund um das Dia, Workshops mit der Kollodium-Nassplatte bis hin zur Produktpremiere des brandneuen Jobo SilverBase Rotationsprozessors für die Entwicklung von Schwarzweissfilmen.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit der Fotoausstellungen standen die «Iconic«-Exponate des diesjährigen Photopia-Schirmherren Albert Watson und die der prominenten Leica-Fotografin Esther Haase. Etwas an den Rand gedrängt waren dagegen vielfach kleinere Foto-Ausstellungen, die so die Messe im wahrsten Sinne des Wortes einrahmten.

Weniger an das breite Publikum wandten sich eine Reihe von Fachveranstaltungen wie etwa der «B2B Day» für Industrie und Handel, die «Creative Content Conference» und die Konferenz «ImagingExecutives@Photopia». Sie rundesten das Photopia-Angebot für professionelle und kommerzielle Interessenten ab.

 


Ergänzend zu den Produkten zum Anfassen gehörten zahlreiche Vorträge zum Programm der vier Photopia-Tage.
 

Positives Fazit und optimistischer Ausblick

Als Bestätigung für ihren konzeptionellen Mix aus Technik zum Anfassen, Praxis, Action und Kultur durfte sich das Photopia-Team über die Ehrung der Technical Image Press Association (TIPA) als «Best Photo Event» freuen (Fotointern berichtete), die ebenfalls im Rahmen der Photopia erfolgte. «Mit einem innovativen Format und einer innovativen Ausstellungsfläche spricht Photopia ein grosses Publikum an, das sich aktiv an der Faszination von Fotografie, Video und anderen Imaging-Technologien beteiligt und diese geniesst.» heisst es in der Begründung.

Die Photopia 2023 machte allerdings auch den Spagat zwischen den unterschiedlichen Zielgruppen deutlich, den diese Veranstaltung leisten muss. Trotz aufdringlich jugendlicher Ansprache des Publikums in der Photopia-Werbung der Hamburg-Messe inklusive haufenweise Anglizismen und penetranter Anduzerei im Vorfeld der Veranstaltung war vor Ort «das Publikum tendenziell männlich, tendenziell nicht mehr ganz jung, tendenziell mit Outdoorjacke und Rucksack», wie dem unvoreingenommenen Reporter des Hamburger Abendblatts auffiel.


2023 waren auch einige Gäste aus dem asiatischen Raum zu sehen.
 

Hoffnung machte eine mit Smartphones bewaffnete Berufsschulklasse aus Leer in Ostfriesland, die ihren Weg auf die Photopia gefunden hatte, sicher auch mit ein bisschen Initiative ihres ambitionierten Lehrers. Zudem fiel mir auf, dass dieses Jahr mehr asiatische Messebesucher zu sehen waren, und mein spontaner Eindruck wurde später offiziell bestätigt. Die Entwicklung der Photopia werde auch in Japan aufmerksam wahrgenommen, wie zahlreiche Unternehmensdelegationen aus den Headquartern in Japan zeigten, die vom Mix aus etablierten Profis und jungen und sehr interessierten Amateurfotografierenden beeindruckt waren, berichtet die Messe-Pressestelle.

Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress, klopft sich und seinem Team im offiziellen Messe-Fazit selbst auf die Schulter: «Hoch zufriedene Aussteller, Bestnoten für das Rahmenprogramm und ein technik- und kunstbegeistertes Publikum – die Photopia wird schon heute als wichtigste Plattform für Imaging in Europa wahrgenommen. Sie ist das Festival für alle, die sich mit Content Creation im Business oder in ihrer Freizeit beschäftigen.»

«Das überwältigende Feedback der Aussteller und das gestiegene Interesse bei den Besuchern zur Photopia Hamburg beweisen eindrucksvoll die Anziehungskraft, die das Festival of Imaging erzeugt hat. Das lässt einen positiven Ausblick auf 2024 zu. Die Photopia hat sich als das leitende Branchen-Event fest in den Köpfen der Foto- und Imaging-Community etabliert», unterstreicht Christian Müller-Rieker, geschäftsführender Vorstand Photoindustrie-Verband (PIV).

What’s next: Ausblick auf die Photopia 2024

Das nächste Festival of Imaging findet vom 10. bis 13. Oktober 2024 auf dem Hamburger Messegelände statt. Neu soll eine Creators Area sein: Experten-Talks, Workshops mit Profis, Networking-Events, Creator Meet & Greets sowie Möglichkeiten zum Ausprobieren sollen neue Räume schaffen für noch mehr Kreativität und Lust auf «Imaging at its best».
Zusätzlichen Zuspruch erhofft sich die Hamburg Messe vom Publikum der parallel zur Photopia2024 stattfindenden «Polaris Convention», einem Community-Event rund um Games, Creator, eSports, asiatische Popkultur und Cosplay. Wer also ohnehin mit einem Wochenend- oder Kurztripp ins schöne Hamburg liebäugelt, dem bietet die Kombination mit der Photopia 2024 einen weiteren Grund.

Branchen-Stimmen zur Photopia

«Als Unterstützer und Partner der ersten Stunden freut es uns besonders, dass die Photopia zum bereits dritten Mal die Imagingwelt in Hamburg versammelt, um die Faszination für Bilder gemeinsam zu feiern. Sie ist schon jetzt ein Jour-Fixe für die gesamte Branche und alle Fans der Foto- und Videografie. Die Photopia 2023 war voller, inspirierender, kreativer und internationaler als zuvor. Auf unserer 800 Quadratmeter Experience Area haben wir viele begeisterte Fans unserer Marke begrüssen dürfen und mit ihnen Fotografie und Videografie gemeinsam „erlebt“. Wir freuen uns schon jetzt auf die Photopia 2024.» Rainer Führes, CEO Canon Deutschland.

 


Ein gewohntes Messebild zeigte sich in jeder Hinsicht auch am Nikon-Stand.
 

«Wir sind total begeistert von der Messe. Es ist deutlich voller als letztes Jahr und wir haben gute Gespräche mit einem fotointeressierten Publikum geführt. Schon am Donnerstag, dem B2B-Tag war es sehr voll, wir konnten viele Gespräche mit Händlern führen und eine differenzierte Betreuung anbieten. Auch die Tage danach waren sehr positiv mit guten Gesprächen und einer täglichen Steigerung der Besucheranzahl. Wir können uns über nichts beschweren. Die Photopia ist eine Messe, die Zukunft hat.» Peter Giesen, Consultant Nikon Deutschland.

«Aufgrund der gewachsenen Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr sind wir mit der Entwicklung der Photopia sehr zufrieden. Insbesondere das hohe Aufkommen an Handelspartnern am B2B Day war sehr erfreulich und wir hatten sehr viele gute Gespräche. Im Mittelpunkt stand unser neues Flaggschiff, die Mittelformatkamera GFX100II. Zudem wurde auf der Messe zum ersten Mal unsere neue Instax Pal vorgestellt, die vor allen Dingen beim jungen Publikum extrem gut ankam.» Bernd Gansohr, Managing Director Fujifilm.

«Die Photopia hat sich für uns und für die Branche ganz klar als das Leit-Event herauskristallisiert. Wir sind mit der dritten Auflage der Photopia sehr zufrieden, sowohl mit dem deutlichen Zuwachs der Besuchenden generell als auch mit der Qualität. Es waren auffällig viele Content Creators und junge Agenturen an unserem Stand zu Gast. Ebenfalls freuen wir uns über den gestiegenen Anteil an europäischen Gästen auch aus Griechenland, Österreich und der Schweiz. (…) Vor diesem Hintergrund war es die richtige Entscheidung, dass wir unseren Stand deutlich erweitert haben und der positive Aufschlag wird bewirken, dass wir im 2024 in jedem Fall wieder dabei sein werden.» Falk Friedrich, CEO Leica Camera Deutschland.

«Es ist toll, einfach spitze. Die Durchführung, die Organisation, das tolle Fachpublikum. Wir sind begeistert. Das Angebot wird angenommen, die Besucherinnen und Besucher sind zufrieden. Wir kommen definitiv wieder.» Dragan Gogkovic, Berater für Foto und Cine bei Sigma.

Text und Fotos: Horst Gottfried

Die meisten Fotos entstanden mit dem neuen Fujinon XF 8mm F3,5

 


Entspannte Atmosphäre mit Raucherpause vor den Messehallen.
 


Die Fotoausstellungen an den Seiten der Messehallen rahmten die Photopia ein.
 


In einer ganzen Ecke der Messehalle waren KI-Startups konzentriert. Hier Messechef Aufderheide bei der Demonstration durch Ragnar Kruse, Gründer des  AI.Hamburg.

 

In entspannter Lounge-Atmosphäre präsentierte Whitewall ihr Angebot an Abzügen und Rahmen.
  


Ein grosses Angebot von analogen Kameras, Filmen und Zubehör war im Khromeland zu finden.
 


Sony fokussierte sich am Stand auf die Vlogger als Zielgruppe. 

 


Lumix G9II und Lumix-S-Modelle bestimmten das Bild am Panasonic-Stand.
 

Weitere Infos

Photopia –  Festival of Imaging

Veranstalter:
Hamburg Messe und Congress GmbH
Messeplatz 1
D-20357 Hamburg

Ort:
Messe Hamburg, Messeplatz 1, D-20357 Hamburg, Deutschland

Dauer (nächste Ausgabe):
10. bis 13. Oktober 2024

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