Urs Tillmanns, 15. Juli 2018, 10:35 Uhr

Ungleiche Schwestern: Lumix TZ101 und TZ202 im Praxistest

Schwestern ähneln sich oft, sind aber selten ganz gleich. Eine kann beispielsweise eine etwas längere Nase haben – das ist bei der TZ202 so. Die andere, die TZ101, kam etwas früher zur Welt, nämlich vor zwei Jahren schon (Fotointern berichtete). Schon damals entpuppte sie sich rasch als geeignete und beliebte Reisekamera: Leicht, kompakt, griffig, 1-Zoll-Sensor mit 20 Megapixel und ein Zehnfach-Zoom mit kleinbildentsprechenden von 25 bis 250 mm Brennweite. Sie entwickelte sich rasch zum Publikumsliebling – und zum Erfolgsschlager für Panasonic.

Die beiden Schwestern ähneln sich: links die TZ101, rechts die neue TZ202

Jetzt setzt der Lumix-Hersteller noch eins oben drauf. Die TZ202 – in einigen Ländern als TZ-200 und in Amerika als ZS200 auf bekannt – ist von den Abmessungen und der technischen Ausstattung her praktisch identisch. Die grossen Unterschiede liegen beim Objektiv, das jetzt mit einem 15-fachen Brennweitenbereich von 24-360mm reicht, und beim Sucher, der die doppelte Pixelzahl, einen grösseren Einblick und damit ein deutlich besseres Bild bietet.

Längeres Zoom und besserer Sucher sind die wichtigsten Verbesserungen der TZ202 (rechts). Was kaum auffällt, in der Praxis aber vorteilhaft ist, ist die Gummi-Daumenauflage der TZ202 auf ihrer Rückseite

Bei gleichen Abmessungen und Gewicht anstelle eines Zehnfach-Zooms ein Fünfzehnfaches einzubauen, ist eine optische Meisterleistung. Allerdings hat dies seinen Preis und zwar in zweifacher Hinsicht: Einmal ist die TZ202 mit CHF 999.– (offizieller Richtpreis) fast doppelt so teuer wie die TZ-101, die man heute leicht zum Strassenpreis von um CHF 500.– bekommt. Allerdings muss man diese Preisangaben auch gleich wieder revidieren: Die TZ101 hat ursprünglich auch CHF 849.– gekostet, und der Günstigstpreis der TZ202 liegt heute etwas über CHF 700.–.

Die beiden Kameras, oben mit dem Zoom in Telestellung, unten im Weitwinkel

Der zweite Punkt, wo die TZ202 gegenüber der älteren Schwester Federn lassen musste, betrifft die Lichtstärke. Während die TZ101 bei stolzer Blende 1:2,8 (bis 5,9) beginnt, bleibt die TZ202 mit Anfangsöffnung 1:3,3 (bis 6,4) eine halbe Blende zurück. Das ist zwar in der Praxis mit den heute üblichen hohen ISO-Werten – beide gehen bis ISO 25600) – kaum von Bedeutung, auch nicht was die Hintergrundunschärfe (Bokeh) bei voller Öffnung anbelangt.

Der Blitz ist mit Leitzahl 4 (bei ISO 100) nicht gerade ein Lichtriese – aber besser als gar keiner. Allerdings würden sich viele an gleicher Stelle einen Blizschuh wünschen, mit der Möglichkeit einen stärkeren Blitz zu verwenden

Die zweite, wesentliche Verbesserung gegenüber der TZ101 betrifft den elektronischen Sucher mit der rund doppelten Pixelanzahl. Die neue TZ202 besitzt einen 0,21-Zoll-Live-View-Sucher mit rund 2,3 Millionen Bildpunkten im 3:2-Format und einem grösseren Suchereinblick, während der Sucher der TZ101 nur 1,16 Megapixel hergibt. Auch das 3-Zoll-Touch-Display wurde bei der TZ202 mit einer Auflösung von 1‘240‘000 Bildpunkten erweitert, während dasjenige der TZ101 mit 1,0 Megapixel etwas weniger Bildpunkte bietet. Dieser Unterschied fällt jedoch in der Praxis nicht ins Gewicht.

Die 4K Video-Funkton mit 3840 x 2160 Bildpunkten bietet neu auch 30p (TZ101 25p) sowie 60p (TZ1010 50p) im Full-HD Modus mit 1920 x 1080 Megapixel. Mit der 4K Foto Funktion können schnellbewegte Szenen mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen, um daraus Einzelbilder in einer Auflösung von acht Megapixeln abzuspeichern. Beide Kameras bieten zudem die Lumix-typische Post Focus Funktion, mit welcher aus einer Aufnahme über die Software in Computer die Schärfeebene nachträglich bestimmt werden kann.

Das Rauschverhalten der TZ202 (identisch mit TZ101)

 

15fach anstatt 10fach-Zoom

Die Vorgabe, anstelle des Zehnfachzooms ein Fünfzehnfaches für die TZ202 zu entwickeln, und dies bei gleicher Grösse und nahezu gleichem Gewicht, dürfte für die Optik-Konstrukteure von Leica eine echte Knacknuss gewesen sein. Kleines Detail: Das Zoomobjetiv der neuen TZ202 beginnt bei 24mm, dasjenige der TZ101 bei 25mm. Wohl nur ein Millimeter, der jedoch in der Weitwinkelwelt eine Rolle spielt, wie die Vergeichsaufnahmen weiter untern zeigen.

Übrigens haben beide Modelle ein sogenanntes «intelligentes Zoom», was an sich nichts anderes ist als der etwas in Misskredit geratenen Ruf des Ausdrucks «Digitalzoom». Er verdoppelt die Brennweite und macht bei der TZ101 ein maximales 20fach- und bei der TZ202 ein stolzes 30fach-Zoom. Das Adjektiv «intelligent» kommt möglicherweise daher, dass die digitale Brennweitenverlängerung heute mit viel besserer Interpolation einhergeht und deutlich besser geworden ist als dies in der Urzeit dieser Technologie der Fall war.

Die beiden Kameras in der Schnittdarstellung. (Grafik: Panasonic)

Die bereits erwähnte minimale Einbusse der Lichtstärke und die Gewichszunahme der TZ202 von rund 30 Gramm ist in Anbetracht des massiv grösseren Zoombereiches leicht zu verschmerzen. Weniger schön hingegen ist, dass bei beiden Modellen der Objektivkonstruktion auf sehr gedrängtem Platz das Stativgewinde aus der optischen Achse geschoben werden musste. Aber darüber ärgern sich wohl nur die Panorama-Fanatiker, falls diese nicht die integrierte Panorama-Funktion nutzen – die übrigens wahre Freude bereitet. Auch die Nahgrenze beider Objektive ist mit 3cm bei Weitwinkel und 50cm bei Tele identisch geblieben.

 

Ein Teleobjektiv mit 250 oder gar 360mm Maximalbrennweite bei einer sehr geringen Masse verlangt nach einem guten Bildstabilisator. Den haben die beiden Modelle mit dem Hybrid-O.I.S-Sysem, wie wir in der Praxis feststellten. Dennoch der Rat aus der Praxis: Bei extremen Teleaufnahmen (im S- oder M-Modus) eine möglichst kurze Verschlusszeit wählen und lieber ein paar Bilder mehr schiessen oder gar die Bildsequenz von bis zu 10 Bildern pro Sekunde nutzen. Es zeigt sich hinterher am Rechner, dass doch immer wieder einige Bilder schärfer sind als andere.

Aber nicht nur der Bildstabilisator hat uns angenehm überrascht, sondern auch der Autofokus, der schnell und präzise arbeitet. Die automatische Scharfeinstellung kann auch auf dem Touchscreen mit gleichzeitiger Auslösung erfolgen. Das Fokusfeld kann mit den Fingern vergrössert und präzise ausgewählt werden. Es gibt zudem einen Verfolgungsmodus und bei der manuellen Fokuskontrolle hilft die Focus Peaking-Funktion zusammen mit der Fokuslupe die Schärfe sehr präzise einzustellen.

Auch die 24 Szenenprogramme sind bei beiden Modellen identisch. Natürlich «braucht man sowas nicht», wenn man die Grundbegriffe des Einstellens einigermassen begriffen hat. Und doch ist es erstaunlich, was in den Programmen an Farbnüancen, Weichzeichnung, Kontrasterhöhung etc, und Kombinationen daraus, angesteuert werden, die man manuell gar nicht anwählen kann. Mal ausprobieren lohnt sich …

 

Die kleinen Modellunterschiede

Betrachtet man die beiden ungleichen Schwestern genauer, so fallen neben Sucher und Objektiv noch einige Gestaltungsdetails auf, die einerseits vor allem Unterscheidungsmerkmale sind, anderseits allerdings durchaus einen praktischen Nutzen haben.

Beide Kameras (links die TZ101, rechts die TZ202) verwenden den gleichen Akku. Dieser reicht bei der TZ101 etwa für 300 Aufnahmen, bei der Tz202 etwas länger für rund 370 Bilder. 

  • Die TZ202 ist neu vorne mit einer Gummikante mit rotem Streifen und hinten mit einer Daumenauflage aus Gummi versehen. Damit hat man die Kamera deutlich besser im Griff als die TZ101 mit dem – vor allem mit nassen Händen – leicht glitschigen Metallgehäuse.
  • Auch der vordere, um das Objektiv angeordnete Einstellring hat eine etwas gröbere und damit griffigere Struktur bekommen.
  • Die Befestigungsösen für den Trageriemen sind jetzt bei der TZ02 versenkt, während sie bei der TZ101 einige Millimeter vorstehen, dafür aber universeller genutzt werden können. Damit fallen die effektiven Abmessungen der TZ202 gegenüber der TZ101 etwas günstiger aus.
  • Das hintere Einstellrad ist bei der TZ202 etwas nach oben versetzt, so dass die Riffelung seitlich besser erfasst werden kann.
  • Die AF/AE-Lock-Taste wurde etwas näher bei der Daumenauflage platziert, was den Vorteil hat, dass man mit dem Daumen weniger vom Display verdeckt.
  • Die Funtionstaste Fn1 wurde etwas tiefer ins Gehäuse versenkt, damit man sie nicht versehentlich mit dem Daumen betätigt.
  • Der Blitzentriegelungsknopf öffnet bei der TZ202 von links nach rechts, während dieser bei der TZ101 den Blitz in entgegengesetzter Richtung öffnet.
  • Die Einstellmarkierung des Programmwahlrades war bei der TZ101 ein Strich, der bei der TZ202 zu einem Punkt geschrumpft wurde.
  • Der Schriftzug «Panasonic» ist oben auf dem Gehäuse platziert und nicht mehr auf dem Sucherausbau. Zudem fehlt bei der TZ02 das Lumix-L auf der Frontseite.

Minimale Unterschiede also, die, mit Ausnahme der Gummikante und Daumenauflage, kaum ins Gewicht fallen. Aber gerade diese beiden Ausstattungsdetails tragen erheblich besseren und sichereren Handhabung der Kamera bei und sind ein in der Praxis auffallender unbedingter Pluspunkt für die TZ202.

Bei der Konstruktion einer möglichst kompakten Reisekamera wird man wohl oder übel auf einige Dinge verzichten müssen, die dann gewisse Anwender vermissen. So auch bei den beiden Modellen TZ101 und TZ202. Beiden Kameras hätte ein Schwenk- oder Ausklappdisplay gut getan, und die Selfiefans hätten sie dann wohl eher gekauft. Aber ein Schwenkdisplay heisst schnell wieder fünf Millimeter mehr Kameratiefe. Auch ein Blitzschuh missen wohl viele Nutzer, aber wohin damit, wenn Suchermonitor und Ausklappblitz (mit nur Leitzahl 4 bei ISO 100 übrigens) und die Bedienungselemente bereits die Deckkappe füllen? Ob man ein GPS-Modul wirklich braucht, darüber kann man geteilter Meinung sein; gut anstehen würde es einer Reisekamera.

 

Alles in allem …

Der Ruf eines absoluten Premium-Modells galt schon für die TZ101 und wird mit der TZ202 nochmals bestätigt. Was bei beiden Kameras im Vordergrund steht, sind die kompakten Abmessungen, das geringe Gewicht und die hervorragende technische Ausstattung. Hier spielen der grosse Zoombereich (vor allem bei der TZ202), der Bildstabilisator und der schnelle Autofokus die erste Geige. Die Fotoqualität ist durchwegs – von Weitwinkel bis Tele – hervorragend und dürfte deutlich über dem Durchschnitt der Kompaktkameras liegen.

Da die TZ101 (wenigstens vorläufig) noch im Lumix-Sortiment bleibt, stellt sich für potentielle Käufer die Frage, wie wichtig einem der grössere Zoombereich und der bessere Sucher wirklich ist. Wer etwas weniger für seine neue Kamera auslegen will, ist mit der TZ101 noch immer sehr gut bedient. Wer hingegen noch mehr aus seinen Bildern herausholen will und weniger aufs Budget schauen muss, der wird sich wahrscheinlich für die neuere TZ202 entscheiden.

Text und Bilder: Urs Tillmanns

 

Lesen Sie auch

«Lumix TZ202: Kompakt und mit noch mehr Zoom» (Fotointern.ch, 03.01.2018)

«Lumix DMC-TZ101 – Travelzoom-Flaggschiff mit 10x-Zoom und 4K-Funktion» (Fotointern, 06.01.2016)

 

Weitere Informationen finden Sie bei Panasonic.ch über die TZ101 und hier über die TZ202

2 Kommentare zu “Ungleiche Schwestern: Lumix TZ101 und TZ202 im Praxistest”

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