Urs Tillmanns, 28. März 2011, 13:15 Uhr

Peter Coeln von WestLicht rettet Polaroid Collection

Während rund 20 Jahren war die «Polaroid Collection» als Leihgabe stolzer Bestand des Musée Elysée in Lausanne. Nach dem Konkurs von Polaroid stand diese Sammlung zum Verkauf, nachdem die Bemühungen, diese für das Musée Elysée zu erhalten, gescheitert waren (Fotointern berichtete). Jetzt hat Peter Coeln diese einmaligen Bilder für WestLicht gesichert.

Die Polaroids Collection bestand ursprünglich aus zwei Teilen, aus der «International Collection», die in Europa stationiert war und als Leihgabe ins Musée Elysée kam, sowie aus der amerikanischen Collection, die in Boston untergebracht war und durch die Konkursverwaltung zum grossen Teil über Sotheby’s versteigert wurde.

Die grössten Fotografen testeten neue Filme für Polaroid. Daraus ist eine einzigartige Sammlung von Unikaten entstanden

Peter Coeln vom Wiener Fotomuseum «WestLicht» erwarb jetzt die Sammlung vom Musée Elysée. Sie umfasst rund 4’400 Werke von 800 Fotografen und Künstlern (Ansel Adams bis Andy Warhol), welche von 1970 bis 1990 in enger Zusammenarbeit mit Polaroid entstand. Doch es gehen nicht alle Polaroids nach Wien: 100 Originale von Schweizer Fotografen hat Peter Coeln dem Musée Elysée geschenkt.

Fast zwei Jahre war die Zukunft der Polaroid Collection ungewiss. Der spektakuläre Ankauf in letzter Minute sichert nun den Bestand dieser einmaligen historischen Sammlung. Der neue Eigentümer WestLicht plant damit verschiedene Ausstellungen, von denen die erste bereits vom 17. Juni bis 21. August 2011 bei WestLicht zu sehen sein wird, sowie ein Buch, das zur Zeit in Vorbereitung ist. In enger Kooperation mit dem Partner-Unternehmen Impossible wird darüber hinaus ganz im Sinn von Polaroid die zeitgenössische Sofortbildkunst gefördert.

«Ich bin glücklich und stolz zugleich, dass es gelungen ist, die Sammlung in ihrer Gesamtheit zu erhalten und endlich zugänglich zu machen», betont Peter Coeln. Der Überraschungscoup gelang Coeln in einem ganz besonderen Jahr. 2011 feiert er mit seinem Fotomuseum WestLicht 10-Jahre-Jubiläum. «Ab Juni zeigen wir erstmals einen repräsentativen Querschnitt aus der Sammlung mit Arbeiten des neuen Materials von Impossible. Ein entsprechender Bildband und weitere thematisch aufbereitete Ausstellungen im WestLicht wie auch Leihgaben an andere Museen sind geplant.»

Magische Momente

Ende der 1940er-Jahre erfand der Physiker und Polaroid-Gründer Edwin Herbert Land das Sofortbildverfahren, eine Revolution der Fotografie. In den folgenden Jahrzehnten setzte ein wahrer Boom dieser Technik ein. Die Faszination, schon kurz nach der Aufnahme ein Foto in Originalgrösse greifbar zu haben, das immer ein Unikat bleiben wird, ist bis heute aller Digitaltechnik zum Trotz ungebrochen. Weltweit sind nach wie vor geschätzte 300 Millionen Polaroid-Kameras im Umlauf. Von der ersten Stunde an liess Land die renommiertesten Fotografen und Künstler mit seinem Material experimentieren und baute an zwei Standorten, in den USA und in Europa, einzigartige Sammlungen auf. Nach der Insolvenz von Polaroid im Jahr 2008 drohten beide Sammlungen in alle Windrichtungen verstreut zu werden. So wurden Raritäten aus der amerikanischen Sammlung 2010 bei Sotheby‘s versteigert. Durch das Engagement von WestLicht blieb der internationalen Sammlung in Europa dieses Schicksal erspart.

Einzigartig und kein kommerzielles Produkt waren die Polaroid-Bilder im Format 50 x 60 cm

Polaroid-Kunst in Grossformat

Besonderer Blickfang der Sammlung sind 1’400 grossformatige Polaroids von 50 x 60 cm. Diese entstanden mit einer eigens konstruierten Kamera und speziellem Filmmaterial, das im Handel nicht erhältlich war. Der tschechische Fotograf Jan Hnizdo, Chief-Operator von Polaroid, reiste mit dieser Kamera und Material zu ausgewählten Fotografen und Künstlern. Konzeptkunst wie Collagen, opulente Arrangements und poppige Inszenierungen spiegeln den Zeitgeist der 70er- und 80er-Jahre wider. Neben großen Namen findet sich eine Vielzahl herausragender Fotografen, die bisher auf dem Kunstmarkt nicht präsent waren.

Auslöser für zeitgenössische Akzente

Als Brücke in die Gegenwart und Ausblick auf die Zukunft steht die enge Kooperation von WestLicht mit dem Unternehmen Impossible um Florian Kaps. Die Firma hat die letzte intakte Polaroid-Filmfabrik im niederländischen Enschede gerettet und entwickelt dort neue Filmmaterialen für traditionelle Polaroid-Kameras. Ganz im ursprünglichen Sinne der Polaroid Collection werden nun wieder Fotografen und Künstler eingeladen, mit dem neuen Filmmaterial einmalige analoge Sofortbild-Kunstwerke zu kreieren. Erste Impossible-Lichtgemälde als Ergebnis dieser Zusammenarbeit werden die Ausstellung im WestLicht ab 17. Juni 2011 ergänzen.

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POLAROID (IM)POSSIBLE – THE WESTLICHT COLLECTION

17. Juni bis 21. August 2011

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WestLicht. Schauplatz für Fotografie
Westbahnstrasse 40
A-1070 Wien
Tel +43 1 522 66 36
Fax +43 1 523 13 08

2 Kommentare zu “Peter Coeln von WestLicht rettet Polaroid Collection”

  1. Schade dass diese wertvolle Sammlung nicht in der Schweiz geblieben ist. Heute erlebt die Sofortbildfotografie einen Aufschwung. Noch hat das Filmmaterial von Polaroidoriginals die Qualität von früher nicht erreicht. Woran liegt es?

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